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Bernhard Beckmann arbeitet für den DWD

Verdienter Veltruper Wettermann

Burgsteinfurt

Bernhard Beckmann und das Wetter – das ist eine innige Paarung. Seit 2004 betreibt der Veltruper im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes (DWD) die Niederschlagsstation Steinfurt-Burgsteinfurt. Die gemessenen Daten werden von der Bundesbehörde dann zum Beispiel für die Wettervorhersage oder für Gutachten nach Wetterschäden genutzt. Beckmann ist zudem als phänologischer Beobachter für den DWD tätig. Dabei hält er den vom Wetter beeinflussten Entwicklungsstand von Pflanzen im Jahresgang fest.

Von Ralph Schippersund

Wettermann Bernhard Beckmann an der DWD-Niederschlagsstation auf dem Hof in Veltrup: Die hochempfindliche Anlage arbeitet vollautomatisch – inklusive Datenübertragung. Foto: rs

Wenn in Steinfurt die Rede von Wetterfrosch ist, dann fällt meistens der Name Kevin Smith. Der Hobby-Meteorologe hat eine eigene semiprofessionelle Wetterstation und stellt auf seiner Facebook-Seite „Wettergeschehen Kreis Steinfurt und Umgebung“ täglich Vorhersagen ins Netz. Doch der 32-jährige Burgsteinfurter ist nicht der Einzige in der Kreisstadt, der sich mit Leidenschaft dem Wetter und Wetteraufzeichnungen widmet. Nicht weniger bekannt und deutlich länger „im Dienst“ ist Bernhard Beckmann. Der 84-jährige Veltruper betreut seit 2004 ehrenamtlich im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes (DWD) die Niederschlagsstation Steinfurt-Burgsteinfurt. Sie ist eine von bundesweit rund 1900 Messstationen der formal dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur zugeordneten Bundesbehörde und misst minütlich den Niederschlag. „Die Daten werden regelmäßig halbstündlich zur zentralen Datenbank am Hauptstandort Offenbach geschickt“, sagt der gelernte Landwirt.

Nicht ohne Stolz präsentiert er dem Besuch von der Zeitung die Messstation, die eingezäunt direkt neben den Stallungen installiert ist. Die Zeiten, da er für die Messungen selbst Hand anlegen musste, sind indes vorbei. Die Anlage funktioniert vollautomatisch, die Tätigkeit von Bernhard Beckmann beschränkt sich daher weitestgehend auf deren Pflege und Kontrolle. Das ist ihm ganz recht, hat der Veltruper doch so mehr Zeit für seine zweite Aufgabe, die er im Auftrag des DWD ehrenamtlich wahrnimmt – und das auch schon seit 2009: Als so genannter phänologischer Beobachter führt er auf Meldebögen und in Tagebüchern regelmäßig Protokoll über die – vom Wetter beeinflussten – Entwicklungsstände von Kultur-, Nutz- und Wildpflanzen im Jahresverlauf. Die gesammelten Daten werden unter anderem für Ernte- oder auch Pollenflugvorhersagen herangezogen. Für beide Tätigkeiten erhält er einen finanziellen Ausgleich in Form einer Aufwandsentschädigung.

Das ist es indes nicht, was ihn auch im fortgeschrittenen Alter in der Sache antreibt. „Ich war schon seit Mitte der 1950er-Jahre Wetterbeobachter – damals für die Landwirtschaft“, blickt der 84-Jährige zurück. „Es hat mir immer Spaß gemacht.“ Und als er 2004 vom DWD gefragt wurde, ob er es sich vorstellen könne, die Niederschlagsmessstation Burgsteinfurt zu übernehmen, da hat er nicht lange gezögert und Ja gesagt. Er folgte damit einer Reihe von Pädagogen nach, die die Station seit Inbetriebnahme 1891 betreut hatten. „Vor mir war das der Studiendirektor Baumgardt, der diese Tätigkeit 40 Jahre ausübte“, weiß Beckmann. Der Rentner vermutet, dass der DWD seinerzeit an ihn herangetreten ist, weil eine seiner Töchter von dem Arnoldinum-Lehrer unterrichtet wurde. Genaues wisse er darüber nicht. „Mein Vater war schon immer Naturliebhaber, zudem kann er gut mit Zahlen umgehen“, meint Tochter Heidrun schmunzelnd, dass die Wetterdienst-Mitarbeiter seinerzeit schon „den Richtigen“ gefragt hatten.

Apropos gefragt: Durch seine Wetteraufzeichnungstätigkeit war Beckmann dies fortan zweifelsohne. Nicht nur die örtliche Presse klingelte des Öfteren an, um seine Beurteilung zum Beispiel zum Jahreswetter zu erfahren. So berichtet Beckmann auch von einem Autofahrer, der sich nach einem Hagelschaden an seinem Wagen bei ihm erkundigte, wann und wo ursächliches Unwetter denn in Stemmert heruntergekommen sei. „Ich hab‘s ihm nicht verraten, da die Stationsdaten nicht für die Öffentlichkeit, sondern ausschließlich zur Auswertung beim DWD bestimmt sind“, erinnert sich der Veltruper.

Allgemeiner gehaltene Äußerungen aber darf er allerdings geben – und so antwortet er auf die Frage, ob er anhand seiner Erfahrungen aus den Aufzeichnungen vor Ort den vielzitierten Klimawandel bestätigen kann. Dies allerdings vorsichtig mit „nicht unbedingt“. Was er beobachten konnte, sind indes die Zunahme von Starkregenereignissen und Dürreperioden. Dies mache der Forst- wie der Landwirtschaft gleichermaßen sehr zu schaffen.

Mit Mitte 80 will Beckmann als Wetterfrosch nun doch kürzer treten. Ein Nachfolger ist offenbar schon in Aussicht, konkret will Beckmann indes (noch) nicht werden. Die lange Burgsteinfurter Wetterdienst-Tradition wird also fortgeführt. Deren Bedeutung steigt zusehends: Sind doch die Daten unter anderem Grundlage für Gutachten bei Wetterschäden.

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