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Flusspoet Trelenberg nahm Publikum mit auf eine literarische Reise durch den Wald

Wo Gedichte an Bäumen wachsen

Steinfurt

Zu einem Spaziergang der besonderen Art brach eine Gruppe lyrikaffiner Leute am Sonntag vom Bagnoquadrat aus auf. Flusspoet Thorsten Trelenberg nahm sie mit auf eine „literarische Wanderung“ durch das Bagno und über den Buchenberg. Ziel war der Garten des Heinrich-Neuy-Bauhaus-Museums, in der der in Schwerte geborene Autor seine „Poesieoase“ installiert hatte.

Von Rainer Nix

Skurril – und neugierig machend: Gedichtblätter, die an Bäumen wachsen. Foto: nix

Zu einem Spaziergang der besonderen Art brach eine Gruppe lyrikaffiner Leute am Sonntag vom Bagnoquadrat aus auf. Flusspoet Thorsten Trelenberg nahm sie mit auf eine „literarische Wanderung“ durch das Bagno und über den Buchenberg. Ziel war der Garten des Heinrich-Neuy-Bauhaus-Museums, in der der in Schwerte geborene Autor seine „Poesieoase“ installiert hatte.

Hintergrund dieser Aktion war das vom Förderverein und Stadtbücherei gemeinsam veranstaltete Projekt „Und seitab liegt die Stadt“. Im zweiten Teil geht es um das Thema Landschaft, zu dem „Flusspoet“ Trelenberg Gedichte aus eigener Feder raussuchte. So zum Beispiel ein Poem mit dem Titel „Dieser Wald“: „Unterwegs in dieser Baumkathedrale, Schatten wandern mit dem Wind, was, denke ich, was ist wirklich wichtig?“

„Ich möchte Menschen animieren, nicht nur einfach durch den Wald zu rasen, sondern innezuhalten und zu schauen“, erläutert Trelenberg. Landschaft, sagt er, sei immer auch ein Zufluchtsort. Viele suchten dort etwas, Ruhe, Zeit für ein romantisches Stündchen, Stille. Während der Wanderung verharrten die Gruppe an markanten Stellen und lauschte Gedichten des Flusspoeten: „Vogelzwitschern, Wasserplätschern, Haselsträucher, Bachverläufe, Plastiktüten, Coladosen, Zeitungspapier im Wind, kein Mensch zu sehen“, heißt es im Poem „Natur“.

„Ich fand den Spaziergang sehr kurzweilig“, resümiert Teilnehmerin Dorothea Bock-Rattay. „Der Autor hat seine Naturbetrachtungen sehr treffsicher formuliert und pointiert dargestellt.“ Petra Wienkamp beeindruckte die Wirkung, Gedichte vorgetragen zu bekommen anstelle sie selbst zu lesen. „Wenn sie in der freien Natur vorgelesen werden und dabei zum Umfeld passen ist es etwas völlig anderes, als wenn man sie in einem Saal hört“, stellte sie überdies fest.

Trelenbergs Poesieoasen folgen einem relativ simplen, aber wirkungsvollen Konzept. „Ich bringe Gedichte zu Papier, laminiere sie und arrangiere sie irgendwo in der Landschaft“, beschreibt er. „Hier im Garten des Museums habe ich sie an Bäume gehängt.“

Der Effekt ist erstaunlich, wie anders eine Baumlandschaft wirken kann, wenn plötzlich Blätter an den Zweigen „wachsen“. Sogar Menschen, die kein besonderes Literaturinteresse hegen, bleiben schon mal stehen und schauen hin. Diese Erfahrung machte der Lyriker bei seinen bisherigen Installationen.

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