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Europäischer Solarpreis

Mut der Energie-Pioniere wird belohnt

Kreis Steinfurt/Rom

Der Europäische Solarpreis geht in den Kreis Steinfurt: Die „Energielandschaft Hollich“ wurde am Dienstagabend in Rom in der Kategorie „Lokale oder regionale Vereine/Gemeinschaften“ mit der renommierten Auszeichnung für ihr Engagement als „Energie-Pioniere“ gewürdigt.

Achim Giersberg

Der Erfolg hat viele Väter: Landrat Thomas Kubendorff, Amtsleiter Ulrich Ahlke und WLV-Kreischef Johann Prümers präsentieren Preis und Urkunde. Um sie herum (v.l.) Georg Göckenjans, Jörg Tiemann (beide Windpark Hollich), Henning Steiner (Kreis), Steinfurts Bürgermeister Andreas Hoge, Rolf Echelmeyer (Stadtwerke Steinfurt) und Sven Nefigmann (Bionenergie Steinfurt). Foto: Achim Giersberg

Was ist ein Preis wert, der ganz ohne Preisgeld daherkommt? Eine ganze Menge – wenn es der renommierte Europäische Solarpreis ist. Er wurde am Dienstagabend in Rom von der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien e.V. in der Kategorie „Lokale oder regionale Vereine/Gemeinschaften“ an die „Energielandschaft“ Hollich vergeben.

Das ist eine Kooperation des Kreises Steinfurt mit Land- und Energiewirten aus der Steinfurter Bauerschaft Hollich, die gemeinsam Großes geleistet hat und weiter vorhat. So steht jetzt für 80 Millionen Euro ein zweiter Bürger-Windpark zur Realisierung an, der Steinfurt beim Strom nicht nur autark sondern auch zum Strom-Exporteur machen würde.

Entsprechend gelöst war die Stimmung gestern morgen im Steinfurter Denkmalpflege-Werkhof, als der Kreis und die Hollicher Energie-Pioniere mit einem Glas Sekt auf ihren Erfolg anstießen. Wobei der Solarpreis nicht nur für Fotovoltaik gilt, sondern die Erneuerbaren Energien insgesamt erfasst

„Wir sind alle sehr, sehr stolz“, bekannte Landrat Thomas Kubendorff und ließ im Schnelldurchlauf die Hollinger Erfolgsgeschichte Revue passieren: Vom Bau des ersten Bürgerwindparks über den Bau einer großen Biogansanlage bis zum Bau einer acht km langen Rohrleitung, die erst das Kreishaus und dann immer mehr Gebäude mit Gas versorgte. Heute managt die „Energielandschaft Hollich“ 19 Windkraftanlagen mit je 1,5 bis 2 MW Leistung und plant 16 weitere 3-MW-Anlagen. Sie betreibt vier Biogasanlagen z.T. mit angegliederten Blockheizkraftwerken und versorgt immer mehr Einrichtungen in Steinfurt vom Kreishaus über Schulen bis zum Freibad mit Nahwärme,. 72 Mio kWh Strom werden derzeit produziert, ab 2015 werden es mit dem neuen Windpark zusätzlich 140 Mio kWh/a sein. Damit könnten dann mehr als 60 000 Haushalte versorgt werden und die CO-Ersparnis steigt von 50 000 auf 160 000 Tonnen im Jahr.

WLV-Kreisverbandschef Johann Prümers erinnerte an den Teamgeist und das große ehreamtliche Engagement, das diese Erfolgsgeschichte überhaupt erst möglich gemacht habe und versprach: „Wir Landwirte sind weiterhin dabei“. Gerd Göckenjans, Windbauer der ersten Stunde und heute Geschäftsführer der Windkraft Hollich GmbH, betonte, wie wichtig das Prinzip der Bürgerbeteiligung von Anfang an für die Akzeptanz der Windenergie war und ist, Sven Nefigmann, Geschäftsführer Biogas, berichtete von Arbeitsplätzen und neuen Firmen, die im Hollicher Umfeld entstanden. Bürgermeister Andreas Hoge lobte den Mut der Energiepioniere und freute sich über steigende Gewerbesteuer. Und Ulrich Ahlke, Leiter des Amtes für Klimaschutz beim Kreis, würdigte die Risikobereitschaft der investierenden Landwirte und Bürger, aber auch die „politische Klugheit zu nachhaltigen Entscheidungen“.

Sorge bereitet eine aktuelle Entwicklung. Komme die von SPD-Chef Sigmar Gabriel für 2017 geplante Ausschreibungspflicht für Windanlagen, wäre das eine erhebliche Gefahr für das Modell der Bürgerbeteiligung. „Wenn Fremdinvestoren die Windanlagen bauen, geht die Akzeptanz ganz schnell zu Ende“, prophezeite Ahlke und ahnte: „Eine zentrale Orientierung gefährdet die Energie-Wende“.

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