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Sonnenstrom für 150 Haushalte

Wilmsberger will auf B54-Lärmschutzwall eine Photovoltaik-Freiflächenanlage errichten

Borghorst

Er ist einer der Pioniere in Sachen erneuerbare Energien in Steinfurt: Der Wilmsberger Andreas Tiemann errichtete schon 1995 das erste Windrad am Hof nahe der Bundesstraße 54. Jetzt hat er ein neues Projekt: Der 53-Jährige möchte den Erdwall, den er auf seinem Grund und Boden Anfang der 2000er-Jahre aufschütten ließ, um dem hohen Lärmpegel von der B 54 etwas entgegenzusetzen, sinnvoll nutzen und dort eine sogenannte Freiflächen-Photovoltaik (PV)-Anlage errichten.

Von Ralph Schippers

Land- und Energiewirt Andreas Tiemann auf dem Lärmschutzwall vis-á-vis zu seinem Hof in Wilmsberg. Auf dem Südhang möchte der 53-Jährige Photovoltaikmodule mit einer Gesamtleistung von 600 Kilowatt errichten. Foto: rs/Grafik: privat

Er ist einer der Pioniere in Sachen erneuerbare Energien in Steinfurt: Der Wilmsberger Andreas Tiemann errichtete schon 1995 das erste Windrad am Hof nahe der Bundesstraße 54. 300 Kilowatt betrug die Nennleistung der Anlage des damaligen Herstellers Tacke. Kein Vergleich zu den Riesen der Drei-Megawatt-Klasse, die er 2016 zusammen mit zwölf Nachbarn in der Bauerschaft errichtete. „Das hätte man seinerzeit nie für möglich gehalten“, ist der 53-jährige Energiewirt, wie er sich selbst gerne nennt, rückblickend beeindruckt über die Rasanz des technologischen Fortschritts in der Branche. Und er ergänzt: „Es war eine spannende Zeit, damals in den 1990ern.“

Indes: Gleiches gilt 27 Jahre später auch für sein neuestes Projekt. Tiemann möchte den Erdwall, den er auf seinem Grund und Boden Anfang der 2000er-Jahre aufschütten ließ, um dem hohen Lärmpegel von der B 54 etwas entgegenzusetzen, sinnvoll nutzen und dort eine sogenannte Freiflächen-Photovoltaik (PV)-Anlage errichten. 600 Kilowatt soll sie in der Spitze leisten, genug Strom also, um rund 150 Haushalte mit grünem Strom zu versorgen.

2018 ist der Landwirt erstmals mit der Idee an die Stadt herangetreten, Ein Jahr später beschäftigte sich die Politik erstmals mit dem Vorhaben. In diesem Jahr wollte der Wilmsberger eigentlich schon den ersten grünen Strom ins Netz einspeisen. Doch die Mühlen der Bürokratie mahlten nicht so schnell, wie der umtriebige Energiepionier es gerne gehabt hätte.

Immerhin: Nach Vorlage aller erforderlichen Gutachten – unter anderem zum Artenschutz und zur Umweltverträglichkeit – geht es nun mit großen Schritten voran mit dem Projekt: In der vergangenen Woche hat die Politik die Beschlüsse für die erforderliche Änderung des Flächennutzungs- und Bebauungsplanes gefasst, die das Planungsrecht in diesem Bereich regeln (siehe Infokasten). „Wenn alles nach Plan läuft, sollten wir im kommenden Jahr mit der Stromproduktion beginnen können“, blickt Tiemann nach vorn.

Immerhin einen Vorteil hat die lange Vorlaufzeit: Die Module, die alsbald auf der dem Hof zugewandten Südseite des Walles installiert werden, sind sehr effizient. Im Vergleich zu den Pendants, die er 2003 und 2011 auf dem neuen Stallgebäude seines Hofes hat installieren lassen, seien moderne Module auf gleicher Fläche fast doppelt so leistungsfähig, sagt der Landwirt. Über die Größe rechnet sich die Anlage – trotz im Vergleich zu früher bescheidener 6,5 Cent Einspeisevergütung pro erzeugter Kilowattstunde Strom. Ein großer Gewinn bleibt über die Gesamtlaufzeit gesehen aber nicht übrig.

Nein, dem 53-jährigen Wilmsberger ist nicht in erster Linie der Profit, sondern als Pionier der lokalen Erneuerbaren-Szene auch ein Vorankommen in der Energiewende wichtig. Die Photovoltaik spiele dabei eine Schlüsselrolle. „Meiner Meinung nach gehört auf jedes Dach eine Solaranlage“, sagt Tiemann. Und natürlich auf ungenutzten Freiflächen wie zum Beispiel entlang von Autobahnen oder großen Bundesstraßen, aber auch auf ehemaligen Deponien. „Eine solche Nutzung bietet sich an und ist auch politisch gewollt“, weiß der Landwirt.

Eher kritisch indes sieht er Freiflächenanlagen, die auf Ackerland errichtet werden. Diese auch unter dem Begriff „Agri-PV“ bekannten Projekte seien sehr aufwendig. Sie sähen eine hallenartige Aufständerung der Module um rund drei Meter vor, damit unter ihnen beispielsweise die Bewirtschaftung von Gemüsekulturen möglich bleibt. Auch wenn er diese Variante der Energieerzeugung für effektiver als beispielsweise die in Biogasanlagen hält, für Tiemann keine wirkliche Option.

Stichwort Aufständerung: Die plant der Landwirt auch für seine Böschungsanlage. Allerdings nur rund einen Meter hoch, „damit Schafe darunter weiden und das Gras kurzhalten“, wie er erklärt. Auch eine Umzäunung wird es geben. Sie dient der Vorbeugung von Vandalismusschäden und soll für Kleinwild passierbar bleiben. Dem Landwirt ist nicht nur die Erzeugung grünen Stroms, sondern auch an ökologischen Aspekten wie dem Artenschutz gelegen.

Neben der bereits seit einigen Jahren betriebenen Freiflächenanlage auf der alten Müllkippe im Grottenkamp sowie dem projektierten Vorhaben in der Bauerschaft Dumte durch Investor Martin Merker wäre die Tiemannsche Anlage die dritte ihrer Art auf Steinfurter Gebiet. Ob sich der Wilmsberger noch weitere Projekte in dieser Richtung vielleicht sogar als Bürgersolarpark vorstellen kann? Tiemann winkt ab: „Dazu müsste eine Größenordnung installiert werden, für die es hier vor Ort nicht die nötige Fläche gibt.“ Was er sich vorstellen kann, sei PV an Schallschutzmauern an Autobahnen oder Bundesstraßen. „Potenzial gibt es genug“, sagt Tiemann – und freut sich auf weitere spannende Zeiten auf dem Zukunftsfeld der erneuerbaren Energien.

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