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Ali Pish Been vom FC Galaxy Steinfurt spricht über die E-Sportabteilung seines Vereins

Wenn Zocken verbindet

Für viele ist Zeit an der Konsole nur Zeitverschwendung. Beim FC Galaxy Steinfurt ist das anders. Sie betreiben E-Sport in einer der höchsten Ligen, sind mit dem elf-gegen-elf-Modus bei FIFA sehr erfolgreich. Präsident Ali Pish Been erzählt im Interview von Vereinsstrukturen, Voraussetzungen und Vorurteilen.

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Ali Pish Been spricht im Interview über die E-Sportsabteilung des Galaxy Steinfurt, wie dieser Menschen zusammenbringt und mit Schwierigkeiten der elektronische Sport noch zu kämpfen hat. Foto: IMAGO/Christian Grube

Was für eine Vorlage. Nach ruhendem Ball spielt Verteidiger FCG_Adana den Ball zurück zu Keeper FCG_Kai. Dieser sieht seine Chance, ballert die Kugel bis zum gegnerischen Sechzehner, dort kann sich x-_-Tom27-_-x im Zweikampf behaupten, nimmt den hohen Ball direkt und versenkt ihn im Tor des FSV Stadeln. Wer jetzt denkt, die Tastatur der Redaktion hat einen Hänger, der irrt sich, denn die Spieler heißen wirklich so. Es dreht sich hier nämlich nicht um ein Fußballspiel draußen auf dem Sportplatz, sondern um FIFA 21beim Spiel des FC Galaxy Steinfurt gegen den FSV Stadeln. Der E-Sport, also Sport auf Konsole, PC und anderen digitalen Plattformen ist ein immer größer werdendes Phänomen. Dabei geht es nicht nur ums zocken, sondern verbindet viele sportliche Gedanken, Grundhaltungen und Werte. Ali Pish Been ist Präsident des Galaxy Steinfurt, der nebenbei der Fußballverein mit der größten E-Sportabteilung in ganz Deutschland ist. Er hat sich mit der Jugendfrei-Redaktion getroffen und mit uns über die Chancen des E-Sport sowie der Abteilung des Galaxy Steinfurt gesprochen.

WN: Hallo Ali, welche Spiele werden bei Euch im E-Sportbereich gespielt?

Ali: Hallo Max, wir spielen FIFA 21 auf der Playstation. Dabei spielen wir in dem Modus elf-gegen-elf, das heißt, jeder Spieler steuert seinen eigenen Spieler auf einer festen Position. Wer FIFA online spielt steuert meistens alleine eine ganze Mannschaft. Das hat dann aber nicht mehr viel mit Teamsport zu tun. Wir haben vier Mannschaften mit je 25 aktiven Spielern und dort ist es wichtig, dass wir uns absprechen, Taktiken ausdenken und das dann auch auf den Platz bringen. Dabei haben wir eine ganz normale Vereinskultur, sprich auch einer Vereinskasse wo man auch mal eine Strafe zahlt, wenn man ohne Abmeldung das Training verpasst.

WN: Wie oft in der Woche trainiert ihr?

Ali: Wir bieten Mannschaftstraining fünf mal die Woche für je zwei Stunden an. Zu der Zeit treffen sich Spieler und Taktikteams, üben die Spielzüge ein, gehen die Leitpläne durch und werden betreut, genau wie im echten Fußball. Durch diesen regen Austausch ist es möglich, auch nah mit den Leuten zu arbeiten, um zum Beispiel Bereiche wie Suchtprävention und Gesundheit im Blick zu haben.

WN: In welcher Liga spielt der Galaxy Steinfurt?

Ali: Es gibt in Deutschland für uns keine offizielle Liga in diesem Sinne, sondern einige Firmen und Organisationen mit Ligastrukturen. Wir sind mit unserer ersten Mannschaft zum Beispiel in der zweiten Liga der Proleague und dort gerade aufgestiegen in die erste Liga. Die zweite Mannschaft spielt in der dritten Liga A. Es gibt noch einige andere Ligen, die ähnlich organisiert sind, aber immer noch keine offizielle vom DFB.

WN: Habt Ihr mit Vorurteilen zu kämpfen, dass E-Sport nur zocken wäre?

Ali: Inzwischen ist das weniger geworden. Wie vorhin erwähnt, spielen wir in diesem besonderen Modus. Eins gegen eins ist für mich kein Teamsport, das ist zocken. Bei uns ist das alles viel dynamischer, viel expliziter, viel taktischer. Der einzige Unterschied zum Rasenfußball ist die körperliche Bewegung. So langsam aber sicher müsste sich auch der DFB mal einschalten und auch einige Vereine könnten ein größeres Augenmerk auf diesen Bereich legen. Wenn E-Sport so taktisch versiert sein kann und solche Strukturen bietet, gebührt ihm auch die Anerkennung als richtiger Sport und damit auch die Struktur, wie sie der Rasenfußball bekommt. Früher wurden wir mit dem Vorhaben, eine E-Sportszene aufzubauen ausgelacht, heute liegen wir damit im Trend.

WN: Wie kann man bei Euch mitmachen? Was für Voraussetzungen müsste ein neuer Spieler mitbringen?

Ali: Grundsätzlich kommt jeder bei uns rein. Uns erreichen tagtäglich einige Anfragen auf Social Media. Vieles läuft auch über Mund-zu-Mund-Propaganda. Wir wollen zunächst die Person kennenlernen, wir stellen uns dann gegenseitig ganz entspannt vor, reden mal ein bisschen. Es kommt uns vor allem auf den Menschen an und nicht auf die Leistung. Es kommt jeder bei uns rein, ohne Barrieren und ohne Hindernisse. Wir finden dann gemeinsam ein Team und Aufgaben, die er oder sie dort übernimmt. Es ist total cool, was sich damit über die Jahre bereits entwickelt hat. Wir verbinden Menschen nicht nur in Deutschland und aus ganz unterschiedlichen sozialen Kontexten. Wir haben Mannschaften da spielen 16-jährige mit 41-jährigen oder mit Leuten im Rollstuhl oder sonstigen Einschränkungen, auf dem digitalen Spielfeld ist das alles egal, hier kann sich jeder entfalten und das ist es eigentlich auch, was diesen Bereich so schön macht.

WN: Gibt es neben dem Training vor dem Bildschirm auch Aktivitäten als Verein?

Ali: Ja klar. Wir treffen uns, wenn Corona vorbei ist, regelmäßig zu Weihnachts- oder Sommerfesten, organisieren Fahrten oder spielen auch mal einfach zusammen eine Runde Fußball auf dem Platz. Wir wollen auch ein richtiges Vereinsleben bieten, weil wir trotz der E-Sportabteilung ein ganz normaler Fußballverein sind.

WN: Wenn man Euch mal in Aktion sehen will, wie kann man das machen?

Ali: Am besten ist man über unsere Kanäle auf Facebook und Instagram darüber informiert, wann wir spielen. Wer sich gerne mal ein Spiel von uns live angucken möchte, kann das auf dem Streamingportal Twitch. Wir haben immer sehr nette Moderatoren am Start, zur Zeit macht das die Alyna. Einfach mal bei Twitch nach „FC Galaxa esport“ suchen, oder einfach direkt über den Link: de.twitch.tv/fcgalaxyesports.

Max Roll

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