Tecklenburger Kostbarkeiten

Ausreißer überlebt mit spontanen Konzerten

Tecklenburg

Klaviermusik aus Ländern, die am Westfälischen Frieden beteiligt waren, präsentieren die Organisatoren der „Tecklenburger Kostbarkeiten“. Als Pianistin haben sie Professorin Nina Tichmann gewonnen.

Michael Baar

Die Pianistin Nina Tichmann spielt im Rahmen der Tecklenburger Kostbarkeiten im Rittersaal von Haus Marck. Dieses Bild entstand bei einem Auftritt im Rahmen der Schlosskonzerte Loburg. Foto: Biniossek

Dass ein Spanier in Paris eine große Komposition schreibt, ist sicherlich ungewöhnlich. Isaac Albéniz hat genau das getan, als er seine Iberia-Suite entwickelt hat, einen umfangreichen Zyklus für Klavier. Einen kleinen Einblick in dieses Mammut-Werk gibt das Stück „Evocación“, das bei den Tecklenburger Kostbarkeiten am Samstag, 5. Oktober, von Nina Tichmann gespielt wird.

Was an diesem Abend wohl nicht erwähnt wird: Seine Eltern haben den 1860 in Camprodon geborenen Sohn im Alter von vier Jahren das erste Konzert geben lassen – verkleidet als Musketier. So ist es in einer Internet-Enzyklopädie nachzulesen. Der Junge Isaac Albéniz war offenbar ein Ausreißer, der immer wieder von Zuhause fortlief und als blinder Passagier im Alter von zwölf Jahren nach Puerto Rico kam.

Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich mit spontanen Konzerten, bei denen er nicht nur mit seiner Fingerfertigkeit auf dem Klavier, sondern auch kleinen Kunststücken das Publikum begeisterte. Buenos Aires, Kuba, New York und San Francisco waren weitere Stationen, bevor er nach Europa zurückkehrte. Von 1902 bis zu seinem Tod sieben Jahre später lebte er in Paris und schuf dort den Klavierzyklus Iberia. Ihm wird zugute gehalten, den Rhythmus spanischer und andalusischer Musik mit anspruchsvollen Klaviersätzen zu vereinen.

Nina Tichmann, Professorin für Klavier an der Musikhochschule Köln, hat auch das weitere Programm für das Konzert im Rittersaal von Haus Marck ausgewählt. Was Isaac Albéniz, Poul Ruders, Claude Debussy, Leoš Janáček und Ludwig van Beethoven – Werke dieser Meister werden gespielt – gemeinsam haben? Es ist Musik aus Ländern, die am Schluss des Westfälischen Friedens 1648 beteiligt waren.

Die in New York geborene ‚Nina Tichmann hat sich als Pianistin einen Namen gemacht mit der zyklischen Aufführung des gesamten Klavierwerks von Claude Debussy in Frankfurt am Main und in New York. Diese Interpretationen wurde aufgenommen und festigten den Ruf der 70-Jährigen als „die Debussy-Spielerin unserer Zeit“, wie es in der Ankündigung zu den Tecklenburger Kostbarkeiten heißt.

Musikalisch – Kulinarisch – Literarisch

Friedenskonzert, 18 Uhr, evangelische Stadtkirche:Jens Zumbült (Tenor), Matthias Reuland (Violine) und Ulrike Lausberg (Orgel) singen und spielen Werke von Heinrich Schütz, Georg Friedrich Händel und Ludwig van Beethoven.Abendimbiss, 19.30 Uhr, Remise Haus Marck.Klavierabend, 20.45 Uhr, Rittersaal Haus Marck: Konzert mit Musik und Lesung; Ausführende: Nina Tichmann (Klavier) und Norbert Witzke (Lesung).Karten: 25 Euro inklusive Abendimbiss, Vorverkauf und Bestellungen bis zum 30. September bei der Tecklenburg Touristik ( 0 54 82/93 89-0, E-Mail info@tecklenburg-touristik.de), Markt 7 in Tecklenburg.

Ob Busoni, Mendelssohn oder Casagrande – die Preisträgerin internationaler Klavier-Wettbewerbe ist in den musikalischen Zentren der Welt auf allen fünf Kontinenten aufgetreten. Gradu­iert hat sie an der Juilliard School. Dort hat sie für „herausragende musikalische Leistungen“ den Eduard-Steuermann-Preis verliehen bekommen. Seit 2016 ist sie Leiterin der Andernacher Musiktage auf Burg Namedy. Dieses exklusive dreitägige Festival zeichnet sich durch innovatives Programm mit abwechslungsreichen kammermusikalischen Besetzungen aus, heißt es in der Ankündigung.

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