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Gespräch mit Uli Fischer über Motivation und Aufgaben des Seniorenbeirats der Stadt Steinfurt

Mit Kompetenz Einfluss nehmen

Steinfurt

Der Vorstandsjob beim Kreissportbund ist passé, doch Uli Fischer will sich im Ruhestand nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Bereits im vergangenen Jahr hat er den Vorsitz im Seniorenbeirat von Elisabeth Rüve übernommen. Die Redaktion interviewte den 65-Jährigen.

Von Dirk Drunkenmölle

Uli Fischer ist Vorsitzender des Seniorenbeirates der Stadt Steinfurt. 13 Frauen und Männer setzen sich dort dafür ein, auf die Belange älterer Menschen aufmerksam zu machen. Foto: Drunkenmölle

Es ist erst wenige Wochen her, dass Uli Fischer seinen Vorstandsjob im Kreissportbund Steinfurt nach über 27 Jahren an der Spitze dieser Organisation aufgegeben und sich in den Ruhestand verabschiedet hat. Einen kompletten Rückzug aus dem gesellschaftlichen und politischen Leben hat er 65-jährige Burgsteinfurter aber nicht im Sinn. Nach der Neubildung des Seniorenbeirats hat Fischer bereits 2021 den Vorsitz übernommen. Über seine Motivation und seine Ziele, die er mit der Übernahme neuer Verantwortung übernommen hat, hat er mit Redaktionsmitglied Dirk Drunkenmölle gesprochen.

Vom hauptberuflichen Funktionär im Sport zum ehrenamtlichen Seniorenvertreter. Wann haben Sie das erste Mal über diesen Schritt nachgedacht?

Fischer: Eigentlich muss man nur in den Kalender schauen, da sieht man, wie alt man geworden ist. Aber Spaß beiseite. In der Tat ist es so, dass ich mich immer auch schon im KSB mit Gesundheit und Senioren beschäftigt habe. Das Thema ist virulent. Und wenn man allein die Bevölkerungsentwicklung betrachtet, sieht man, wie groß die Gruppe der Senioren ist. Elisabeth Rüve hat mich dann mal bei der Aktion „Sport im Park“ angesprochen, ob ich mir vorstellen kann, ihr Nachfolger zu werden. Das fand ich dann ganz spannend.

Ist Ihnen dieser Altersklassenwechsel – überspitzt gesagt, zu den Alten Herren – leicht gefallen?

Fischer: Ich habe mich beruflich ja lange Zeit mit Fragen der Jugendförderung beschäftigt. Irgendwann wird der Zugang zu dieser Gruppe schwerer und man überlegt, wer mit steigendem Alter die Zielgruppe bildet und wo der thematische Kontext ist, in dem man sich weiter engagieren möchte. Bewegung, Gesundheit, Stadtentwicklung, Mobilität, das sind ja alles Dinge, die mich interessieren. Irgendwann war für mich halt klar, ich will nichtals Berufsjugendlicher alt werden.

Der Altersdurchschnitt der Mitglieder im Stadtrat ist ohnehin schon Spitze im Münsterland. Sind die Senioren dort nicht schon längst überrepräsentiert?

Fischer: Das stimmt. Aber meiner Meinung nach ist der Stadtrat weit davon entfernt, Seniorenpolitik zu machen. Eigentlich ist Seniorenarbeit genauso aufgestellt wie Jugendarbeit. Sie ist organisiert auf kommunaler, Kreis-, Landes- und Bundesebene und hat in erster Linie den Anspruch, genau wie bei Jugendlichen, mehr Beteiligung zu erlangen. Das ist auch eins meiner persönlichen Ziele: Wie kommt man generationsübergreifend ins Gespräch? Und wie kann man das, was an Bedürfnissen da ist, stärker in die Politik einfließen lassen?

Wo, glauben Sie, liegen die Stärken der älteren Mitbürger, bei der Gestaltung ihres Lebensumfeldes mitzuwirken?

Fischer: Wir sind im Seniorenbeirat ganz unterschiedlich aufgestellt. Die Mitglieder besitzen alle ganz unterschiedliche Professionen. Die meisten sind darüber hinaus in weiteren Organisationen engagiert. Da fließt natürlich unheimlich viel Lebens- und Berufserfahrung in die Arbeit ein. Die machen das Geschäft mit großem Ansporn und sehr engagiert.

Was ist seit der Neubildung geschehen?

