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Frühsommerlicher Klavierabend in der Bagno-Konzertgalerie

Mit Inbrunst und Seelentiefe

Burgsteinfurt

Wie ein verträumter Spaziergang durch einen japanischen Garten: Mit der anrührenden, poetischen, zutiefst beeindruckenden Musik des Japaners Toru Takemitsu nahm die junge Pianistin Fuko Ishii am Donnerstagabend die Zuhörer in der Konzertgalerie mit in eine fernöstliche Klangwelt.

Von Hans Lüttmannund

Verzauberte die Zuhörer am Donnerstagabend in der Bagno-Konzertgalerie: die junge Pianistin Fuko Ishii aus Japan. Foto:

Wie ein verträumter Spaziergang durch einen japanischen Garten: Mit der anrührenden, poetischen, zutiefst beeindruckenden Musik des Japaners Toru Takemitsu nahm die junge Pianistin Fuko Ishii am Donnerstagabend die Zuhörer in der Konzertgalerie mit in eine fernöstliche Klangwelt. Wer bei der zweiteiligen „Litany – In Memory of Michael Vyner“ die Augen schloss, tagträumte sich in eine romantische Landschaft voller warmer, weicher Farben.

Die musikalische Verbeugung vor Michael Vyner, der von den frühen 1970er- bis späten 80er-Jahren die „London Sinfonietta“ leitete, schenkte den Zuhörern meditative Ruhe, entrückte ihr Zeitempfinden und tönte von der Weisheit stiller Naturbetrachtung im Land der aufgehenden Sonne. In jeder Sekunde ihres feinsinnigen Spiels vibrierte die Luft im Konzertsaal von Fuko Ishiis Liebe und dem Respekt vor dem Werk des 1996 gestorbenen Komponisten, zu dessen großen Verehrern auch Igor Strawinsky und Leonard Bernstein zählten.

Die beiden mit „Adagio con rubato“ und „Lento misterioso“ untertitelten Teile der „Litanei“ (1950 und 1989 komponiert) strahlen eine eigentümliche Schlichtheit aus, die weder exotisch, noch fremd oder gar verstörend für westlich geschulte Ohren klingt, sondern in ihrer stillen, archaisch anmutenden Stimmung trotz kleiner abrupt atonaler Ausbrüche die Schönheit des Augenblicks verhimmelt.

Aber vor und hinter dem japanischen Garten warteten an diesem Abend auch noch zwei deutsche Klavier-Titane auf ihren Auftritt: Brahms und Beethoven. Und bekamen nicht nur ihrer Komponistentalente wegen überbordenden Applaus, sondern vor allem, weil Fuko Ishii mit so viel Inbrunst, eruptiver Kraft und hingebungsvoller Seelentiefe spielte, wie man sie dieser grazil und zierlich wirkenden jungen Frau zunächst nicht zugetraut hätte. Ihr Brahms kam nicht klangwülstig daher, sondern mal zart gesponnen, mal gefühlssatt melancholisch und dann wieder feurig beschwingt.

Und der härteste Brocken des Abends, Beethovens Sonate A-Dur, wirkte wie von Patina und Spinnweben befreit und im Schlusssatz entschlossen und mit geradezu erschütternder Wucht. Von Fuko Ishii wird man auf ihrem Weg in die allererste Liga sicher noch viel hören.

Apropos hören: Beinahe ebenso schön wie dieser wunderbare, frühsommerliche Klavierabend ist die Tatsache, dass endlich wieder Musik gespielt wird im Bagno und im neuen, gerade erschienenen Programm noch viele Einladungen zu finden sind für ganz andere musikalische Spaziergänge durch Auen, offene Landschaften und fremde Gärten.

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