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ADFC-Fahrradklimatest 2020: Keine Auswertung für die Kreisstadt

Mindestteilnehmerzahl nicht erreicht

Steinfurt

Er gilt alsdas

Ralph Schippers

Wie ist die Situation für Radfahrer in Steinfurt? Der Fahrradklimatest des ADFC liefert dazu keine Aussagen. Es beteiligten sich zu wenige Radler – genauer gesagt weniger als 50. Foto: Michael Gründel

Er gilt als das Stimmungsbarometer für das Radfahren in den Kommunen – und das bundesweit: Seit 1998 führt der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club, kurz ADFC, immer im Abstand von zwei Jahren seinen „Fahrradklimatest“ durch. Im vergangenen Jahr waren Radler erneut aufgefordert, an der Befragung teilzunehmen. Mehr als 230 000 von ihnen machten mit. Die Ergebnisse hat der NRW-Landesverband am Dienstag veröffentlicht. Wer allerdings in die Rangliste für die im Falle der Kreisstadt passende Kategorie der Kommunen zwischen 20 000 und 50 000 Einwohner schaute, wurde nicht fündig. Steinfurt fehlt im Städteranking – als eine von 95 weiteren unter den bundesweit 511 Städten dieser Einwohnerklasse. Als Ort, der sich selbst fahrradfreundlich nennt und darüber hinausnKreisstadt ist, der sogar ganz offiziell in der Arbeitsgemeinschaft derselben Mitglied ist, wundert das schon. Woran es liegt? Die Kreisstadt erreichte die Mindestteilnehmerzahl nicht. 50 hätten es sein müssen – als Voraussetzung dafür, dass einigermaßen aussagekräftige Ergebnisse ausgewertet werden können.

Peter Wolter, Vorstandsmitglied des Kreisverbandes Münsterland des ADFC, führt dies auch darauf zurück, dass es in Steinfurt schon seit mehreren Jahren keinen Ortsverband mehr gibt. Joosten ten Hagen habe die Fahne lange hochgehalten, als er sich zurückzog, habe es keinen Nachfolger gegeben. Seitdem ruht die Vereinsarbeit vor Ort, „obwohl wir rund 40 Mitglieder in Steinfurt haben“. Die Konsequenz: Es fehlen Ansprechpartner für Verwaltung und Politik, und es fehlt an Öffentlichkeitsarbeit, die dazu beitragen kann, Aktionen wie den Fahrradklimatest zu bewerben.

Als „sehr schade“, dass keine Auswertung zustande gekommen ist, bezeichnet auch Simon Möser die fehlenden Ergebnisse für die Kreisstadt. Diese gelten als wichtige Entscheidungsgrundlage für Politik und Stadtplanung. „Sie hätten auch gut Eingang in die jetzt anstehende Erstellung des Mobilitätskonzepts finden können“, so der Klimaschutzmanager. Es gebe offensichtlich zu wenig Kümmerer vor Ort, die die Werbetrommel für eine Teilnahme rühren könnten. Möser hofft, dass die nun wiederbelebte AG Mobilität neue Impulse für die Radverkehrsförderung setzen kann.

Ludger Vortmann, Pressesprecher des ADFC-Landesverbands, stellte auf Anfrage klar, dass die Befragung weder davon abhängig sei, ob ein Ortsverband existiere, noch davon, ob der Ausfüllende Mitglied des ADFC sei. Der Fragebogen sei online zur Verfügung gestellt worden, mitmachen konnte jeder Interessierte.

Bundesweit konstatierte der ADFC beim Fahrradklimatest 2020 einen neuen Teilnehmerrekord: Die Quote schnellte im Vergleich zu 2018 um 35 Prozent auf 230 000 Radfahrer in die Höhe, mit 1024 Kommunen wurde so viele Städte und Kommunen bewertet wie seit Anbeginn nicht. Der Test erreiche vermehrt auch ländliche Kommunen, stellt der ADFC in der Mitteilung erfreut fest: So sei bei den Gemeinden unter 20 000 Einwohner eine Verdoppelung der Teilnahme verzeichnet worden.

Die stetig steigenden Teilnehmerzahlen am Fahrradklimatest spiegeln laut ADFC das gewachsene gesellschaftliche Interesse am Thema Radfahren wider. Insgesamt sieht die Interessenvertretung die Unzufriedenheit der Radfahrer mit den Gegebenheiten in den Städten als noch stets „sehr hoch“ an. Radfahrende fühlten sich unsicher beim Radfahren, klagten über Falschparker und beschrieben ihre Wege durch die Stadt als stressbehaftet. Der Fahrradboom bewirke bisher kaum eine Verbesserung der Infrastruktur. In der Pressemitteilung des Landesverbands wird dessen Vorsitzender Thomas Semmelmann mit deutlichen Worten zitiert: „Man muss sich ernsthaft fragen, ob die Politik aus der Entwicklung der vergangenen Jahre nichts gelernt hat.“

Klimaschutzmanager Simon Möser kündigte an, dass die Kreisstadt auch 2021 an der Klimaschutzkampagne „Stadtradeln“ teilnehmen wird. Aktionszeitraum ist vom 13. Mai bis zum 2. Juni. Nach Ostern sollen sich Teilnahmewillige auf der Homepage stadtradeln.de für die Aktion anmelden können. Seit 2018 beteiligt sich Steinfurt an der Umweltschutzaktion, bei der es darum geht, möglichst viele Auto- durch Fahrradkilometer zu ersetzen.

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