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Bagnobrücken-Sanierung FWS-Mitglied Hartmut Hepcke kritisiert die Verwaltung hart

„Politik in die Irre geführt“

Burgsteinfurt

Hartmut Hepcke ist überzeugt: Die Bagno-Brücke käme mit einem Kunststoffbelag besser klar. Der zuständige Ausschuss hat sich für Holz entschieden. Aufgrund von Falschinformationen durch die Verwaltung, sagt der emeritierte Fachhochschulprofessor.

Von Axel Roll

Die marode Brücke im Bagno war schon häufig Gegenstand von Diskussionen in den politischen Gremien. Die Sanierung ist für nächstes Jahr ins Auge gefasst. Foto: rs

Prof. Dr.-Ing. Hartmut Hepcke fährt schweres Geschütz auf. Das Mitglied der FWS-Fraktion ist überzeugt: Der Beschluss des Bauausschusses im September, die heiß diskutierte Bagnobrücke mit einem Bodenbelag aus Robinienholz – und nicht aus Kunststoff – zu sanieren (diese Zeitung berichtete ausführlich), ist rechtswidrig. Er sei nur zustande gekommen, weil die Verwaltung den Ausschuss falsch informiert habe.

Kunststoff sei besser als Holz

Als emeritierter Professor der Fachhochschule im Fachbereich Energie, Gebäude und Umwelt kennt sich Hepcke mit Baustoffen aus. Und er ist überzeugt: „Kunststoff ist die bessere Alternative zu Holz.“ Er hat sich in den letzten drei Jahren intensiv mit der Sanierung der Brücke vom Nünningsweg ins Bagno beschäftigt. Und der Verwaltung immer wieder Vorschläge für eine in seinen Augen preisgünstige und effektive Aufarbeitung gemacht. „Antworten aus der Bauabteilung habe ich aber nie bekommen“, bedauert der emeritierte Hochschullehrer.

Im konkreten Fall „Holz oder Kunststoff?“ verweist Hepcke auf die Niederschrift zur September-Sitzung des Bauausschusses, in der sein Vorschlag diskutiert wurde. Dort heißt es: „Nicht nur Preis, Erscheinungsbild und Ressourcenschonung, sondern auch Praktikabilität bei der Unterhaltung bedeuten im Vergleich zu Kunststofflösungen, dass Holz die bessere Materialwahl darstellt. Kunststoffbohlen müssten bei Austausch als Sondermüll entsorgt werden.“ Nach dem Lesen war Hepcke auf 180. „Nichts davon ist wahr“, schimpft er. Und so hat er es auch in seinem Brief an das Baudezernat und die Mitglieder des Bauausschusses geschrieben: „Ihre Aussagen treffen in keinem von Ihnen genannten Punkt zu und können nur als Mutmaßungen und persönliche Meinungen gewertet werden“, geht Hepcke die Verwaltung direkt an. Sie habe damit ihr Neutralitätsgebot massiv verletzt, der Ausschuss sei in die Irre geführt worden.

Werkstoff aus Altplastik

Als Beweis stellt Hepcke in einer Bewertungsmatrix, ganz Wissenschaftler, die verschiedenen Materialeigenschaften von Robinienholz und die von ihm favorisierten Trimax-Bohlen gegenüber. Dabei handelt es sich um einen Werkstoff, der aus Altplastik gewonnen wird und mittlerweile als Bootsstegbelag genauso Verwendung findet wie als Uferbefestigung, Brücken-, Terrassen oder Treppenuntergrund. Die Behauptung der Verwaltung, dass die Bohlen später als Sondermüll entsorgt werden müssten, sei völliger Quatsch: „Genau das Gegenteil ist richtig, alte Bohlen sind Grundstoff für die Herstellung neuer.“ Aber auch bei allen anderen Bewertungskriterien wie Garantie (50 Jahre), Wasseraufnahme, Fahrwegrauigkeit, Verformung, bauaufsichtliche Zulassung oder Wertschöpfungskette, um nur einige Punkte zu nennen, sei Trimax besser als Robinie. Das Hartholz sei allerdings ein bisschen preisgünstiger als die Kunststofflösung.

Hartmut Hepcke betont, dass es ihm nicht darum geht, auf Teufel komm‘ heraus den eigenen Antrag durchzuboxen. „Wenn der Ausschuss zu dem Schluss kommt, dass er trotzdem lieber einen Holzbelag für die Brücke haben möchte, ist das in Ordnung. Aber Entscheidungen auf Grundlage von falschen Informationen zu treffen, das geht einfach nicht.“ Außerdem ärgert das Mitglied der Freien Wähler der in seinen Augen respektlose Umgang mit den Mitgliedern  der politischen Entscheidungsgremien. „Auf Briefe einfach gar nicht zu reagieren, das kann es nicht sein.“

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