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Michael Hell gastiert mit Georg Kroneis in der Brochterbecker Dorfkirche

Barockes und eine Erstaufführung

Tecklenburg-Brochterbeck

Ein Konzert mit Musik angesiedelt in der Barockzeit und im 21. Jahrhundert hat am Freitagabend die Zuhörer in der evangelischen Dorfkirche von Tecklenburg-Brochterbeck entzückt. Pfarrerin Ulrike Wortmann-Rotthoff begrüßte dazu die Musiker Michael Hell und Georg Kroneis sowie als Sprecher Thomas Höft. Das Programm wurde für das Festival „Kloster-Klaenge“ des Landes geschaffen.

Von Brigitte Striehnund

Michael Hell (Cembalo), Thomas Höft (Sprecher) und Georg Kroneis (Viola da Gamba, von links) gestalteten in Brochterbeck ein Konzert zwischen Barock und Gegenwart. Foto: Brigitte Striehn

Ein Konzert mit Musik angesiedelt in der Barockzeit und im 21. Jahrhundert hat am Freitagabend die Zuhörer in der evangelischen Dorfkirche von Tecklenburg-Brochterbeck entzückt. Pfarrerin Ulrike Wortmann-Rotthoff begrüßte dazu die Musiker Michael Hell und Georg Kroneis sowie als Sprecher Thomas Höft. „Die hochkarätige Besetzung haben wir dem Umstand zu verdanken, dass Michael Hell als Sohn des Pfarrerehepaares Christian und Helga Hell in Brochterbeck aufgewachsen ist und ein besonderes Verhältnis zu diesem Raum hat“, erklärte die Pfarrerin.

Das musikalische Programm wurde im Auftrag des Vereins „Originalklang“ für  das Festival „Kloster- Klaenge“ des Landes Nordrhein-Westfalen geschaffen. Zwei Sonaten des Barockkomponisten Johann Kuhnau (1660 bis 1722) korrespondierten mit der Aufführung eines Stückes der jungen österreichischen Komponistin Flora Geißelbrecht. „Selbst Menschen, die über keine Bibel-Kenntnisse verfügen, kennen die Geschichte von David und Goliath“, war sich Pfarrerin Wortmann-Rotthoff sicher.

Da Kuhnau nicht nur Musiker und Thomaskantor, sondern zudem ein bekannter Schriftsteller seiner Zeit war, versah er seine Partituren mit erläuternden Texten. Thomas Höft trug zunächst die Einführung zu Kuhnaus erster Sonate mit dem Titel „Der Streit zwischen David und Goliath“ aus der „Musicalischen Vorstellung einiger biblischer Historien“ ausdrucksvoll in Stimme, Gestik und Mimik vor. Die barocke Sprache griff Michael Hell in bezaubernder Weise mit seinem Cembalo auf. Ein Amsterdamer Künstler hat ihm das wunderschöne Instrument gebaut. Es brachte mit filigranen Tönen sowohl Dramatik, Schauder und Melancholie wie auch Szenen ausgelassener Fröhlichkeit hervor.

Die erste Sonate illustriert das Trotzen des Goliaths ebenso wie den von David geschleuderten Stein, der den Riesen am Ende tötet. So deutet Kuhnau das alttestamentarische Geschehen. Die acht Sequenzen enden mit „in lauter Tanzen und Springen sich äußernder Freude“ der Hebräer. Anfängliche Furcht, wütender Kampf, Siegestaumel, heillose Flucht und ausgelassener Frohsinn wurden in faszinierende Klänge ungesetzt.

Der zweite Teil des Konzertes katapultierte die Zuhörer von der Barockzeit unmittelbar ins Jahr 2021. „Flora Geißelbrecht komponiert Gegenwartsmusik für Instrumente, die ihre besten Zeiten eigentlich hinter sich haben“, stellte Sprecher Thomas Höft fest. Als deutsche Erstaufführung spielte der österreichische Musiker, Schauspieler und Performancekünstler Georg Kroneis auf der Viola da Gamba das Stück „Ephemeral – The Origin of Mind“ zu dem er selbst den Text geschrieben hatte. Seine dunkle, expressive Stimme zog das Publikum in ihren Bann und regte dazu an, sich mit dem „Ursprung des Bewusstseins“, Wissen, Glauben und Erfahrungen auseinanderzusetzen.

In der zweiten Sonate von Johann Kuhnau „Der von David vermittelst der Music curierte Saul“ konnten die Zuhörer verfolgen, wie König Saul durch „Davids erquickendes Harffen-Spiel“ zur Ruhe kam. Das Ensemble verabschiedete sich mit dem geistlichen Abendlied „Nun ruhen alle Wälder“ von Paul Gerhardt aus Brochterbeck und freute sich über langen Applaus.

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