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SPD-Bundestagsabgeordnete Sarah Lahrkamp bietet regelmäßig Bürgersprechstunden an

Steinfurter gewähren politisches Asyl

Borghorst

Das Bürgerbüro der Sozialdemokraten hat sich als ein wichtiger Treffpunkt für die Bundestagsabgeordneten mit ihrer Wählerschaft etabliert. Nach Ingrid Arndt-Brauer nutzt jetzt Nachfolgerin Sarah Lahrkamp die Anlaufstelle an der Burgsteinfurter Straße.

Von Axel Rollund

Ingrid Arndt-Brauer (l.) hatte während ihrer Zeit als SPD-Bundestagsabgeordnete in Steinfurt ihr Foto: Axel Roll

Nein, Sarah Lahrkamp sitzt ab sofort nicht nur häufiger in Steinfurt, weil „es bei euch im Büro so schön gemütlich ist und der Kaffee so gut schmeckt“. Die frischgebackene SPD-Bundestagsabgeordnete muss für ihre Bürgersprechstunden strategisch denken. Und darum kommt sie mit dem Blick auf die Landkarte um Steinfurt nicht herum. „Politik lebt vom direkten Kontakt“, weiß die erfahrene Kommunal- und noch völlig unbeleckte Bundespolitikerin. Was abstrakt Flächenwahlkreis heißt, lässt sich in diesem Fall praktisch mit Ahaus, Gronau, Heek, Legden, Schöppingen, Horstmar, Metelen, Neuenkirchen, Ochtrup, Rheine, Wettringen und eben auch Steinfurt übersetzen. Bei derartigen geografischen Ausdehnungen ist es mit einem Büro allein nicht getan.

Den symbolischen Schlüssel für die Bürotür – handgelasert vom Steinfurter SPD-Chef Frank Müller – bekam Sarah Lahrkamp jetzt von ihrer Bundestagsvorgängerin Ingrid Arndt-Brauer überreicht. Sie hat den Genossen-Stützpunkt an der Burgsteinfurter Straße 2 im Laufe ihrer Abgeordnetentätigkeit sehr schätzen gelernt. Jetzt ist sie aber „frei von jeglichen Ämtern“, wie sie schmunzelnd sagt. Und das geht ganz ohne Entzugserscheinungen. „Dafür bin ich als Oma von fünf Enkeln zu sehr gefordert.“ Der Abgang von der politischen Bühne kam für sie zur rechten Zeit: „Ich stand für die Große Koalition.“ Außerdem sei sie damals unter dem Slogan „30 unter 40“, also wenigstens 30 SPD-Abgeordnete, die unter 40 Jahre alt sind, ins Parlament eingerückt. „Heute mit 60 passt das nicht mehr so richtig.“

Die 40-jährige Sarah Lahrkamp hat da derzeit noch ganz andere Sorgen. Bei ihren ersten Besuchen in der Bundeshauptstadt stand meist die Frage im Mittelpunkt: „Wo muss ich hin?“ Sie ist auch rein politisch noch nicht final beantwortet. Die Sitze in den Fachausschüssen warten auf Verteilung. „So bin ich sehr neugierig, in welchen Bereichen ich künftig arbeiten kann“, sagt die Ochtruperin. Natürlich hat sie Wünsche: „Familie, Arbeit und Soziales wären toll.“ Mitreden kann sie nicht. „Das entscheidet die Fraktionsführung.“

Dass Lahrkamp in Steinfurt für ihre Bürgersprechstunden politisches Asyl gewährt wird, lag nicht nur wegen der Nutzung durch Vorgängerin Ingrid Arndt-Brauer auf der Hand. „Steinfurt und Ochtrup haben seit jeher freundschaftliche Verbindungen“, erläutert Frank Müller. Darum helfe die Ortspartei ihrer Bundestagsabgeordneten nur zu gerne. „Das hat schon mit Ingrid wunderbar funktioniert“, verdeutlicht Vize-Vorsitzender Michael Hardebusch.

In Berlin wie zu Hause im Wahlkreis muss sich für Sarah Lahrkamp noch vieles zurechtruckeln. „In der Bundeshauptstadt teile ich mir zur Zeit ein Büro mit Jürgen Coße“, erzählt die 40-Jährige. „Das klappt ganz gut.“ Wie viele Niederlassungen sie im Wahlkreis benötigt, weiß sie noch nicht genau. Sie erinnert sich an ihren Wahlkampf. „Da saß ich unheimlich viel im Auto.“ Darum sollen es auf jeden Fall zwei Büros, am besten sogar drei werden. Sarah Lahrkamp ist sich sicher: „Das wird eine große Herausforderung.“ Schließlich seien die persönlichen Kontakte sehr, sehr wichtig. „Der kurze Draht zählt.“ Vertrauen aufbauen, das sei ihr wichtig. Und dabei sei ein klares Wort zur richtigen Zeit manchmal hilfreich.

Als Kommunalpolitikerin ist die Ochtruperin ein alter Fuchs. In Berlin staunt sie nach den ersten Tagen als Abgeordnete noch über die Dimensionen, die der bundesdeutsche Politikbetrieb ausfüllt. „Das ist schon ein krasser Unterschied, ob Sitzungen mit 20 oder mit 200 Personen stattfinden.“ Unvergessen bleibt ihr die Zitterpartie in der Wahlnacht. „Erst hieß es, ich schaffe es nicht. Dann am Morgen der erlösende Anruf.“ Wenige Stunden später saß sie im Zug Richtung Berlin.

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