Fischer: Bedauerlich ist, dass wir durch Corona einen relativ schlechten Start hatten. Nach der Neukonstituierung hat sich der Seniorenbeirat in sämtliche Ausschüsse des Rates der Stadt Steinfurt und deren Themen eingearbeitet. Mit der Verwaltung wurden die seniorenpolitischen Schwerpunkte besprochen.

Was sind diese Schwerpunkte?

Fischer: Städtebauliche Entwicklung, Mobilitäts- und Verkehrsfragen sowie die Digitalisierung stehen ganz oben auf der Agenda. Dazu gehört aber auch die Beschäftigung mit scheinbar ganz banalen Dinge. Etwa Bürgersteigabsenkungen, ausreichende Sitzhöhen von Ruhebänken oder die Verkehrsverbindungen zwischen den Stadtteilen. Gut ist, dass die Stadt ein Mobilitätskonzept angestoßen hat. Ich habe da schon fleißig Anregungen gegeben. Ein großes Thema ist auch die Altenheim- und Pflegesituation. Eine große Herausforderung wird es darüber hinaus sein, die digitale Kompetenz von Senioren zu erhöhen. Und das dritte Thema ist die Ärzteversorgung. Viele Hausärzte scheiden aus Altersgründen aus. Da kommt eine dramatische Entwicklung auf uns zu. Man muss überlegen, ob die Stadt Anreize schaffen kann, dass sich wieder mehr Mediziner hier niederlassen.

Was steht da auf erstes auf der To-Do-Liste?

Fischer: Schwerpunktthemen gibt es eigentlich nicht. Wir mischen ja praktisch überall mit. Das können wir insbesondere auch, weil wir in allen Fachausschüssen kompetent vertreten sind und damit sehr flexibel agieren und reagieren können, wenn wir betroffen sind.

Gibt es Dinge, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Fischer: Ja, ich habe so bestimmte Ideen. Unter anderem gehört ein Seniorentreff dazu. Ich finde es wichtig, dass es ein Forum gibt, miteinander in Kontakt zu treten. Man muss sich gemeinsam organisieren, um gemeinsam Einfluss nehmen zu können.

Sind denn alle auch dazu bereit?

Fischer: Ich glaube schon. Das geht vielleicht nicht ganz so schnell, wie ich das manchmal möchte. Und ich muss mich da etwas in Geduld üben. Schließlich darf man nicht vergessen, dass wir in ehrenamtlichen Strukturen arbeiten und alles freiwillig ist. Mein Ziel ist es aber, in diesem Jahr eine Messe zu organisieren, wo sich alle Gruppen einmal gegenseitig vorstellen können. Darüber hinaus wäre es mir wichtig, ein alterübergreifendes Netzwerk zu schaffen, dass sich beispielsweise auch mit Gesundheit, Bewegung, Ernährung und soziale Kontakte beschäftigt. Dazu gehört auch, Menschen für die Mitarbeit zu gewinnen, die Migrationshintergrund besitzen. Unter ihnen gibt es schließlich auch viele, die hier ihren Lebensabend verbringen. Integration dieser Gruppen zu fördern, gehört auch für uns zu den gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen.

Der Seniorenbeirat besitzt in den Fachausschüssen und im Rat lediglich beratende Funktionen. Würden Sie sich mehr Einfluss durch ein in der Geschäftsordnung festgeschriebenes Stimmrecht wünschen?

Fischer: Wir werden die Gemeindeordnung nicht ändern. Klar, echte Beteiligung gibt es nur dann, wenn man auch Stimmrecht besitzt. Frust gibt es im Beirat deswegen aber nicht. Ich bin überzeugt, dass man auch ohne Stimmrecht eine Menge politischen Druck erzeugen kann. Man muss nur sehen, dass man genug Menschen hinter sich bekommt, die an einem Strang ziehen. Es wird ohnehin immer wichtiger für die Politik, auf den Rat von Fachleuten zu hören. Ohne sie geht ja eigentlich nichts mehr, um Entscheidungen zu treffen und Vertrauen zu bilden.

Was wünschen Sie sich für die kommenden Monate?

Fischer: Wir hoffen auf den Neustart nach Ende der Pandemie, damit wir mit Schwung unsere Ideen umsetzen können und vor allem mit den Bürgerinnen und Bürgern persönlich mehr ins Gespräch kommen. Derzeit nehmen unsere Mitglieder zu allen über 25 Seniorenorganisationen der Stadt Steinfurt Kontakt auf, um die weitere Zusammenarbeit auszuloten und gemeinsame Initiativen umzusetzen.

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