1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Steinfurt
  6. >
  7. Sozialwohnungen werden knapper

  8. >

Familien suchen oft vergeblich

Sozialwohnungen werden knapper

Steinfurt

Sozialwohnungen in Steinfurt werden immer knapper. Gerade für Familien. Änderungen an der Lage sind nicht in Sicht.

Von Axel Roll

Die Zahl der Wohnberechtigungsscheine, die jährlich in Steinfurt beantragt werden, ist relativ konstant. Foto: Haus & Grund eV

Steinfurt ist keine Ausnahme. Sozialwohnungen sind – wie in ganz Deutschland – knapp. Weniger für Alleinstehende oder Paare. Aber Familien mit Kindern, die eine Mehrzimmerwohnung benötigen, haben in der Kreisstadt kaum eine Chance, etwas Passendes zu bekommen. „Die Betroffenen sind manchmal sogar gezwungen, aus Steinfurt wegzuziehen“, weiß die im Sozialamt zuständige Sachbearbeiterin aus der in dieser Hinsicht traurigen Realität.

Gibt es für die kleineren Haushalte nicht „diese extremen Engpässe“, wie die Expertin weiß, so könnten die aber in gar nicht allzu ferner Zukunft auf Steinfurt zukommen. „Die Förderung für Sozialwohnungen nimmt eher ab als dass sie wächst“, weiß die Mitarbeiterin des Sozialamtes. Gerade für neugebaute Mietwohnungen.

Der aktuelle Stand an Mietwohnungen, die nur mit einem Wohnberechtigungsschein bezogen werden können, liegt in Steinfurt bei 742. Davon fallen 340 in den kommenden zehn Jahren aus der Bindung heraus, so dass sie dann frei vermietet werden dürfen. Öffentlich gefördertes Wohneigentum, auch das gibt es in Steinfurt, beziffert das Sozialamt mit 251 Objekten.

Michael Greive, der im Rathaus 25 Jahre das Ressort für die Ausgabe von Wohnberechtigungsscheinen betreut hat, beobachtet in den letzten Jahren einen „kontinuierlichen Rückgang an Sozialwohnungen in Steinfurt“. Die Gründe liegen auf der Hand, wie überall im Land: Die Zinsen sind immer noch so niedrig für Baukredite, dass es für Investoren wenig attraktiv ist, sich die Wohnungen vom Land fördern zu lassen, sind die Einschränkungen, die sie dafür in Kauf nehmen müssen, doch relativ groß. Die Verbesserungen, die das Land in den letzten zwei, drei Jahren für Investoren eingeführt hat, konnten nach Einschätzung von Michael Greive daran wenig ändern.

Um einen Wohnberechtigungsschein zu bekommen, ist maßgeblich abhängig vom Jahresverdienst. Ein Single darf ein maximales Bruttojahresgehalt von nicht ganz 29 000 Euro haben, um Anspruch auf eine Wohnung mit einer Größe von höchstens 50 Quadratmetern zu haben. Paare dürfen rund 41 000 Euro verdienen, um eine Zweizimmerwohnung mit 65 Quadratmetern zu beziehen. Bei zwei Erwachsenen und drei Kindern schließlich sind es fast 61 000 Euro Jahresverdienst und 110 Quadratmeter Wohnfläche, die mit WBS bezogen werden dürfen.

Der Mangel an größeren Sozialwohnungen liegt für Michael Greive auf der Hand: „Viele Jahre haben Investoren in der Regel kleinere Wohnungen gebaut und dabei in erster Linie auf ältere Mieter geschielt.“ Familien mit Kindern, die seien als Mieter nicht so beliebt. „Senioren gelten als ruhig.“

Die Zahl der jährlich in Steinfurt ausgestellten Wohnberechtigungsscheine ist übrigens relativ konstant. Die schwankt nur leicht um die Zahl 200. Im Vorjahr waren es 183, 2019 genau 226.

Startseite
ANZEIGE