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Sie hören nicht auf

„Good Vibes“ proben eineinhalb Tage für ihr nächstes Konzert

Borghorst

Eineinhalb Tage an einem Stück singen. Dazu gehört schon viel Leidenschaft. Die Frauen von „Good Vibes“ haben sie.

Von Axel Roll

Eineinhalb Tage ziehen sich die Frauen von „Good Vibes“ in den Saal Hersping zurück, um sich in Ruhe auf ihr Konzert im kommenden Jahr vorzubereiten. Dirigent Dietmar Schultz nimmt sich dabei die schwierigen Teile der Stücke vor. Foto: Axel Roll

Viertelnoten schnippen, dann die Hände in die Hüften stemmen, eine leichte Drehung mit dem Oberkörper, die einen nach links, die anderen nach rechts, und dabei noch den Refrain auf englisch singen. „Girls just want to have fun.“

Ganz so spaßig, wie die Sängerin des Originals das gemeint hat, ist das Choreografie-Training für die rund 70 Frauen im Saal Hersping gerade nicht. Zumal Dirigent Dietmar Schultz durchaus anspruchsvoll ist: „Das muss frech und locker aussehen. Ihr dürft dabei aber nicht zu dick auftragen.“ Gleiches gilt für den Gesangspart: „Bitte ein bisschen leiser.“ Nach vier, fünf Durchgängen ist der erfahrene Musiker an seinem Keyboard aber zufrieden mit dem Schluss des Cindy-Lauper-Hits. „Wir machen zehn Minuten Pause.“

Für eineinhalb Tage haben sich die Sängerinnen des Steinfurter Frauenchors „Good Vibes“ in die Einsamkeit des Emsdettener Venns zurückgezogen. „Das letzte Mal konnten wir 2019 in diesem Rahmen proben“, erläutert die Erste Vorsitzende Elise Werner. Klar, Corona. Die Nachwirkungen der Pandemie-Beschränkungen sind bis heute zu spüren. Aber die „Good Vibes“ denken nach vorne. „Im kommenden Jahr wird es wieder ein richtiges Konzert von uns geben“, sagt Roswitha Walke, die in dem Steinfurter Mammut-Chor für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich zeichnet.

Der Vorstand kann es selbst kaum glauben: Aber die Mitgliederzahlen sind über die probenarme Zeit stabil geblieben. An die 100 Namen stehen in der Liste. Die Nachfrage ist weiterhin so groß, dass Elise Werner mit ihrem Team für das kommende Jahr – ja, die Mitglieder anderer Chöre lesen jetzt richtig – einen Aufnahmestopp ins Auge fasst. So eine Maßnahme dürfte in der Steinfurter Gesangswelt einmalig sein, haben doch die meisten Chöre unter massiver Mitglieder-Schwindsucht zu leiden. Die „Good Vibes“ sehen sich zu dieser drastischen Maßnahme aber gezwungen, „damit wir für unser Konzertprogramm nicht immer wieder von vorne anfangen müssen“, wie Elise Werner erklärt.

Diese zwei Tage Saal Hersping verstehen die Frauen als Grundlagenarbeit für das Konzert. Auch wenn weder Programm noch Motto in Stein gemeißelt sind. „Aber die Stimmen sind schon ein bisschen eingerostet“, sagt Elise Werner. Sie ist überzeugt, dass am Ende des Tages die Stimmbänder wieder freigepustet sind. Zumal Corona bei den singenden Frauen nicht nur negativ besetzt ist. Roswitha Walke: „Wir haben oft in kleinen Gruppen gesungen. Da kann man sich stimmlich nicht so gut verstecken. Und daran sind viele Sängerinnen gewachsen. Sie sind jetzt deutlich selbstbewusster.“ Dietmar Schultz verfolgt bei diesem Trainingslager eine besondere Strategie. Die Stücke werden nur selten von A wie Anfang bis E wie Ende durchgesungen. Der Dirigent pickt sich aus dem Repertoire meist die schwierigen Passagen heraus. Das ist weniger ermüdend und die Konzentration bleibt auf einem hohen Level. Schließlich müssen die Frauen immer mal wieder die Noten beiseite legen und auswendig singen. Das sieht auf der Bühne besser aus. Und außerdem: Beim Viertelnoten-Schnippen würden die Blätter in den Händen ja auch nur stören. . .

Auf dem Programm steht jetzt die Eigenkomposition von Dietmar Schultz „Wir hören nicht auf“. Eigentlich ein Song aus der Pandemie-Zeit über die Pandemie. Passt aber auch irgendwie zu den „Good Vibes“. Ans Aufhören hat hier noch niemand gedacht.

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