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Neuer CDU-Stadtverbandsvorsitzender André Schwietert im Interview

„Sprachrohr für die Mitglieder“

Steinfurt

Gerade einmal vor zwei Jahren ist André Schwietert in die CDU eingetreten – nun schon deren Vorsitzender. Er ist unter anderem froh, in den nächsten 24 Monaten keinen Wahlkampf führen zu müssen.

André Schwietert hat nie daran gedacht, Vorsitzender eines Stadtverbands zu werden. Nach zwei Jahren Parteizugehörigkeit ist er es jetzt geworden.                                                                             Foto: Axel Roll

André Schwietert heißt der Nachfolger von Jan Röschenkämper als Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Steinfurt. Die Lokalredaktion befragte den Newcomer nach seinen Zielen und Vorstellungen von Politik.

Als Sie vor zwei Jahren in die CDU eingetreten sind, haben Sie wahrscheinlich nicht geahnt, dass Sie heute schon deren Vorsitzender sind, oder?

Schwietert: Nein. Damit habe ich in der Tat überhaupt nicht gerechnet.

Was war für Sie denn überhaupt der Auslöser, den Christdemokraten beizutreten?

Schwietert: Ich bin vom Prinzip her ein konservativer Mensch, schon aufs Individuum bezogen. Ich habe mich dann mit den lokal handelnden Personen beschäftigt und habe schnell gemerkt, dass es mit der CDU für mich die größte Schnittmenge gibt. Nach einigen Gesprächen habe ich mich dann entschieden, mich politisch zu engagieren. Ich bin seit jeher ein sehr politisch denkender Mensch. Der Eintritt in die Fraktion nach der Kommunalwahl wurde mir sehr leicht gemacht, ich habe mich dort sehr schnell sehr wohl gefühlt. Aber Sie haben Recht: Damals habe ich nicht daran gedacht, heute mit Ihnen hier als Stadtverbandsvorsitzender zu sitzen.

Mit 37 Lebens- und zwei Partei-Jahren sind Sie als Ortsvorsitzender sehr jung. Haben Sie da keine Angst vor der eigenen Courage?

Schwietert: Im Vergleich zu meinem Vorgänger Jan Röschenkämper stellt sich die Partei ja sogar vier Jahre älter auf. Aber ich habe früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Ich habe aber mit Eintritt in die Partei nie daran gedacht, innerhalb von zwei, fünf oder zehn Jahren deren Vorsitzender zu werden. Ich wollte mich nur so einbringen, wie ich bin. Dass es dann so gekommen ist, war nicht vorhersehbar. Ich habe aber auch festgestellt, dass das, was und wie ich es mache, bei den Menschen ankommt. So sind im Vorfeld meiner Entscheidung, als Vorsitzender anzutreten, auch ältere und damit erfahrene Mitglieder auf mich zugekommen, die gesagt haben: Du musst es machen. Wir brauchen jemanden, der nach vorne geht.

Gibt es so etwas wie ein politisches Leitbild, auf das Sie vertrauen?

Leitbild

Schwietert: Ich stehe zwar jetzt oben als Vorsitzender. Trotzdem bin ich aber nur einer von vielen. Es geht darum, dass wir alle ein Team bilden, dass wir uns gegenseitig ergänzen. Dazu zählt natürlich auch, dass man mal sagt: Das fand ich jetzt blöd. Idealerweise passiert so etwas hinter verschlossenen Türen, dass Sie als Presse es nicht unbedingt mitbekommen. Spaß beiseite. Mein Leitbild lautet Partizipation, Teilhabe, gemeinsam die Dinge nach vorne treiben, und das für Steinfurt.

Wie sehen Sie das Zusammenspiel von Rat und Verwaltung?

