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Musikschulleiter Antonio Di Martino ist ausgebildeter Sänger

Seine Leidenschaft gehört der Oper

Steinfurt

Der neue Leiter der Musikschule Antonio Di Martino hat eine besondere Leidenschaft: die Oper. Aufführungen genießt er indes nicht rein passiv als Zuhörer. Der 30-jährige Sohn italienischer Einwanderer ist als ausgebildeter Sänger selbst vom Fach – und kann bereits auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Sein Traum: Einmal in der Bagno-Konzertgalerie auftreten.

Von Ralph Schippersund

„Das hätte schon was!“ Antonio Di Martino kann sich sehr gut einen Auftritt in der Bagno-Konzertgalerie vorstellen. Nicht unbedingt ein Auftritt im Rahmen einer Oper, aber doch ein unterhaltsamer Liederabend würde dem Sänger mit Bariton-Stimmlage gut gefallen. Foto: Ralph Schippers/privat

Wenn Antonio Di Martino von seiner WG in Borghorst zu seinem Arbeitsplatz in der Hohen Schule in Burgsteinfurt fährt, dann macht er das gerne mit dem Fahrrad und nutzt – das liegt nahe – den Radweg durchs Bagno. Die Lunge mit frischer Waldluft gefüllt, ergreift der neue Abteilungsleiter Musikschule im Kulturforum und gelernte Opernsänger dann auch gerne die Gelegenheit zur Stimmübung – wie auch in der Hohen Schule („Nach Feierabend!“) oder auch in der Borghorster WG. „Die Stimme“, so der Bariton-Sänger, „muss man trainieren – geradeso wie ein Sportler seine Muskeln.“ Und wenn der 30-Jährige beim Radpendeln an der Konzertgalerie vorbeifährt, dann schmettert er gleich noch etwas stimmgewaltiger. „Ja“, sagt der gebürtige Stuttgarter, der gerade mal vor einem Monat ins Westfalen-Land gezogen ist, „das würde mich schon reizen, dort einmal auftreten zu können.“ Ein Liederabend mit einer Pianistin oder einem Pianisten, unterbrochen durch Infoblöcke, die Input geben zum Gesangsvortrag, ja, das hätte schon was.

Der Sohn italienischer Einwanderer weiß natürlich um die Einzigartigkeit des historischen Gebäudes und um die musikalischen Größen, die sich im ältesten frei stehenden Konzertsaal des Kontinents ein Stelldichein gegeben haben und nach der schwersten Corona-Zeit jetzt auch wieder geben. Sich in diese Reihe einzugliedern wäre ein Traum, zumal auch er schon etliche Auftritte vor großem Publikum als Opern- und Konzertsänger vorzuweisen hat: So war der passionierte Radfahrer, bevor er seine Stelle in Steinfurt antrat, mehrere Jahre sehr aktiv als Sänger im Kammerchor Stuttgart und SWR-Vokalensemble tätig und hat dabei unter anderem die großen Passionen von J.S. Bach gesungen. Und Auftritte am saarländischen Staatstheater in Saarbrücken – unter anderem in der Verdi-Oper „Don Carlos“ – kann er auch vorweisen.

Ob er bei seinem klingenden italienischen Namen auch Konzert- und Opernsänger aus „Bella Italia“ zum Vorbild hat? „Ja“, sagt Di Martino, „aber nicht unbedingt ein Pavarotti.“ Es fällt der Name Franco Corelli, der in den 1960er und 70er-Jahren als einer der bedeutendsten Tenöre seiner Zeit galt. Stimmgewalt und Persönlichkeit des „tenore drammatico“ haben ihn sehr beeindruckt.

