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Reisebüro Extratour erwartet Entspannung in der Reisebranche frühestens im kommenden Herbst

Über Monate nur rückabgewickelt

Burgsteinfurt

Es gibt sie, die Urlaubsziele, die auch in Pandemie-Zeiten angesteuert werden können. Doch kaum einer bucht derzeit eine Reise auf die Malediven oder nach Kuba. Sara Botella Herrera vom Reisebüro Extratour war deshalb über Monate fast nur mit Rückabwicklungen beschäftigt. Eine Entspannung der Krise erwartet sie erst im Herbst 2021.

Ralph Schippers

Sara Botella Herrera an ihrem Arbeitsplatz im Reisebüro Extratour in der Burgsteinfurter Altstadt: Das Telefon klingelt sehr selten in diesen Tagen, die Buchungszahl tendiert gegen Null. Foto: rs

Wer in diesen Tagen aus dem vom Regen beschlagenen Fenster blickt, den könnte schnell das Fernweh packen – wenn im Hinterkopf nicht Begriffe wie „Reisewarnung“, „Risikogebiet“ oder „Lockdown“ schwirrten. Doch auch wenn die Sehnsucht nach Sonne sich nur in begrenztem Maße stillen lässt – es gibt sie: Reiseziele, die die Steinfurter auch jetzt noch ansteuern können. Sara Botella Herrera vom Reisebüro Extratour hat sie ins Schaufenster der Geschäftsstelle am Markt geschrieben, damit sie die Passanten sehen: Kanaren, Malediven, Vereinigte Arabische Emirate oder Kuba – allesamt Traum-Destinationen, um der Tristesse des westfälischen Winters zu entfliehen. Voraussetzung: Man muss einen negativen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 72 Stunden ist und sich vorab registrieren. Und dennoch: Auf Buchungen wartet die Büroleiterin derzeit vergebens.

„Es ist schon ein seltsames Gefühl: Normalerweise würde jetzt das Geschäft brummen, es stünden die Buchungen für den Sommerurlaub an“, sagt die Reise­expertin. Doch wer denke jetzt an eine Reise, wenn er womöglich anschließend für 14 Tage in Quarantäne muss? Die Leute seien einfach total verunsichert: Wie wird sich die Corona-Krise weiter entwickeln? Wann ist eine Entspannung durch Impfungen zu erwarten? Hebt mein Urlaubs-Flieger tatsächlich ab? Hat das Hotel noch offen, wenn ich die Reise antrete? Fragen über Fragen. Die Antworten darauf gleichen dem Blick in die Glaskugel. Das Nachsehen haben Branchen wie das Reiseverkehrsgewerbe.

Über den Sommer, als die Corona-Zahlen niedrig waren, konnten Sara Botella Herrera und ihr Team noch einige Reisen verkaufen. „Griechenland oder Mallorca zum Beispiel gingen noch ganz gut. Bis dann die Reisewarnungen kamen“, sagt die 32-Jährige. In diesem Zusammenhang erwähnt sie den Vorteil einer Buchung im Reisebüro gegenüber der privaten Reiseplanung. „Wenn bei uns eine Reise abgesagt wird, gibt es Geld zurück.“ Ein Service, der indes mit viel Arbeit verbunden ist: Über Monate hat die Büroleiterin fast nichts anderes gemacht als Rückabwicklungen bereits gebuchter Reisen – als kostenlose Dienstleistung und damit ohne Verdienst für sich selbst.

Kunden mit besonderen Angeboten locken

Eine Entspannung der krisenhaften Situation erwartet die Reisefachfrau frühestens ab dem kommenden Herbst. „Die Leute wollen ja reisen und es gibt jetzt schon einen großen Nachholbedarf“, hat sie in Gesprächen mit Stammkunden festgestellt. Aber ohne Impfnachweis werde wohl nichts laufen sagt sie mit Verweis auf die Airline Quantas. Als erste große Fluggesellschaft hatte diese Ende November angekündigt, Passagiere nur noch an Bord ihrer Flieger zu lassen, wenn ein Impfnachweis vorgelegt werden kann. Sobald ein Impfstoff verfügbar sei, so hieß es, würden die Geschäftsbedingungen entsprechend angepasst. Sara Botella Herrera erwartet, dass alsbald sämtliche große Airlines diesem Beispiel folgen werden.

Unterdessen versucht die Branche, Kunden mit besonderen Angeboten schon jetzt zu locken. So gibt es Anbieter, die eine kostenlose Stornierung bis zum Abreisetag ermöglichen oder spezielle Corona-Vorsorge-Versicherungen gegen einen geringen Aufpreis im Portfolio haben.

Und welche konkreten finanziellen Auswirkungen hat die Pandemie für die Mitarbeiter vor Ort – neben Sara Botella Herrera gibt es zwei weitere Mitarbeiter und Chef Andreas Lösbrock? „Ich will nicht klagen, im Gegenteil: Das Instrument der Kurzarbeit hilft, die Unterstützung ist schon sehr stark“, so die Büroleiterin. Auch der Vermieter sei ihnen entgegengekommen. Wie ihr Chef sieht sie die Branche indes noch eine ganze Weile auf Überbrückungshilfen angewiesen. Es habe null Einnahmen gegeben und „alles, was wir verdient haben, mussten wir zurückzahlen“.

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