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35 Jahre Krokodiltheater

Die besonderen Facetten des Spiels

Tecklenburg

Gebannt verfolgten die vielen Besucher die Abenteuer des Landadeligen Don Quijote, der als Leser von Ritterromanen irgendwann zwischen Dichtung und Wahrheit nicht mehr unterscheiden kann und als stolzer Ritter in Begleitung des treuen Schildknappen Sancho Panza in die Welt zieht. Das Schattenfigurenstück war aus Anlass des 35-jährigen bestehens des Krokodiltheaters gezeigt worden.

Von Axel Engels

Spannend war für die Zuschauer ein Blick hinter die Kulissen des Schattentheaters Foto: Axel Engels

Die Gründer des Krokodiltheaters, Hendrikje Winter und Max Schaetzke, können mit ihrem grandiosen Jubiläumswochenende sicherlich zufrieden sein. Die beiden sympathischen Künstler studierten Figurentheater an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart und haben sich auf die Mittel des Figurenspiels spezialisiert. In der internationalen Theaterszene sind sie fest etabliert, und so haben befreundete Künstlerinnen und Künstler aus verschiedensten Theatersparten dieses 35-jährige Bestehen des Krokodiltheaters zu einem Theaterfest werden lassen.

Viele kleine und große Theaterfreunde erlebten Inszenierungen, die der eigenen Fantasie neue Wege eröffneten. Am Montag zeigte sich dieser innovative Zugang zu allseits bekannten Werken der Literatur ganz deutlich bei „Don Quijote“ mit Sabine Zinnecker und Dietmar Staskowiak vom Dorftheater Siemitz. Der Roman von Miguel de Cervantes ist seit seiner Veröffentlichung im Jahre 1605 auf vielen Theaterbühnen in unterschiedlichster Weise umgesetzt worden. Aber was die beiden Künstler vom Dorftheater Siemitz aus dem ehrwürdigen Stoff der Erzählung gemacht haben, ist wohl etwas Besonderes. Das Dorftheater liegt in einem ehemaligen Dorfgasthof im beschaulichen Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern, und dort haben die beiden Künstler genügend Muße gefunden, um ihrer Kreativität freien Lauf lassen zu können. Als Musiker konnte Dietmar Staskowiak in diesen „Don Quijote“ seine ganzen Talente einbringen, hat einfühlsame Lieder für die fesselnde Geschichte vom fahrenden Ritter komponiert und ihnen mit Akkordeon ein instrumentales Gewand verliehen.

Passendes Ambiente

Sabine Zinnecker ist nicht nur eine begnadete Puppenspielerin, sie wusste die Lieder mit ihrer warm timbrierten und ausdrucksstarken Stimme exquisit in den Handlungsablauf zu integrieren. Schattentheater ist ja ein intimes Ausdrucks- und Erzählmittel, und so passte diese Inszenierung zu dem Ambiente der Remise des Wasserschlosses Haus Mark.

Gebannt verfolgten die vielen Besucher die Abenteuer des Landadeligen Don Quijote, der als Leser von Ritterromanen irgendwann zwischen Dichtung und Wahrheit nicht mehr unterscheiden kann und als stolzer Ritter in Begleitung des treuen Schildknappen Sancho Panza in die Welt zieht. Aber Sabine Zinnecker und Dietmar Staskowiak beließen es nicht bei einer reinen „Nacherzählung“ der Dichtung. Da tauchten Räuber auf, die der Ritter aus dem Polizeigewahrsam befreite, und selbst ein Hubschrauber drehte im Schattenspiel am Himmel seine Kreise.

Den Widersprüchen der Persönlichkeit des Ritters von der traurigen Gestalt spürten sie mit Akribie und Feinsinn nach. So erlebte man den Kampf um Gerechtigkeit auf der Welt nicht nur als fesselndes Abenteuer eines Ritterromans. Die Aktualität ergab sich da auch durch den Kampf gegen „schlechte“ Könige, die das Vertrauen ihrer Untertanen ausnutzen. Gerade in der heutigen Zeit ist solch eine Auseinandersetzung wichtiger denn je, und bei dieser Don Quijote-Inszenierung wurde man zum Nachdenken animiert. Nach der Vorstellung konnte man sich noch Szenen am „Monoreflektor“ des Theaters Namlos anschauen und sich musikalisch von Sabine Zinnecker und Dietmar Staskowiak in einem kleinen Konzert verwöhnen lassen.

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