Musikalisch in seiner Laufbahn geprägt haben den 30-Jährigen indes ohnehin nicht Solisten, sondern Chöre. „Dort, wo ich als Sänger jetzt stehe, wäre ich ohne Chorarbeit niemals hingekommen“, sagt Di Martino. Im Alter von drei Jahren steht er zum ersten Mal auf der Bühne – mit sechs folgen erste solistische Liedvorträge, mit neun singt er im Knabenchor. „Schon damals habe ich diesen Adrenalinschub gefühlt, der einen in dem Augenblick überkommt, wenn man die Bühne betritt und der sich verstärkt, wenn man den Auftritt bestenfalls unter dem Applaus des Publikums erfolgreich bestritten hat“, erinnert er sich. Das habe schon damals Suchtpotenzial gehabt, beschreibt er diese Situationen. Man sei vollkommen fokussiert auf sich selbst und seine Tätigkeit.

Der neue Job als Abteilungsleiter Musikschule bringt es für Antonio Di Martino mit sich, dass er weniger Zeit für Gesangsauftritte hat. Ein paar gibt es dennoch. Derzeit bereitet er sich auf das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns vor, das er gemeinsam mit dem Symphonieorchester Rheine im Advent in der Emsstadt zu Gehör bringen wird.

In Steinfurt sei seine Opernsängertätigkeit noch weitgehend unbekannt – „und wenn, dann wird man über mehrere Ecken darauf angesprochen“. Er könne sich gut vorstellen, im Rahmen von Stimmbildungslehrgängen bei örtlichen Chören tätig zu werden. Im schulischen Bereich sei es ohnehin erklärtes Ziel der Musikschule, die Kooperationen zu verstärken. Dies sei ihm auch persönlich sehr wichtig. Deutlich wichtiger jedenfalls als selbst vor Ort aufzutreten, stellt er die Prioritäten klar.

Seine persönliche Vorliebe beim Gesangsvortrag geht „ganz klar in Richtung Oper“. „Die Oper ist ein Gesamtkunstwerk – ein Musiktheater in Reinkultur sozusagen“, kommt Di Martino ins Schwärmen. Diese Präferenz habe sich im Gesangsstudium immer weiter herauskristallisiert. Die Balance und die Möglichkeiten zwischen Schauspiel und Singvortrag fasziniert ihn. Es gehe darum, die Menschen zu berühren und authentisch in der Rolle zu sein, die man auf der Bühne repräsentiert. Er versuche dabei, sich Situationen in seinem Leben zu vergegenwärtigen, die der geforderten Emotion im Schauspiel entsprechen.

Die Zeit der Lockdowns in der Corona-Pandemie sei für ihn „sehr gruselig“ gewesen, hält Di Martino Rückschau auf die jüngste Vergangenheit. Gerade für freischaffende Künstler sei enorm viel weggebrochen, staatliche Hilfen hätten dem nur wenig entgegensetzen können. Zudem seien bestimmte Bereiche, zum Beispiel der Sport, doch sehr bevorzugt worden. Andere wiederum, vor allem auch viele Kulturbetriebe, mussten lange die Füße still halten – obwohl ausgeklügelte Hygienekonzepte vorlagen. Die Antwort, so Di Martino, könne nur sein: Die Menschen so früh als möglich auf die Wichtigkeit und das Bereichernde der Kultur aufmerksam zu machen und sie für ihren Wert zu sensibilisieren. „Wir sind als Deutsche in der Welt auch deshalb so gut angesehen, weil wir als Land der Dichter und Denker in der Lage sind, kreative Lösungen zu finden“, ist er überzeugt.

Neuer Job, neuer Ort: Di Martino schaut in Steinfurt jetzt nach vorne. Als Musikschulleiter hat er viele Aufgaben vor der Brust, aber auch als Sänger will er sich weiterentwickeln – weniger in der Oper, weil zu zeitaufwendig. Aber doch gerne im Konzert- und Liedfach. Und wer weiß, vielleicht schon bald bei einem Auftritt in der Bagno-Konzertgalerie...

Wer eine Kostprobe Antonio Di Martinos Gesangskunst erleben möchte, kann bei Youtube einige Beiträge finden. Die Adresse lautet https://www.youtube.com/channel/UCs5-BF5OG-H6j_I-wd34x3Q

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