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Fortdauernder Corona-Lockdown

Steinfurter Gastronomen zusehends mit dem Rücken zur Wand

Steinfurt

Die Lockdown-Verlängerung stellt nicht nur den lokalen Einzelhandel auf eine harte Probe: Auch die Perspektive der Gastronomie verdunkelt sich zusehends. Diese Zeitung hörte sich bei den Wirten in den beiden Stadtteilen um. Fazit: Es macht sich Ernüchterung breit.

Ralph Schippers

Verwaist: Der großzügig gestaltete Gastraum des Hotel-Restaurants Schünemann kann derzeit nicht genutzt werden. Vor allem die Ungewissheit, wie lange dieser Zustand andauern wird, wurmt Inhaber Frank Schünemann. Foto: rs

Keine Frage – der zweite Lockdown hat sie hart erwischt: Mit der Verlängerung spitzt sich die Lage bei den lokalen Gastronomen nun nochmals zu. Die Folge: Bei vielen Wirten hat sich Ernüchterung breit gemacht – zumal offen ist, wie lange die Zwangsschließung der Restaurants und Gaststätten noch andauern wird. Vor frühestens März rechnet keiner von ihnen mit einer Lockerung. Das Einzige, was bleibt, ist ein Außer-Haus-Verkauf eventuell verknüpft mit einem Lieferservice. Doch der macht in der Regel nur einen Bruchteil des früheren Umsatzes aus.

„Wir bieten täglich, außer samstags, bei uns im Hause einen Abholservice an“, sagt Frank Schünemann, Inhaber des gleichnamigen Restaurants und Hotels an der Altenberger Straße, auf Anfrage. Wenn gewünscht, werden die Speisen auch geliefert. Der Verkauf sei gerade auch an den Feiertagen sehr gut gewesen, berichtet Schünemann. Allerdings beeilt er sich, zu verstehen zu geben, dass die Einnahmen nicht annähernd an jene der Vorjahre heranreichen. „Unser Hauptgeschäft ist nun mal das Hotel, und da läuft derzeit nicht viel, weil die Beherbergung touristischer Gäste nicht erlaubt ist“, so der Gastronom. Von den versprochenen staatlichen Hilfen habe er zudem bislang nur einen Abschlag bekommen. „Insgesamt komme ich auf das Jahr gerechnet auf ein Minus von rund 50 Prozent im Vergleich zu Vorjahren“, rechnet Schünemann vor. Zwar sei das (noch) nicht existenzgefährdend für ihn, aber irgendwann müsse man auch mal wieder in die Gewinnzone kommen. Die Unsicherheit sei groß.

Namensvetter Frank Hersping vom gleichnamigen Ostendorfer Restaurant ergeht es da nicht anders. „Es war in Ordnung“, antwortet er auf die Frage nach der Resonanz auf den vom Betrieb angebotenen Abholservice für Speisen. Dankbar ist der Gastronom dafür, dass ihm und der Familie nicht nur zahlreiche (Stamm-) Kunden die Treue gehalten haben, sondern auch die Mitarbeiter und Lieferanten. Auf diese Weise sei es möglich gewesen, kostendeckend zu arbeiten. „Mehr aber auch nicht“, so Hersping mit Bezug auf die staatliche Unterstützung in Form der so genannten November- und Dezember-Hilfen. Es sei „schnelle und unbürokratische Hilfe“ versprochen worden, davon könne in der Realität aber keine Rede sein, kritisiert er. Bislang habe er lediglich eine kleinere Abschlagszahlung erhalten. „Wir haben im Frühjahr und auch jetzt noch mit den anstehenden Kauf von Luftreinigern viel Geld investiert, um einen hohen Hygienestandard zu gewährleisten – und mussten doch im November wieder schließen. Das kann es doch nicht sein“, macht Hersping seinem Ärger Luft. Ans Aufgeben denkt er deshalb aber noch lange nicht. Im Gegenteil: „Wir werden als Familienbetrieb weitermachen“, zeigt er sich kämpferisch. Seine Hoffnung: Eine Wiedereröffnung im März, „wenn es gut läuft“.

Video "Gastronomen ächzen unter verlängerten Corona-Regeln" in Kooperation mit dem WDR:

Kino und Kinobar – gleich doppelt vom erneuten Lockdown betroffen ist die Betreiberfamilie Hamer. Trotzdem, so Tobias Hamer, sehe die finanzielle Lage nicht unbedingt nur düster aus. Das hat viele Gründe: Neben der Tatsache, dass der Familienvater seit Neuestem auch wieder in seinem gelernten Beruf als Heizungsinstallateur tätig ist, und der staatlichen Unterstützung für Gastronomen und Kinobetreiber sind es auch die Spenden und die Unterstützung aus der Steinfurter Öffentlichkeit, „die uns über Wasser halten“. Fleißig kaufen die Steinfurter auch weiterhin Karten für „Geistervorstellungen“ oder Kleidungsstücke, die sie als Fans des lokalen Lichtspielhauses ausweisen. Zudem wird das wieder eingerichtete Spendenkonto bedient. Auch wenn dies die gebeutelten Hamers natürlich aufbaut, die Ungewissheit über die Dauer des Lockdowns mit all seinen negativen Begleiterscheinungen nagt an der Psyche. Mit einer Wiedereröffnung sowohl von Kino als auch Kinobar rechnet Tobias Hamer nicht vor März oder April. Bis dahin besteht indes in jedem Fall die Möglichkeit, den Abholservice für Speisen in Anspruch zu nehmen. Burger, Schnitzel, Flammkuchen und Cocktails „to go“ können ab sofort wieder bestellt werden.

Finanziell vor großen Herausforderungen steht auch Jerry Omerovic. Der Inhaber des Steakhauses Sarajevo in Burgsteinfurt fürchtet, in Vorleistung treten zu müssen, wenn die staatlichen Hilfen nicht bald in der versprochenen Höhe auf seinem Konto eingehen. Die Fixkosten, die das Restaurant verursacht, seien sehr hoch. Um seine Mitarbeiter in Beschäftigung zu halten, aber auch seiner Kundschaft etwas bieten zu wollen, gibt es auch beim Sarajevo einen Abholservice. „Der läuft sehr gut, da muss ich mich bei den Kunden bedanken“, sagt Omerovic. Aber auch ihm ergeht es nicht anders als den Kollegen: „Der Umsatz fehlt trotzdem.“

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