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Andreas Gorke und seine Kunst

Augenzwinkernder Perfektionist

Tecklenburg-Brochterbeck

Andreas Gorke sucht die Mitte zwischen Abstraktion und Gegenstand. Der Künstler hat sein Atelierhaus in Brochterbeck.

Von Brigitte Striehn

Andreas Gorke arbeitet derzeit in seinem Brochterbecker Atelierhaus an seinem Werk „Endless Print – Endless Story“. Foto:

„Das Brochterbecker Atelierhaus ist mein Refugium für großformatige Holzschnitte“, erzählt Andreas Gorke. An den Wänden und auf dem Fußboden hängen oder stehen Werke aus mehreren Jahren. In der Mitte zieht eine aktuelle Arbeit die Blicke auf sich. Der Lindenstamm von einem Meter Länge, 90 Zentimeter Durchmesser und 280 Kilogramm Gewicht soll sich in eine Druckwalze verwandeln. Einem Flugzeugmotor nicht unähnlich, liegt er auf einem Podest und wird von Gorke solange mit Werkzeugen bearbeitet, bis die Grundlagen für „Endless Print – Endless Story“ (Endlosdruck mit einer endlosen Geschichte) seinen Intentionen entsprechen. 22 001 Nagelstiche hat er für das Porträt von Mister Donald Trump in das Holz gehauen.

Andreas Gorke sucht die Mitte zwischen Abstraktion und Gegenstand und druckt klassisch monochrom, zumeist Schwarz auf Weiß. „Feinste dunkle Strukturen und reduziert gesetzte Lichtreflexe verkörpern auch Auflösung, Vergänglichkeit, vielleicht Unheimliches“, hat Martin Rehkopp, der ehemalige künstlerische Leiter des Klosters Bentlage in Rheine, die Grafiken charakterisiert. Für den zweiten Schwerpunkt seines Schaffens – Kunstvermittlung und Anfertigung von Druckgrafiken oder Pinseltuschzeichnungen – steht Gorke eine große Ausstellungsfläche in Saerbeck zur Verfügung. Dort hat er zudem Arbeitsplätze für Schüler eingerichtet, an denen sie außerhalb des Unterrichts schöpferisch tätig werden können.

Arbeitsplätze für Schüler

Im Rahmen des NRW-Programms „Kultur und Schule“ macht er sie seit Jahren mit Malerei und Grafik vertraut. Erwachsene erlernen in Workshops künstlerische Techniken oder verbessern bereits erworbene Kenntnisse. Eine der Wurzeln des freischaffenden Künstlers ist das Freihandzeichnen vor der Architektur. Während mehrerer Studienaufenthalte in Rom hat er diese klassische Technik perfektioniert. Seine größte Inspirationsquelle ist jedoch die Natur.

Um sein Wohnhaus und Atelier hat Andreas Gorke Tausende Bäume gepflanzt. Daraus ist im Laufe der Zeit ein Landschaftsgarten entstanden, der ihm viel bedeutet. „Wir plündern unseren Planeten“, ist er überzeugt und trägt seine politischen Ansichten mittels der Kunst in die Welt hinaus. Von Giovanni Battista Piranesi, einem italienischen Kupferstecher und Architekten des 18. Jahrhunderts, habe er den Blick auf die Erhabenheit der Natur übernommen, die ihn immer aufs Neue fasziniere, stellt er fest. Er betrachte die Politik und deren Umgang mit Natur und Wirtschaft kritisch, hebt Gorke hervor.

Menschen neugierig machen

Verbissenheit sei ihm fremd, allerdings beschreibt er sich als Perfektionisten. Er geht augenzwinkernd an die Arbeit und will die Menschen neugierig machen, damit sie seine Werke von Nahem betrachten und darin Unerwartetes entdecken. Was sie in seinen Bildern sehen, überlässt er deren Fantasie. „Papier ist sensibel, der Künstler muss den Dialog zwischen Farbe, Druckstock und Papier suchen, das Material verstehen“, erläutert er.

Neben seinem Hauptbetätigungsfeld, dem Holzschnitt, entstehen unter seinen Händen Zeichnungen, Installationen und Skulpturen.

Ein Leben ohne Kunst kann sich Gorke nicht vorstellen. In seinen Schubladen schlummern noch spannende neue Ideen.

Der aktuelle Zyklus „Verkapselt“ besteht aus übergroßen, fast realistischen Holzschnitten von Samenständen, bei denen sich der Künstler auf den Fotografen Karl Blossfeldt bezieht.

Zu seinen Auftraggebern zählen Privatpersonen und Firmen aus der Region, aber auch aus New York. Kunstinteressierte Besucher sind in seinem Atelierhaus in Brochterbeck gerne gesehen. Voraussetzung sind eine Anmeldung (

 0 54 55/262, E-Mail andreas.gorke@web.de) sowie derzeit noch die Einhaltung der 2G-Regel.

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