Michael Peck ist seit 40 Jahren im Markt-Geschäft

Was ist eine Büro-Olive?

Burgsteinfurt/Laer

Michael Peck ist seit 40 Jahren auf Märkten unterwegs. So langsam denkt er ans Aufhören. Ihm geht es um eines: Seinen Kunden den Geschmack des Südens zu vermitteln.

Von Axel Roll

Olivenhändler Michael Peck und Aushilfe Christine Lengers holen das frische Brot vom Bäcker Foto: Axel Roll

Wissen Sie, was eine Büro-Olive ist? Eine Büro-Olive ist weder mit Knoblauch in Berührung gekommen – zur Schonung der Geruchsnerven der Kollegen – noch hatte sie Kontakt zu Öl. Klar, um Sauereien auf dem Schreibtisch oder Flecken in der Hose und im Kleid vorzubeugen. Ach ja, und ausgeliefert wird sie mit einem zweiten Plastiktöpfchen. Zur problemlosen Entsorgung der Steine. Michael Peck hat nicht nur die Büro-Olive im Angebot.

18 Variationen der mediterranen Frucht stehen bei dem alt-erfahrenen fahrenden Händler in seinen Holzbottichen zum Verkauf. Mit und ohne Knoblauch, in Öl, mit Basilikum oder Petersilie, mit Paprikastreifen und – natürlich – mit und ohne Stein. Wobei die Olive ohne Stein nicht in seinen Mund kommt. „Der Geschmack mit Kern ist ein viel besserer.“ Aber für seine Kunden, da macht der 63-Jährige Händler alles. Sogar Oliven ohne Stein.

Die Rathausuhr auf dem Burgsteinfurter Markt bimmelt zu sieben Uhr. Zeitgleich schiebt Christine Lengers die Klappen des Verkaufsstandes nach oben. Die 19-jährige Abiturientin überbrückt als Aushilfe die Zeit bis zum Beginn ihres Sozialen Jahres. Dann geht es nach Afrika. Christine ist erst vier Wochen im Oliven-Geschäft. Hat sich von Michael Peck aber schon anstecken lassen. „Der Kontakt mit den Menschen ist toll“, schwärmt die Laererin. Der Spaß an dem Aushilfsjob tröstet sogar über das mörderische Klingeln des Weckers hinweg. Halb sechs. „Samstags muss ich noch eine Stunde früher raus“, erzählt die Laererin.

An das frühe Aufstehen hat sich Michael Peck gewöhnt Kein Wunder, 40 Jahre Markt hat er schon auf dem Buckel. Zusammen mit Käse-Kollege Harry ter Steege und den Sommers vom Obst- und Gemüsestand zählt er zum Burgsteinfurter Wochenmarkt-Inventar. Obwohl, wenn alles glatt gelaufen wäre im Leben des gebürtigen Hannoveraners, dann wäre er heute in kirchlichen Diensten. Der 63-Jährige ist studierter Theologe, wollte eigentlich Pastoralreferent werden. „Nach dem Studium hatte ich aber mehr Fragen als Antworten“, umschreibt Peck das, was andere als Lebenskrise bezeichnen. Jobs im Handwerk folgten. Dann brachte ihn ein Freund, der schon mit Oliven handelte, auf die Idee, der er bis heute treu geblieben ist. Übrigens genau wie der Kirche. Michael Peck ist immer wieder gerne Begleiter bei Exerzitien.

Mit 63 Jahren macht sich Peck schon so langsam Gedanken um seinen Ruhestand. So wild wie früher treibt er es schon länger nicht mehr: „Ich hatte mal 26 Angestellte und war auf 23 Märkten vertreten.“ Mittlerweile ist er Einzelkämpfer und verkauft freitags morgens in Burgsteinfurt, nachmittags in Bad Bentheim und samstags in Iserlohn. „Das heißt aber nicht, dass ich den Rest der Woche die Hände in den Schoß lege“, lacht der Wahl-Holtwicker. Oliven, Käse, Champignons und andere Luxus-Leckereien sind ein arbeitsintensives Geschäft. Die Oliven genießen, wenn sie in den 200-Kilo-Fässern aus Italien, Spanien, Marokko oder Griechenland angeliefert werden, erst einmal ein tagelanges Wasserbad, um von der salzigen Transportlake freigewaschen zu werden. Danach werden sie vom Chef persönlich geschmacklich schick für den Markt gemacht. Das geschieht in der Firmenhalle in Laer.

Michael Peck hat es die italienische Olive Latina angetan. Der Zitronensaft im Öl verleiht ihr eine Frische, die wunderbar zu seinem Weißwein passt. Wein und Oliven, damit verschafft sich der Händler aus Passion nach Feierabend das, was er auch seinen Kunden vermitteln möchte: „Ich möchte den Geschmack des Südens nach hierhin bringen.“

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