1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Steinfurt
  6. >
  7. Ungewisser Blick in die Zukunft

  8. >

Lokales Transportgewerbe hat heftig mit der aktuellen Spritpreisexplosion zu kämpfen

Ungewisser Blick in die Zukunft

Steinfurt

Ohne Senkung der Kraftstoffpreise geraten vor allem kleinere Speditionsunternehmen in existenzielle Bedrängnis – mit einem dringenden Appell, Gegenmaßnahmen einzuleiten, hat der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung sich jetzt an die Politik gewandt. Die Konsequenzen wären im schlimmsten Fall schon bald leere Supermarktregale, warnt der Verband. Wie sieht die Situation vor Ort aus? Die Redaktion fragte beispielhaft bei einigen Unternehmen nach.

Von Ralph Schippers

Spritpreisexplosion mit Folgen: Insbesondere kleinere Unternehmen des Transportgewerbes laufen die Kosten davon – Gegenmaßnahmen werden gefordert. Foto: Jürgen Peperhowe

Ohne Senkung der Kraftstoffpreise geraten vor allem kleinere Speditionsunternehmen in existenzielle Bedrängnis – mit einem dringenden Appell, Gegenmaßnahmen einzuleiten, hat der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung sich jetzt an die Politik gewandt. Die Konsequenzen wären im schlimmsten Fall schon bald leere Supermarktregale, warnt der Verband. Aber auch andere Gewerbe wie zum Beispiel Taxibetriebe, deren Grundlage die Mobilität ist, haben arg mit den explodierenden Diesel- und Benzinpreisen zu kämpfen. Wie sieht die Situation vor Ort aus? Die Redaktion fragte beispielhaft bei einigen Unternehmen nach.

„Wir zahlen als Unternehmen derzeit drauf“, nimmt Christine Elfring, Mitarbeiterin des Transportunternehmens R. Elfring und des Taxi-Unternehmens Geise, kein Blatt vor den Mund, was das derzeitige Spritpreisniveau für sie bedeutet. Sie warnt vor dem Szenario, den auch der Branchenverband befürchtet: Dass die Versorgungssicherheit der Bevölkerung mittelfristig gefährdet sein könnte, falls die Politik nicht gegensteuert.

Sie selbst müsse derzeit mit den Auftraggebern lange verhandeln und genau kalkulieren, welche Tour sie überhaupt noch mache, sagt die Mitarbeiterin. Vielleicht sei ein Protest der Spediteure mit Arbeitsniederlegungen ein probates Mittel, um auf die prekäre Situation vor allem kleinere Betriebe aufmerksam zu machen. Vielen sei nicht klar, dass es das Transportgewerbe ist, das die Konsumgesellschaft von heute mit ihren vielfältigen Ansprüchen am Leben erhalte.

Ein wenig haben die Verantwortlichen in der Spedition Elfring die Entwicklung schon geahnt: „Wir haben schon vor Jahren damit begonnen, unsere Speditionszweig zu verkleinern und uns mehr auf das Taxigeschäft zu konzentrieren“, sagt Christine Elfring. Von ehemals 18 Lkw ist die einstige Internationale Spedition auf nur noch einen Sattelzug geschrumpft. Mit dem Abbau habe man auf den harten Preiskampf in der Branche, auf Liquiditätsengpässe aufgrund von langen Vorleistungszeiträumen und – seit Jahren ein wachsendes Problem – auf den zunehmen Fahrermangel reagiert. Der Job des Lkw-Fahrers habe einen schlechten Ruf, er sei mit viel Stress auf der Straße und bei der Rastplatzsuche verbunden, mit langem Fernbleiben von zuhause und er sei gering bezahlt.

Doch mit dem Schwerpunkt Taxi fühlt sich Christine Elfring derzeit ebenso wie vom Regen in die Traufe versetzt. Klar, auch in dieser Sparte spielten die Spritpreise eine entscheidende Rolle. Christine Elfring verweist auf den öffentlichen Transportauftrag der Branche mit Kranken- und Behindertenfahrten, aber auch Fahrten zur Schule. „Es geht ja nicht nur darum, Feiernde abends nach Hause zu bringen“, sagt die Borghorsterin.

Als Konsequenz aus der Spritpreisexplosion fordert sie eine schnelle Reaktion der Regierung. Andere Länder wie zum Beispiel Polen oder Frankreich seien da Vorbilder, dort seien die staatlichen Steuern auf Energie gesenkt worden.

Auch die Spedition Boskovski & Kernebeck mit Sitz an der Siemensstraße trifft das aktuelle Rekordniveau der Spritpreise hart. „Wir können die gestiegenen Kosten nicht eins zu eins an unsere Kunden weitergeben, da wir an langfristige Verträge gebunden sind“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Mike Kernebeck. Zwar könne man als großes Unternehmen mit aktuell 30 Sattelzügen noch einiges abfedern, „doch teils zahlen wir schon jetzt drauf“. Bei kleinen Firmen sei die Situation noch viel dramatischer.

Dass es kurzfristig ähnliche Situationen wie in Großbritannien nach dem Brexit geben wird, glaubt Kerne­beck indes nicht. Aktuell gebe es noch einen Fahrzeugüberhang am Markt. Würden gerade kleinere Bewerber aus dem Markt gedrängt, könne sich das aber mittelfristig ändern.

Kernebeck wünscht sich von der Politik nachhaltige Lösungen. „Klar, man kann jetzt nach schnellen Mehrwertsteuersenkungen schreien oder eine Deckelung der Preise fordern“, hält er wenig von populistisch motivierten, auf Kurzfristigkeit angelegten Lösungen. Ein Ansatz ist für ihn die Umstellung der Antriebstechnologie auf alternative Energien wie zum Beispiel Wasserstoff.

In eine ähnliche Richtung schlägt auch der Branchenverband. Doch dessen Vorstandssprecher Dirk Engelhardt warnt: „Der Wasserstoff-Antrieb als Ersatz für den Diesel-Lkw steht erst nach dem Markthochlauf 2027 zur Verfügung. Wenn morgen die Regale noch befüllt sein sollen, brauchen wir den Diesel-Lkw.“ Die Bundesregierung müsse daher alles daran setzen, zumindest für die kommenden Jahre auch weiter auf den Verbrenner sowie alternative Kraftstoffe wie E-Fuels zu setzen.

Startseite
ANZEIGE