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Weihbischof Dr. Christoph Hegge erklärt Reform „Pastorale Räume“

„Nicht lange fragen, machen“

Ochtrup/Steinfurt

Dieser Weg wird kein kurzer sein: Bis 2040 lässt sich das Bistum Zeit, die pastoralen Räume als Antwort auf sinkende Gläubigerzahlen zu installieren. Weihbischof Dr. Christoph Hegge sieht große Chancen, die in dem Reformprozess liegen.

Von Axel Roll

Weihbischof Dr. Christoph Hegge sieht in dem Schrumpfungsprozess der katholischen Kirche auch Chancen. Den Umbau zu pastoralen Räumen will er in aller gebotenen Ruhe angehen. Foto: pbm

Am Abend des 12. Mai liegt der erste Stein für das Dekanat Steinfurt im Wasser. Er soll Kreise ziehen. Weite Kreise. Sie werden nach den Planungen von Weihbischof Dr. Christoph Hegge und seinen Mitstreitern erst im Jahr 2040 abgeebbt sein und damit einen langen Reformprozess beenden, der das Bistum noch länger zukunftsfähig machen soll.

Dieses eher gemächliche Mäandern über fast 20 Jahre hinweg ist gewollt. „Wir müssen nichts überstürzen“, betont Hegge. Am 12. Mai hat er als Mitglied des dreiköpfigen Regionalteams für die Region Borken-Steinfurt alle Haupt- und Ehrenamtlichen in den zehn Dekanatsorten bei acht Treffen auf den gleichen Diskussionsstand gebracht. Nun sind die Pfarrgemeinden an der Reihe, mit ihren ersten Vorschlägen das Reformmodell „Pastorale Räume“ mit Leben zu füllen. Oder, um im Bild zu bleiben, den nächsten Stein ins Wasser zu werfen.

Worum es geht, ist schnell erzählt. Die Zahl der Katholiken schrumpft – und die der Priester ebenfalls. Weihbischof Hegge geht davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren 600 000 Gläubige durch Tod oder Austritt der Kirche im Bistum Münster verloren gehen. Natürlich auch als Kirchensteuerzahler. Eine Antwort auf diese Entwicklung sind die pastoralen Räume, also größere, über die bisherigen Gemeindegrenzen hinausgehende Organisationseinheiten. Darin kann sich ein Pool von Pfarrern die Seelsorge teilen.

Das hat auch zur Folge, dass eine Gemeinde nicht mehr einen Gemischtwarenladen von Angeboten vorhalten muss. Weihbischof Hegge: „Es können sich zum Beispiel Zentren für Jugendliche oder Erwachsenenbildung entwickeln.“ Feste Vorgaben für solche Schritte gibt es keine. „Vieles wird sich erst auf dem Weg ergeben“, betont Hegge. So sind Fusionen von Gemeinden keinesfalls zwingend, wenngleich nicht ausgeschlossen.

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Kleiner werden an sich, das macht dem Mitglied des Regionalteams keine Angst. „Wir können damit zurückkehren zum Ursprung der Botschaft“, ist Christoph Hegge überzeugt. Was er mit „Mach dich ehrlich“ beschreibt, bedeutet für ihn bezogen auf die katholische Kirche: Diejenigen, die jetzt noch bleiben, meinen es wirklich ernst. Und mit denen könnten auch inhaltliche Strukturwechsel angestoßen werden. Spontan fällt dem Weihbischof die „liturgische Langeweile“ in vielen Kirchen ein. Gerade junge Menschen verständen die Zeichen, die von der Liturgie gesendet würden, gar nicht mehr. Folge: „Nur acht Prozent der Katholiken gehen sonntags noch in den Gottesdienst.“

Weihbischof Dr. Christoph Hegge

Damit Kirche in den pastoralen Räumen funktioniert, der Glauben weiterhin vor Ort gelebt werden kann, fordert Christoph Hegge Gemeindearbeit auf breiter Ebene. Vieles könne und solle auch nicht mehr von den Priestern allein abgedeckt werden. Kooperation auf Augenhöhe zwischen Ehren- und Hauptamtlichen sei notwendig. Der Weihbischof wörtlich: „Als Getaufter stehst du automatisch in der ersten Reihe.“ Und wenn es darum gehe, eine gute Idee umzusetzen, müsse das Motto gelten: „Nicht lange fragen, machen.“ Der Weihbischof redet damit einer „Entklerikalisierung“ das Wort.

Hegge gibt sich gelassen beim Blick auf die personellen Ressourcen im Bistum. „Bis 2030 haben wir hinreichend Personal“, ist er sich sicher. Und bis dahin sollten die ersten Reformschritte Wirkung zeigen. Generell stelle sich die Situation der Kirche nicht gerade ideal dar. „Da will ich gar nichts glorifizieren.“ Aber im Vergleich mit anderen Ländern klage man in Deutschland auf hohem Niveau.

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