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Zweites Ukraine-Hilfe-Treffen im Rathaus

Wohnungsmangel zwingt zur Unterbringung in Containern

Steinfurt

Das wollten Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer und Erster Beigeordneter Michael Schell noch vor wenigen Monaten ausschließen. Jetzt wird es sich offenbar nicht mehr vermeiden lassen, dass geflüchtete Menschen, die nach Steinfurt kommen, wieder in Containern untergebracht werden müssen.

Die Stadt hatte am Mittwoch in den Bürgersaal eingeladen, um sich mit Gastgebern ukrainischer Flüchtlinge und Vertretern von Hilfsorganisationen über die aktuelle Situation auszutauschen. Foto: Drunkenmölle

Der Grund: Der Immobilienmarkt ist so leer gefegt, dass die Stadt sich nicht anders zu helfen weiß, als bei anhaltender Wohnungsnot Wohnmodule zu errichten.

Die Vorbereitungen dafür werden bereits im Rathaus getroffen. Das haben sowohl Michael Schell als auch Technischer Beigeordneter Hans Schröder beim zweiten Treffen mit Gastgebern ukrainischer Geflüchteter erklärt, das am Mittwochabend im Rathaus stattgefunden hat.

Die Fragen danach, wann und wie viele Container wo im Stadtgebiet aufgestellt werden und wie hoch die Kosten sein werden, konnten und wollten Schell und Schröder noch nicht beantworten. Wohlwissend, dass mit der Standortsuche immer wieder Diskussion verbunden sind, sollen zunächst die Anlieger informiert werden. Außerdem sei überhaupt noch nicht klar, wie viele Container im Moment überhaupt zu welchen Preisen auf dem Markt verfügbar sind. Mit den steigenden Nachfragen der Kommunen wird das Angebot immer knapper.

Wie angespannt die Wohnungssituation ist, machte Yannik Scham vom Amt für Soziale Dienste deutlich. Zurzeit sind insgesamt 366 geflüchtete Menschen in städtischen Unterkünften untergebracht. Allein 302 von ihnen sind in diesem Jahr aus den ukrainischen Kriegsgebieten in die Kreisstadt gekommen, 39 aus anderen Ländern. Der Zustrom kann noch größer werden, wenn Steinfurt nach Plänen der Bezirksregierung Münster noch weitere 119 ukrainische und 62 Geflüchtete anderer Nationalitäten zugewiesen werden. „Wie sich das entwickelt, kann im Moment niemand sagen“, erklärte Michael Schell dazu.

Was die Suche nach Wohnungen betrifft, sei die Verwaltung überall auf dem Markt aktiv. Der Erfolg sei jedoch überschaubar. Es könne aufgrund der aktuellen Situation nicht ausgeschlossen werden, dass Unterkünfte mit mehr Personen als bisher belegt werden müssen.

Von den Ukrainern sind derzeit rund 100 bei etwa 40 Privatleuten untergekommen. 122 ukrainische Personen erhalten laut Schams noch Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz. Die Mehrheit dieser Landsleute erhält seit der Öffnung des Sozialhilfesystems im Juni bereits eine Absicherung nach SGB II. Damit könnte diese Gruppe selber auf dem Wohnungsmarkt aktiv werden, was, so wurde von den Teilnehmern der Runde eindrucksvoll geschildert, nicht nur aufgrund des Wohnungsmangels mit großen Problemen verbunden ist. Da war erneut von vielen bürokratischen Hürden und vor allem davon die Rede, wie groß die Schwierigkeiten sind, sich nicht nur mit Vermietern zu verständigen, sondern sich auch in der deutschen Alltagswirklichkeit durchs Leben schlagen zu können. Das Dilemma: Die meisten Sprach- und Integrationskurse sind ausgebucht, die Wartelisten voll. Die Bereitschaft vieler Ehrenamtler sei zwar groß, Deutsch zu unterrichten. Es fehle allerdings an ergänzenden Angeboten in den späten Nachmittags- und Abendstunden.

Die Vertreter der Stadt, von Organisationen und Vereinen, die Geflüchteten Hilfen und Begleitung anbieten, bekräftigten noch einmal ihre Appelle, Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Die Vertreter der Stadt haben sich mit dem eindringlichen Aufruf an die Bürgerinnen und Bürger angeschlossen, sich zu melden, wenn sie Wohnraum zur Verfügung stellen, vermieten oder verkaufen möchten.

Angeregt wurde, ein Treffen und einen Austausch mit den Geflüchteten zu organisieren. Ein Termin für einen weiteren Austausch im Rathaus wurde noch nicht vereinbart. Die Runde steht allerdings per E-Mail in Kontakt.

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