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„Sport im Park“: MTB-Tour des Breitensport über 23 Kilometer durch das Bagno-Buchenberg-Gebiet

Mit Stolle über Stock und Stein

Steinfurt

Beflügelt noch durch die Corona-Pandemie erfreut sich das Mountainbike-Fahren immer größerer Beliebtheit. Das weiß auch der Breitensport Burgsteinfurt, der im Rahmen der Aktion „Sport im Park“ während der Ferien insgesamt sechs Mal eine Tour speziell für Gelände-Radfahrer angeboten hat. Redaktionsmitglied Ralph Schippers fuhr bei der letzten Ausfahrt, die durch das Bagno-Buchenberg-Gebiet führte, mit – und erlebte spannungsgeladene 23 Kilometer „über Stock und Stein“.

Von Ralph Schippersund

Auf gehts! Die erwartungsfrohen Teilnehmer der BSB-Tour am Startpunkt Bagnoeingang vor dem Schloss. Mit von der Partie Redaktionsmitglied Ralph Schippers (kl. Bild). Foto: Rainer Nix

„Gemein, der muss nicht mal keuchen!“ Am für münsterländische Verhältnisse giftigen Anstieg zum Buchenberggipfel, dort, wo die Stadtwerke das Steinfurter Trinkwasser in einem Hochbehälter speichern, kann es sich Jan-Hendrik Weißschnur nicht verkneifen, diesen kleinen „Seitenhieb“ an den Mitfahrer von der Zeitung auszuteilen. Der WN-Reporter hat sich an diesem Dienstag auf den Sattel seines E-MTB geschwungen und sich der Geländebiker-Gruppe des Breitensport angeschlossen, die sich in den Sommerferien schon fünf Mal getroffen hat, um im Rahmen der Aktion „Sport im Park“ dieser besonderen und sich gerade in Coronazeiten wachsender Beliebtheit erfreuenden Radsportvariante zu frönen. Und ja, der Redakteur ist der einzige im Feld der elf Teilnehmer, der zu der Tour mit E-Unterstützung angetreten ist. Der Rest der Truppe, allesamt Männer im Alter von Anfang 30 bis Ende 50, baut allein auf Muskelkraft. Respekt!

„Ich schlage vor, dass wir heute die Bagno-Buchenberg-Runde fahren.“ Diese Anregung von Jan-Hendrik Weißschnur am Treffpunkt Bagno-Eingang vor dem Schloss war zu Beginn auf einhellige Zustimmung bei den Teilnehmern, von denen einer sogar aus Ibbenbüren angereist ist, gestoßen. Ganz im Sinne auch des Redakteurs, der insbesondere die entlegenen Buchenberg-Areale nur rudimentär kennt und gespannt auf neue Eindrücke ist. Schnell wird klar, dass der BSB- Übungsleiter, der zu den Gründungsmitgliedern des Vereins zählt und die „Sport im Park“-Aktion zusammen mit Frank Rummeling organisiert, sich im Waldgebiet zwischen den beiden Steinfurter Ortsteilen bestens auskennt. Sind die anfänglichen Bagno-Wege dem Zeitungsmacher zunächst noch bekannt, biegt der Tour-Guide schon bald in Trails ab, die dieser noch nie gesehen hat. Es geht im wahrsten Sinne über Stock und Stein, herausfordernd für das elfköpfige Peloton, das sich jedoch durchweg als erfahren im Umgang mit dem MTB erweist und gut miteinander harmoniert. Klare Ansagen und Hinweise („Links halten!“, „Achtung Pfahl!“) vom Frontmann helfen dabei – und Abstand zum Vordermann. Vor allem aber kommt es auf Konzentration an beim kurvigen Radtanz zwischen Bäumen, über Wurzeln und Steine. Bei den Abfahrten erreicht das Feld schon deutlich über 30 Stundenkilometer, da heißt es feinfühlig mit den Bremsen umgehen und Stöße auszugleichen. Mitunter heikel sind auch die vereinzelt auftretenden matschigen Stellen, eine „gute Stolle“, wie die Geländefahrer sagen, bietet dort eindeutige Vorteile.

Besondere Vorsicht erfordert die Überquerung nasser Wurzeln, die die Wege am Buchenberg im Bereich des Grottenkamps kennzeichnen. Die Sturzgefahr ist groß, es geht aber alles gut – dank auch der Erfahrung der Teilnehmer. „Beim letzten Mal war das anders“, berichtet Weißschnur während einer der regelmäßig eingelegten Pausen. Bei der Fahrt nach St. Arnold hatte einer der Teilnehmer Pech, wählte die falsche Spurrille, landete gleichwohl nicht hart, sondern in einem Baggersee. „Er hat sich wohl mit seinem neuen Rad überschätzt“, mutmaßt das BSB-Vorstandsmitglied.

Wichtig ist den Mountainbikern, andere Waldnutzer nicht zu sehr zu belästigen. Wenn Fußgänger den Weg kreuzen, wird Tempo herausgenommen und vorsichtig passiert. Und freundlich gegrüßt. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch wieder heraus. Diese Weisheit ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen.

Nach einer Runde rund um den Hochbehälter ist die Truppe inzwischen auf freiem Feld in Hollich unweit der Gaststätte Beckers Jan angekommen. Auf dem schmalen Pfad neben dem Acker kommen ihnen andere MTBler entgegen. Kein Problem, es wird Platz gemacht und gewartet, bis diese passiert haben. Dann geht es kurzzeitig auf die Landstraße bis hoch zum Abzweig zur Hollicher Mühle. Es soll die einzige „On­road“-Passage auf dieser Tour bleiben – mehr als 90 Prozent Wald- und Schotterwege, davon träumen Mountainbiker.

Apropos: Auch Weißschnur hat einen Traum. So perfekt präparierte Trails und Beschilderungen für MTB-Routen wie in den Niederlanden. „Da sind uns die Holländer meilenweit voraus“, weiß er von mehreren Ausflügen ins Nachbarland. Ob das allerdings im Bagno-Buchenberg mit seiner hohen naturschutzrechtlichen Einordnung als FFH-Gebiet möglich ist, darf bezweifelt werden. Es bleiben auch schon mal umgestürzte Bäume liegen, was die Gelände­radler unvermittelt zu einer harten Bremsung nötigt. Absteigen, Rad über den Stamm hieven und weiter gehts.

Ja, MTB-Fahren ist anstrengend. Aber es macht auch jede Menge Spaß, darin sind sich alle Teilnehmer einig. Zumal, wenn es auch noch einen so besonderen Ausklang gibt wie an diesem Abend: Als sich das Peloton nach zwei Stunden und knapp 23 Kilometern an der Großen Allee wieder dem Ausgangspunkt nähert, versinkt die Abendsonne zwar nicht glutrot, aber doch immerhin dunkelorange hinter dem Schloss. Toll. Und der Reporter? Keucht immer noch nicht, ist aber doch ordentlich ins Schwitzen gekommen!

Der BSB wird auch nach Ende der „Sport im Park“-Aktion immer dienstags weiter MTB-Touren vom Treffpunkt Bagnoeingang anbieten. Beginn ist um 19 Uhr, Ende gegen 21 Uhr. Eine Mitgliedschaft im BSB ist nicht Pflicht, wohl aber das Tragen eines Helmes. Die Touren sind zwischen 25 und 45 Kilometer lang.

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