Schwietert: Der Rat beauftragt die Verwaltung, bestimmte Aufträge umzusetzen. Das passiert mal mehr, mal weniger gut. In letzter Zeit leider oftmals weniger gut. Grundsätzlich möchte ich aber Fraktion und Partei getrennt betrachten. In der Partei geht es mehr darum, die Ideen, die es gibt, aufzuladen und zu überlegen, wie kann man sie weiterdenken.

Zukunftsworkshop

Bei meinem Gespräch mit Jan Röschenkämper, Ihrem Vorgänger, bedauerte er, dass er aufgrund von Corona und den vielen Wahlkämpfen kaum inhaltliche Pflöcke einschlagen konnte. Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, in welche inhaltliche Richtung Ihre Arbeit gehen soll?

Schwietert: Erstmal habe ich Glück, dass ich in den nächsten zwei Jahren keinen Wahlkampf zu führen habe. Ich werde keine großen Themen vorgeben. Ich verstehe mich da mehr als Sprachrohr der Mitglieder. In meiner Bewerbungsrede hatte ich ja schon den Zukunftsworkshop angeregt. Ich möchte mit den Mitgliedern ins Gespräch kommen. Und das auf unterschiedlichen Ebenen, um mir dort die Sorgen, Nöte und Ideen abzuholen, die dann im Idealfall später in der Fraktion umgesetzt werden.

Die Parteiarbeit ist das eine. Aber Sie wollen ja vermutlich auch eine breite Öffentlichkeit erreichen. Gibt es dafür ein Konzept?

Schwietert: Ich habe viele Ideen, wie wir die Mitglieder ansprechen, aber die Diskussion auch für Bürger von außen öffnen. Gerade bei der Ansprache von jungen Menschen müssen wir auch ganz viel ausprobieren. Wir müssen die politisch Interessierten abholen und ihnen ein Angebot machen, in dem sie sich wiederfinden. Profanes Beispiel: Bürgersprechstunde. Wollen wir die weiter anbieten? Können wir das Konzept modifizieren? Andere Institutionen mit einbinden? Oder unsere eigenen Organisationen wie JU, Senioren Union oder MIT beteiligen? Ich habe da viele Ideen.

Partei und Fraktion

Auf der einen Seite sind Sie jetzt Stadtverbandsvorsitzender, auf der anderen stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Das hört sich erst einmal nach einer guten Verzahnung von Partei und Fraktion an. Aber wie wollen Sie die konkret ausgestalten?

Schwietert: Mit Ralf Stegemann und Sebastian Buck habe ich einen ganz engen Draht. Als Parteivorsitzender wäre ich sowieso Mitglied des Fraktionsvorstands. Ich bearbeite die Themen Klima, Umwelt und Soziales. Durch die Parteiarbeit kommt da jetzt noch einiges an Arbeit hinzu. Ob ich die jetzt für die Fraktion oder für die Partei mache, ist letztendlich egal. Viel muss auch über das Delegieren geschehen. Entscheidend ist die Präsenz. Nur so holt man die Menschen ab. Die Partei lebt von Veranstaltungen wie die Sommerradtouren, den politischen Aschermittwoch in Recke, einer Bustour nach Düsseldorf, dem Stand auf dem Weihnachtsmarkt. Es geht darum, Menschen eine Art Heimat zu geben, wo sie sich treffen, austauschen, streiten, diskutieren und Lösungen finden können. Da müssen wir als Vorstand möglichst viele Angebote machen – und zwar für alte wie für junge Mitglieder.

Sie haben eben gesagt, dass Sie zum Glück noch keinen Wahlkampf direkt vor der Brust haben. Irgendwann wird es aber so weit sein. Wann wird die Steinfurter CDU die Weichen für den Kommunalwahlkampf stellen? Wann steht fest, ob Sie einen eigenen Bürgermeisterkandidaten oder eine -kandidatin stellen werden?

Schwietert: Wir werden uns im kommenden Jahr damit befassen. Wir haben schon viele Vorstellungen. Aber das Thema steht erst für 2023 auf der Tagesordnung.

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