Kita-Gipfel zur Reform des NRW-Kinderbildungsgesetzes

Taugt das Kibiz für die Praxis?

Kreis Steinfurt

Der vom Landtagsabgeordneten Alexander Brockmeier initiierte Kita-Gipfel hat dem NRW-Landtag eine ganze Reihe von Anregungen aus dem Kreis Steinfurt geliefert, die grundlegende Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) in vielen Punkten noch mehr an der alltäglichen Praxis zu orientieren.

Dirk Drunkenmölle

Alexander Brockmeier (l.) und Andreas Bothe beim Kita-Gipfel für den Kreis Steinfurt in der Outlaw-Kita in Ochtrup. Foto: Drunkenmölle

Der vom Landtagsabgeordneten Alexander Brockmeier initiierte Kita-Gipfel hat dem NRW-Landtag eine ganze Reihe von Anregungen aus dem Kreis Steinfurt geliefert, die grundlegende Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) in vielen Punkten noch mehr an der alltäglichen Praxis zu orientieren. Der von der Landesregierung bereits verabschiedete Referentenentwurf wird am 30. September im Düsseldorfer Parlament erörtert. 1,3 Milliarden Euro an Landes-, kommunalen und Bundesmitteln sollen jährlich zusätzlich in die Kindertagesbetreuung investiert werden. Die Gesetzesnovelle soll zum Kindergartenjahr 2020/2021 in Kraft treten.

Neben einigen Verwaltungsmitarbeitern und Kommunalpolitikern waren überwiegend Vertreter der Träger, Leiter und Mitarbeiter verschiedenster Einrichtungen aus der Region der Einladung in die Outlaw-Kita nach Ochtrup gefolgt. Wie schon bei der Premiere des Gipfels vor einem Jahr in Rheine war auch Alexander Brockmeiers Parteikollege Andreas Bothe, Staatssekretär im NRW-Ministerium für Familie, Kinder und Jugend, gekommen, um im Vorfeld der von ihm erwarteten „Mega-Anhörung“ noch einmal zu erläutern, was die Kitas vor Ort erwartet.

Bothe machte deutlich, dass die veränderten Rahmenbedingungen Grundlage dafür seien, den Pakt für Kinder und Familien in NRW umzusetzen. Drei Schwerpunkte werden verfolgt: Knapp eine Milliarde Euro sollen dazu beitragen, die Qualität der Arbeit und Angebote zu verbessern. Das Geld soll unter anderem für mehr Fachkräfte, für mehr Flexibilität bei den Öffnungszeiten und für verbesserte Sprachförderung ausgegeben werden. Darüber hinaus wird garantiert, dass jeder benötige Kindergartenplatz auch bewilligt und gefördert wird. Dafür stehen jährlich mindestens 115 Millionen Euro zur Verfügung. Schließlich soll es ein weiteres beitragsfreies Kindergartenjahr geben. Ziel ist es, Familien mit kleinen Kindern spürbar zu entlasten. Der Einnahmeausfall von gut 200 Millionen Euro soll den Kommunen komplett erstattet werden. Darüber hinaus will das von Joachim Stamp (FDP) angeführte Ministerium eine Fachkräfteoffensive starten, um den Erzieherinnen- und Erzieherberuf attraktiver zu gestalten.

Mit den Zuhörern entwickelte sich im Anschluss eine lebhafte Diskussion. Grundsätzlich begrüßt wurde, dass die Kindertagespflege weiter professionalisiert und qualitativ weiterentwickelt werden soll. Was Bothe als „riesigen Kraftakt“ bezeichnete, war mancher Praktikerin allerdings lediglich „ein Tropfen auf den heißen Stein“. „Was unten ankommt, ist noch zu wenig“, lautete ein Vorwurf. Insbesondere wurde Kritik laut, als es um Ausbau und Modernisierung der Einrichtungen, um eine Aufstockung des Personalschlüssels, leistungsgerechte Entlohnung, Ausbildungsförderung und Bürokratieabbau ging. Ein besonderes Problem sei es, die Über-Mittag-Betreuung in den Einrichtungen zu managen. Da fehle es unter anderem an Räumen für Mensen. In vielen Dingen sei die Regierung zu weit weg vom Alltag in den Einrichtungen. Anderen Bundesländern sie die Kinderbetreuung noch viel mehr wert als NRW.

Am Ende waren die Zettel von Brockmeier und Bothe voll mit Notizen. Beide versprachen, die Anregungen mit in die weiteren Debatten zu nehmen. Sie sollen dazu dienen, dass vielleicht noch an der einen oder anderen Stellschraube gedreht werden kann.

Damit der Staatsminister weiß, was die Kitas täglich leisten, wurde Andreas Bothe eingeladen, noch einmal in den Kreis Steinfurt für ein Kindergarten-Praktikum zurückzukommen. Bothe zögerte, wollte sich aber zumindest überlegen, ob er dieses Angebot annimmt.

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