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Zwei Journalisten sind Stilblüten der Berichterstattung auf der Spur

Perlen in der Presse

Steinfurt

„Bauchchirurg schneidet hervorragend ab“ oder „Zentralfriedhof wie ausgestorben“ – Überschriften wie diese sorgen für Schmunzeln. Seit Jahren stöbern die beiden Journalisten Ralf Heimann und Jörg Homering-Elsner solche kuriose Nachrichten auf. Nun sprachen sie beim „Steinfurt Autoren-Treff“ darüber.

Von Rainer Nixund

Der Abend war ein voller Erfolg, darüber freuten sich (v.l.): Dr. Peter Krevert (Kulturforum Steinfurt), Jörg Homering-Elsner, Ralf Heimann, Martina Furchert (Vorsitzende Förderverein) und Kaj-Jürgen Dönneweg (Leiter Bücherei). Foto: Rainer Nix

SteinfurtWer weiß schon genau, wie sie zustande kommen, die kleinen oder größeren Fehler in Presseartikeln. Die Vertreter der schreibenden Zunft sind auch nur Menschen, keineswegs allwissend und schon gar nicht vor Irrtümern gefeit. Ralf Heimann und Jörg Homering-Elsner sind gestandene Redakteure und Buchautoren. Seit Jahren stöbern sie kuriose Nachrichten auf. In mehreren Büchern unter dem Titel „Perlen des Lokaljournalismus“ haben sie Stilblüten der Berichterstattung ein Denkmal gesetzt.

Am Freitag waren die beiden „Investigatoren“ zu Gast beim vierten „Steinfurter Autoren-Treff“ in der Stadtbücherei Steinfurt. Die Kooperationsveranstaltung von Kulturforum, Bibliothek und deren Förderverein amüsierte das Publikum anderthalb Stunden lang. Und was es da alles gibt. Überschriften wie „Bauchchirurg schneidet hervorragend ab“ oder „Zentralfriedhof wie ausgestorben“ müssen einfach ins Auge stechen. „In vielen Redaktionen gibt es Pinnwände, auf die Zeitungsausschnitte mit Fehlern geheftet werden“, verriet Homering-Elsner. Das gibt Kollegen und Freien Mitarbeitern Gelegenheit, ihre Sinne zu schärfen, lässt sich aber ebenso humorvoll ausschlachten.

Wenn die Headline andeutet, dass eine Kreisverwaltung 4,7 Euro Überschuss erwirtschaftet hat, stimmt das durchaus nachdenklich. Oftmals ist es auch die Diskrepanz zwischen Überschrift/Bildunterschrift und Foto. Bringen sich „CDU-Frauen in Stellung“, weil sie mehr Macht in der Politik wollen, ist das erst einmal nachvollziehbar. Doch zeigt das Foto dazu eine Männergruppe, stürzt das den Betrachter in eine Sinnkrise. Die Headline „Was tun nach dem Tod? Neue Broschüre berät“ bringt Leser ebenso ins Grübeln wie „Wahrsagerin von Messerattacke überrascht“. Da hat wohl jemand seinen Beruf verfehlt.

Heimann zeichnete in seinem Buch „Die tote Kuh kommt morgen rein. Ein Reporter muss auf’s Land“ satirisch spezielle Charakteristika von Lokalredaktionen nach. Die Kollegen stehen unter dem immensen Druck, auch in der beschaulichen Provinz hin und wieder mal echte Highlights bieten zu müssen. Ein ganz klein wenig fühlt man sich an den spitzzüngigen Sprach-, Kultur- und Medienkritiker Karl Kraus (1874 – 1934) erinnert, der einst behauptete: „Keinen Gedanken haben und den richtig ausdrücken können – das macht den Journalisten.“ Heimann ist weit davon entfernt, sich dieser perfiden Sichtweise anzuschließen. Mit viel Witz beschreibt er die Not im Lokalressort. Kann man Kollegen wirklich verübeln, wenn sie darüber nachdenken, ob sich aus drei Maulwurfshügeln nicht bereits der Beginn einer Plage konstruieren lässt?

Wer Lust auf mehr bekommt, findet bei Facebook oder auf Instagram unter dem Stichwort „Perlen des Lokaljournalismus“ zahlreiche Einträge. Homering-Elsner verspricht: „Täglich werden es mehr.“

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