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Nachgefragt bei einem Gemüsehändler

Preisschwankungen im Fokus: Warum wird das Gemüse teurer?

Steinfurt

Natürlich haben die Preise in vielen Bereichen gehörig angezogen. Zum Beispiel für Tomaten. Bei Obst ist die Lage aber zum Beispiel noch relativ entspannt. Christian Dieckmann als Wilmsberger Gemüsebauer muss für vieles mehr bezahlen, betrachtet das Obst- und Gemüsegeschäft aber sehr differenziert.

Von Axel Roll

Alles Handarbeit: Christian Dieckmann steht mitten in den jungen Tomaten. In seinem großen Tunnelzelt muss er nicht mehr gegen den Frost anheizen. Foto: Axel Roll

Es läppert sich. Eine 33-Kilo-Gasflasche ist fünf Euro teurer geworden. Für den Diesel sind jetzt alle drei Tage 350 Euro fällig. Das Biofutter für die Hühner kostet plötzlich 50 Prozent mehr. Und für die Pflanzentische aus Aluminium legt Christian Dieckmann plötzlich 650 Euro hin. Pro Stück. Früher hätte er dafür zwei bekommen. „Trotzdem sind die Preise für unsere Kunden nicht so explodiert, wie das gerade in der Öffentlichkeit vielfach dargestellt wird“, macht er die bundesweiten Schlagzeilen für die Steinfurter Verhältnisse ein wenig kleiner. Wo sich die Preisspirale allerdings künftig hindrehen wird? Der Wilmsberger Obst- und Gemüsehändler kann es nicht sagen.

Nicht alles, aber vieles seines grünen Angebotes baut Christian Dieckmann mit seiner Frau Irmgard auf dem eigenen Hof an. Gerade stehen in dem 2000 Quadratmeter großen Folienhaus die Tomaten in den Startlöchern. „Alles Handarbeit“, betont der 58-Jährige. Jedes der Tausende von Pflänzchen ist durch die Hände von Ehefrau Irmgard gegangen. Er selbst klopft gerade die Töpfe mit dem Kohlrabi-Nachwuchs aus, um den gefräßigen Larven des Dickmaulrüsslers auf die Spur zu kommen. Für sie ist das junge Gemüse geradezu eine Delikatesse, gewissermaßen Drei-Sterne-Babynahrung.

Talfahrt bei Spargelpreisen

Die Einkaufspreise bei seinen Großhändlern geben derzeit noch ein sehr uneinheitliches Bild ab. Wie eigentlich in jedem Jahr. „Für Bananen und Beeren zahle ich immer noch das Gleiche“, weiß Christian Dieckmann. Tomaten gehen gerade durch die Decke. Das bestätigt auch Kollege Thomas Sommer, der in Burgsteinfurt auf dem Wochenmarkt schräg gegenüber Obst und Gemüse verkauft. „Die Obstpreise sind noch okay“, sagt der Händler aus Horstmar. Was seiner Ansicht nach damit zu tun hat, dass die Ware vornehmlich aus dem Ausland kommt. „Mal sehen, was passiert, wenn die Deutschen auf den Markt kommen.“

Christian Dieckmann verweist darauf, dass es Preisschwankungen schon immer gegeben hat. „Wenn die Ernte in Südeuropa zum Beispiel wegen einer Kältewelle nicht so gut ist, wird das entsprechende Obst oder Gemüse natürlich teurer.“ In diesem Frühjahr wundert sich Thomas Sommer darüber, was die Spargelpreise für eine Talfahrt antreten: „Da fragt man sich schon, ob die Bauern zu dem Preis überhaupt produzieren können.“

Christian Dieckmann ist erst einmal froh, dass die frostfreie Zeit angebrochen ist. Obwohl die Eisheiligen ja noch kommen. Aber im Mai kann er seinen Gaslüfter im großen Tunnelzelt in der Regel auslassen. Das spart Energie und damit Kosten. Was ihm aber seit dem immensen Anstieg der Spritpreise richtig weh tut, ist das Tanken seiner drei Autos, die er für den Familienbetrieb benötigt.

Wochenmarkt: Boom ist abgeflacht

Auf den Märkten selbst sind die Preise – derzeit noch nicht – das große Thema. Generell wissen die meisten Kunden, dass sie für die gebotene gute Qualität ein bisschen tiefer in die Tasche greifen müssen. „Außerdem habe ich viele Stammkunden. Und die vertrauen mir, dass ich eben keine Mondpreise nehme, sondern sauber kalkuliere“, betont Christian Dieckmann. Hinzu komme, dass er Obst und Gemüse anbiete, das nach Biorichtlinien angebaut worden sei. „Das ist generell hochpreisiger.“

Der Boom, den der Wochenmarkt durch Corona erlebt hat, ist übrigens schon wieder ein bisschen abgeflacht. „Wir können uns nicht beklagen. Aber weniger geworden ist das schon“, ist sich Christian Dieckmann mit seinen Händlerkollegen einig. Die absolute Hoch-Zeit sei der erste Lockdown gewesen. „Da hatte alles dicht. Nicht nur die Restaurants, auch die Betriebskantinen.“ Viele Menschen seien darum gezwungen gewesen, zu Hause zu kochen. „Und da sich die Leute damals sonst nichts gönnen konnten, haben sie es eben beim Essen getan.“

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