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Impfen in den Arztpraxen ist angelaufen

Telefone stehen nicht mehr still

Steinfurt

Die Hausarztpraxen sind in diesen Tagen noch mehr gefragt als ohnehin üblich: Sie haben begonnen, erste Patienten gegen das Corona-Virus zu impfen. Die Zahl der aktuell zur Verfügung stehenden Impfdosen ist noch überschaubar – die Nachfrage riesig. „Viele versuchen einfach, per Telefon einen Impftermin zu ergattern“ – ein kleines Stimmungsbild

Ralph Schippers

Dr. Naser Eyni beim Impfen eines Patienten Foto: rs

In den Steinfurter Hausarztpraxen herrscht in diesen Tagen Hochbetrieb. Wer einen der Allgemeinmediziner telefonisch erreichen möchte, hört oftmals nur das Besetztzeichen – oder es klingelt in einer Endlosschleife. Die Anfang der Woche gestartete lokale Impfkampagne hält das Praxispersonal in Atem, hinzu kommt, dass einige Praxen urlaubsbedingt geschlossen haben und Vertretungen übernommen werden müssen. Belastet sind die Praxen zudem durch Anrufer, die versuchen, kurzfristig einen Impftermin zu ergattern – auch wenn sie nicht zur den derzeit dazu Berechtigen gehören, also älter als 70 Jahre sind oder eine Vorerkrankung haben.

„Wir bekommen Anfang kommender Woche voraussichtlich 18 Dosen, haben aber mittlerweile eine Warteliste mit 280 Personen“, sagt eine Arzthelferin einer Burgsteinfurter Praxis, die namentlich nicht in der Zeitung erscheinen möchte. Viele der Anfragen würden auch von Jüngeren gestellt. „Wir setzen diese mit dem Hinweis, dass wir uns zu gegebener Zeit melden, auf die Liste. Dies in der Hoffnung, dass sie nicht erneut anrufen und wichtige Kapazitäten binden“, so die Sprechstundenhilfe.

Dass sich die Hausärzte von sich aus bei möglichen Impfkandidaten melden, hat sich offenbar noch nicht überall herumgesprochen. Auch Dr. Naser Eyni, Hausarzt in Burgsteinfurt, verfährt so. Dennoch kann der Mediziner es verstehen, dass der Impfdruck weiter steigt. Nur gemeinsam könnten Impfzentren und Hausärzte diese Herausforderung stemmen. Er selbst will dazu seinen Teil beitragen, nur muss er sich – noch – unfreiwillig zurücknehmen.

Die Impfmenge des Herstellers Biontech, die ihm am Mittwoch zur Verfügung stand, reicht gerade für 30 Impfungen in der laufenden Woche. Am Mittwoch waren es sechs Patienten, die in seiner Praxis an der Alexander-Koenig-Straße mit dem Vakzin geimpft wurden, zwei weitere Kandidaten waren am Nachmittag bei einem Hausbesuch an der Reihe. „Es sind allesamt registrierte Impflinge, die vorher ausführlich aufgeklärt worden sind“, betont der Mediziner.

Er sei „sehr froh“, dass die Politik nun endlich auch die Hausärzte bei den Impfungen mit ins Boot geholt habe. Sie kennen ihre Patienten am besten und könnten folglich auch am besten beurteilen, wer in den einzelnen Impfgruppen am dringlichsten immunisiert werden müsse. Am kommenden Dienstag erwartet Eyni, der in Burgsteinfurt auch schon Impfarzt für die Bewohner des evangelischen Altenhilfezentrums war, die nächste Impfstoff-Lieferung. „Ich hoffe, es werden mehr“, so der Mediziner.

Auch auf Anrufe oder Mail-Anfragen bei Praxen in Borghorst gab es gleichsam unisono die gleichen Antworten: „Wir sind mitten in der Impfsprechstunde“; „Wir haben unsere Sprechstunde schon erweitert, damit die Nachfrage halbwegs bedienen können“ und „wir kümmern uns gerade um die Patienten. Mit Ihrem Anliegen können Sie sich gerne später melden.“

Auch wenn die Zahl der Impfdosen eher überschaubar ist, hat das große Interesse viele Praxen offenbar überrascht. „Viele rufen an und wollen sich anmelden oder informieren, obwohl wir einen Anrufbeantworter geschaltet haben, der das Prozedere genau beschreibt“, fasst eine Mitarbeiterin den Praxisalltag zusammen.

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