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Zur Kommunion ein Handy

Netzwerk-Scouts erzählen Grundschülern von den Gefahren des Internets

Borghorst

Die Handy-Nutzer werden immer jünger. Darum wird es immer wichtiger, dass Kinder den richtigen Umgang mit den Smartphones lernen. Darum gibt es die Netzwerkscouts der Nordwalder KvG-Schule, die jetzt in der Borghorster Heinrich-Neuy-Grundschule von den Gefahren des Internets berichteten.

Von Axel Roll

Höhepunkt des Vormittags ist das Internet-Spiel Kahoot. Da kann vor Aufregung schon mal kurz die Maske verrutschen. Joana und Lukas haben zuvor über die Gefahren der einzelnen Plattformen berichtet (kl. Foto). Foto: Axel Roll

Die digitale Wirklichkeit der Erwachsenen ist in der Klasse 3b der Heinrich-Neuy-Grundschule längst angekommen. Lukas Isken fragt die acht- bis neunjährigen Schülerinnen und Schüler, wer denn schon alles ein Handy hat. Und gerade einmal drei von 19 Fingern bleiben unten. Der 14-jährige Schüler der Nordwalder Kardinal-von-Galen-Gesamtschule hat sich mit seiner Frage die Begründung selbst geliefert, ob der gemeinsame Vormittag in Borghorst denn Sinn macht. Lukas ist Netzwerk­scout, zusammen mit seiner 16-jährigen Mitschülerin Joana Lani erzählt er den Drittklässlern, warum es zum Beispiel so wichtig ist, nie, nie, nie, aber auch wirklich nie fremden Menschen, denen die Kinder im Internet begegnen, Namen, Adresse oder Telefonnummer zu geben. Selal, die schon länger ein Handy besitzt, fasst die Warnung der Großen zusammen: „Nur wenn du ihn in echt kennst, darfst du das.“

Für Schulleiterin Carola Michaelsen ist es schon lange keine Überraschung mehr, dass ihre Drittklässler wie selbstverständlich über WhatsApp, Tiktok oder Snapchat kommunizieren. „Früher bekamen die Schüler zum Wechsel auf die weiterführende Schule ein Handy, heute zur Kommunion“, weiß sie aus den Gesprächen mit den Eltern. Und darum komme diese Internet-Nachhilfe von Schüler zu Schüler jetzt gerade richtig. „Ich bin total froh, dass die KvG-Netzwerkscouts hier sind“, so Carola Michaelsen. In der vergangenen Woche waren die Viertklässler an der Reihe, in dieser die Klassen drei.

Mathe- und Informatiklehrer Markus Knopik betreut in der KvG-Schule mit einigen Kollegen das Netzwerkscout-Projekt, dass es dort schon an die zehn Jahre gibt. Die mit viel Praxis gewürzten Vorträge der geschulten Jugendlichen über die Gefahren des Internets gehören mit zum Konzept. Wichtiger Bestandteil: „Es macht einen riesen Unterschied, ob Lehrer oder Schüler vorne stehen und erzählen. Wenn es ums Handy geht, sind Schüler sehr viel glaubwürdiger.“ Das kann Klassenlehrerin Claudia Sube­lack nur bestätigen. Sie lacht. „Ich muss mir schon häufiger anhören, dass ich ja dieses oder jenes Spiel auf dem Handy gar nicht spielen kann.“

Markus Knopik beobachtet die digitale Entwicklung schon seit Jahren. Er ist über die Geschwindigkeit erstaunt, mit der der Handy-Boom und alles, was da so zugehört, um sich greift. „Vor drei Jahren wäre ein Smartphone für einen Drittklässler noch undenkbar gewesen.“

Schulleiterin Carola Michaelsen will in einem weiteren Schritt die Eltern für das Thema sensibilisieren. „Wenn die nicht mit eingebunden werden, hat das alles keinen Zweck.“ Ihnen komme eine wichtige Kontrollfunktion zu. Was die Kinder digital spielen und mit wem sie über die verschiedenen Plattformen Kontakt haben. Wie schwierig das sein kann, zeigt eine andere Umfrage von Lukas und Joana: Einige der Kinder spielen Spiele, für die sie definitiv noch viel zu jung sind.

Unbestrittener Höhepunkt des Vormittags ist Kahoot. Was das ist? Ein Wissensspiel, so ähnlich wie „Wer wird Millionär“, nur ohne Günther Jauch. Damit können die Jungen und Mädchen am Tablet überprüfen, was so alles von den Tipps von Lukas und Joana hängen geblieben ist. Wobei hängen jetzt ein gutes Stichwort ist. Das Internet im Klassenraum bleibt nämlich so oft hängen, dass längst nicht alle Schüler ihre Antworten anklicken können. Zumindest an dieser Stelle ist der technische Fortschritt in den Steinfurter Schulen offensichtlich hängen geblieben. . .

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