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Steinfurter setzen sich für Hochwasser-Opfer ein

Welle der Hilfsbereitschaftrollt Richtung Flutgebiete

Steinfurt

Auch die Steinfurter beteiligen sich durch Hilfsaktionen am Wiederaufbau in den Hochwassergebieten. Alleine oder in der Gruppe.

Das ist geblieben von einem Haushalt: Viele Menschen in Dernau stehen vor dem Nichts. Foto: Dietmar Mersch

Wie drückt es Marcel Kleinke aus? „Viele kleine Einzelaktionen ergeben etwas Großes.“ Der Steinfurter Computer-Experte macht sich heute wieder auf den Weg ins Krisengebiet bei Dernau, um seinen kleinen Beitrag zum großen Ganzen zu leisten. Fünf Bautüren hat er im Gepäck, über 50 Kilo Kaffee, aber auch Bier und Zigaretten. So wie der Steinfurter Computer-Dienstleister machen es derzeit viele Steinfurter: Ob alleine oder in der Gruppe, sie packen in den Hochwassergebieten mit an.

Wie berichtet, haben die Patrioten-Schützen Größeres in Planung: Am Samstag (7. Juli) geht morgens um 7 Uhr ab Getränke Ellerkamp ein Bus mit Helfern in die Eifel. „Für Kurzentschlossene ist immer noch Platz“, wirbt Pajotten-Vorsitzender Florian Kleymann noch um Mitstreiter. Sie sollten Arbeitskleidung mit langen Hosen, Handschuhe, Masken und Werkzeug dabei haben. Außerdem bitten die Schützen um Sachspenden: Stemmhammer, Nasssauger mit integrierter Pumpe, Dampfstrahler, Akkuschrauber, Hauswasserwerke, Pumpen und Bautrockner sind besonders gefragt.

Die Möbelbörse der Evangelischen Jugendhilfe an der Goldstraße wird am 12. August einen Spendentag veranstalten. Die Einnahmen des Tages kommen der Jugendhilfe in Godesheim zugute, die große Schäden durch die Flut zu verzeichnen hat. An dem Tag wird eine selbstgebaute XXL-Bank aus Paletten versteigert, wie Organisator Tobias Tomaszik berichtet.

Dietmar Mersch aus Borghorst ist heute wieder auf dem Weg ins Ahrtal. Er war bereits in der vergangenen Woche dort und hat in Dernau dem 65-jährigen Gerhard geholfen, sein Haus vom Schlamm zu befreien. Bei dem Dernauer stand das Wasser bis in die zweite Etage. Alles in Wohnung und Garten ist unter einer zehn Zentimeter dicken Schlammschicht begraben. „Das Inventar ist reif für den Müll“, erzählt Dieter Mersch. Gerhard bat trotzdem, die wenigen Habseligkeiten nicht wegzuwerfen: „Ich habe doch sonst nichts.“ Der Rentner trägt geliehene Kleidung. Dietmar Mersch hatte neben zahlreichen Werkzeugen auch 30 Liter Benzin mit in die Eifel genommen. „Das war besonders willkommen, weil im Ort kein Sprit mehr zu bekommen war.“

Verpflegt wurde Mersch mit seinen Kollegen von einem Hotelier, der eine Wiese für die Zelte zur Verfügung gestellt hat. Mersch wollte für Frühstück und Abendessen zahlen. Der Hotelier lehnte ab, zeigte auf eine Spendenbox. „Er sagte aber, wir sollten es nicht übertreiben.“ Dietmar Mersch ist sich mit Marcel Kleinert einig: „Es wird noch Monate jede helfende Hand benötigt.“ Darum ärgert sich Kleinert maßlos über Appelle, die er am Radio gehört hat, doch bitte nicht mehr in die Hochwassergebiete zu fahren.

Marcel Kleinert schaut auf die kalte Jahreszeit: „Was wird dann? In den Orten funktioniert keine Erdgasleitung mehr. Die Menschen sitzen dann in der Kälte.“ Er weiß von Installateuren, die in Häusern, in denen die Heizung noch funktioniert, von Erd- auf Flüssiggas umbauen wollen.

Alle Steinfurter, die vor Ort geholfen haben, teilen die Angst mit den Betroffenen in den Katastrophengebieten, dass die Welle der Hilfsbereitschaft schnell wieder abebben könnte. Dietmar Mersch: „Wir dürfen die Menschen nicht vergessen.“

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