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Bus- und Zugreisenden fehlen Toiletten an den Bahnsteigen

Wenn‘s Arscherl brummt . . .

Steinfurt

Wenn‘s Arscherl brummt oder die Blase drückt, können Bus- und Zugreisende in Steinfurt schon mal verzweifeln und in große Nöte kommen. Es gibt weder eine öffentliche noch eine behindertengerechte Toilette in Bahnhofsnähe. Ein unhaltbarer Zustand und Mangel in der Infrastruktur, wie ein Leser dieser Zeitung kritisiert.

Von Dirk Drunkenmölle

Am Burgsteinfurter Bahnhof sind die ehemals öffentlichen Toiletten neben der Radstation nur noch für Busfahrer zugänglich. Alle anderen müssen draußen bleiben. Foto: Drunkenmölle

Wenn‘s Arscherl brummt oder die Blase drückt, können Bus- und Zugreisende in Steinfurt schon mal verzweifeln und in große Nöte kommen. Es gibt weder eine öffentliche noch eine behindertengerechte Toilette in Bahnhofsnähe. Ein unhaltbarer Zustand und Mangel in der Infrastruktur, wie ein Leser dieser Zeitung kritisiert und bemängelt, dass die Kreisstadt nicht zuletzt im Hinblick darauf, Luftkurort und Ausrichter der Landesgartenschau 2029 zu werden, in diesem Punkt keine gute Visitenkarte für eine Bewerbung abgibt. „Geht gar nicht“, sagt der Mann. „Da will man ganz hoch hinaus und vergisst, zunächst einmal ganz elementare Dinge, die unbedingt dazugehören, einen ersten positiven Eindruck von der Stadt und seinen Einrichtungen zu vermitteln.“ Ein sauberes und ansprechendes Klo gehöre unbedingt dazu.

Ganz konkret geht es ihm um die Situation am Burgsteinfurter Bahnhof. Im Gebäude dort sind die Toiletten schon länger nicht mehr für jedermann zugänglich. Die Anlage an der wenige Schritte entfernten Radstation ist ebenfalls dicht. Immer wieder haben Vandalen dort ihre Zerstörungswut ausgelebt, haben Urinale und Toilettentöpfe mit Sand oder Bauschaum verstopft, Waschbecken oder Schüsseln zertrümmert, Türen eingetreten. Sogar von nächtlichen Partys, die dort gefeiert worden sein sollen, ist die Rede. Immer wieder sei es dort auch zu Alkohol- oder Drogenmissbrauch bekommen, berichten Anlieger. Über die hygienischen Zustände wollten alle lieber nicht reden.

Die Reinigungskräfte hätten sich am Ende geweigert, dort noch sauber zu machen, berichtet Magnus Siering, Geschäftsführer der von DNL-Mobiel betriebenen Radstation. Die Firma hat die Verantwortung für den Betrieb der Toilette schon vor einigen Jahren wieder an die Stadt zurückgegeben. Die wusste sich nach dem andauernden Ärger auch nicht anders zu helfen, als die Anlage abzusperren. Zugang haben nach einer mit den Busunternehmen getroffenen Vereinbarung mittlerweile nur noch die Busfahrer. Sie haben eigene Schlüssel bekommen. Alle anderen müssen draußen bleiben – und manchmal haben sie auch keine andere Wahl.

Seitdem klopfen nahezu täglich Reisende bei Sierings Mitarbeitern an und fragen danach, wo sie eine Toilette finden. In Notfällen werde da schon mal Zutritt zum Mitarbeiterklo gewährt, was natürlich nur die absolute Ausnahme sein könne und was während Corona aufgrund der Hygieneregeln absolut ausgeschlossen gewesen sei.

„Das ist natürlich alles nachzuvollziehen“, kennt Detlef Bogs, im Steinfurter Rathaus als Fachdienstleiter für Zentrales Gebäudemanagement auch für dieses Toilettenproblem zuständig die Lage. Bogs hat Verständnis für den Ärger aller Betroffenen und Nachbarn. Das sei weder für Bus- und Bahngäste, noch für den ÖPNV, noch für das gewerbliche Umfeld und auch nicht fürs Image der Stadt gut. An einem praktikablen Konzept fehle es aber noch, die Grundproblematik in den Griff zu bekommen. „Wir sind leider noch nicht soweit, dass wir eine Alternative haben“, räumt Bogs ein. Die Anlage am Schüttenwall sei zu weit entfernt und wegen ihres baulichen Zustandes wirklich auch nicht mehr als eine Notlösung. Die Stadt sei auf der Suche nach einem alternativen Standort. Dabei fehle es aber an Raum und Angeboten, beispielsweise ein leeres Ladenlokal für eine öffentliche Toilettenanlage umzubauen. Wenn alle Stricke reißen, müsse man vielleicht dann doch noch mal darüber nachdenken, die Räume an der Radstation wieder zu öffnen – mit dem damit verbundenen Risiko, Vandalen und rücksichtslosen Klogängern wieder Tür und Tor zu öffnen. „Ohne Kontrollen sehe ich schwarz“, sagt ein Mitarbeiter der Radstation. Anlagen mit Bezahlschranken, wie sie in Nachbarkommunen bestehen, könnten eine Lösung sein. Denn: Wenn‘s Arscherl brummt, ist‘s auch das Herzerl g‘sund.

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