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Rainer Bernickel und Tochter Petra Kreyenschulte überraschen auf Autobahnrastplätzen

Weihnachtsmann nur für Trucker

Steinfurt

Rainer Bernickel und Tochter Petra Kreyenschulte waren am ersten Weihnachtstag wieder als Weihnachtsmann auf den Autobahnparkplätzen der Region unterwegs. Die Überraschung ist wieder gelungen, die Freude bei den beschenkten Truckern groß.

Von Axel Rollund

Rainer Bernickel ist jedes Jahr Weihnachten auf den Autobahn-Parkplätzen unterwegs, um die Trucker mit Kleinigkeiten zu überraschen. Die hat er zuvor bei Sponsoren eingesammelt. Sergej nutzt die drei Tage Weihnachts-Zwangspause auf dem Parkplatz und wäscht. Foto: Axel RollAxel Roll

Für Sergej ist der erste Weihnachtstag Waschtag. Das heiße Wasser hat er sich von der Raststätte besorgt. Seine T-Shirts und Kapuzenpullover taucht er immer wieder in den dampfenden Plastikeimer, wringt sie anschließend aus und hängt sie auf die Wäscheleine. Die hat er an der aufgeklappten Motorverkleidung seines 40-Tonners gespannt. Wann seine Wäsche trocken ist? Bei minus zwei Grad ist sie wahrscheinlich eher gefroren. In dieser Parkplatz-Trostlosigkeit an der Raststätte Münsterland kommt der wild gestikulierende Weihnachtsmann gerade recht. „Here, a little christmas present“, überreicht der rot-weiß gekleidete Herr ohne Rauschebart, dafür mit Maske, dem Weißrussen eine blaue Tragetasche. Darin ist nicht nur ein großer Schokoladennikolaus, sondern viele nützliche Kleinigkeiten. Unter anderem handgestrickte Socken von der Steinfurterin Magdalena Gerwien-Klumpp. In einem Jahr hat sie 50 Paar gestrickt, um die Geschenke-Aktion von Rainer Bernickel und Tochter Petra Kreyenschulte zu unterstützen. Seit 15 Jahren sind beide zu Weihnachten und Ostern auf den Autobahnparkplätzen der Region unterwegs, um den ehemaligen Königen der Landstraße eine kleine Freude zu machen.

Und das klappt auch diesmal wieder. Die Lkw-Fahrer, die Weihnachten auf dem Rastplatz verbringen, von feiern kann hier wirklich nicht die Rede sein, sind dankbar, fast jeder möchte ein Bild mit dem Weihnachtsmann. Rainer Bernickel kennt die Schicksale aus seiner aktiven Zeit als Polizist. „Da sitzt nirgendwo ein Deutscher am Steuer.“ Die Trucker kommen aus dem Osten. Die meisten aus der Ukraine oder aus Weißrussland. So wie zum Beispiel Sergej. Nein, ein Traumjob ist das nicht für ihn, aber einer, um mehr zu verdienen als in der Heimat. Schon zum dritten Mal muss er Weihnachten auf der Straße verbringen. Zwei Monate sitzt er an einem Stück auf dem Bock, dann darf er für zwei, drei Wochen nach Hause. „Ich muss das Studium meiner Tochter finanzieren“, erzählt Sergej in gebrochenem Englisch. Beim Blick in die Tasche von Rainer Bernickel schmunzelt der Weißrusse. „Der Schoko-Weihnachtsmann ist für meine Tochter.“

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