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Ältestes Tecklenburger Höfeverzeichnis vor 555 Jahren angelegt

Bauern zahlen für die Einigung

Tecklenburger Land

Das Pech der Bauern anno 1468 ist das Glück des heutigen Orts- und Familiengeschichtsforschers. Denn dank der damaligen Vorfälle und Familienstreitigkeiten gibt es eine interessante Höfeliste.

Von Dr. Christof Spannhoff

Foto: Sammlung Spannhoff

In der Mitte des 15. Jahrhunderts herrschte auf der Burg Tecklenburg alles andere als eitel Sonnenschein: Graf Nikolaus III. von Tecklenburg hatte sich 1450 zusammen mit der Ritterschaft gegen seinen Vater Otto verbündet. Graf Otto habe angeblich die Ritter und Untertanen der Grafschaft Tecklenburg schwer bedrängt und mit hohen Steuern belegt.

Mit seinem Vorgehen habe er viele seiner Untertanen aus dem Land getrieben, ihnen ihr Hab und Gut genommen. Dadurch sei die Grafschaft verwüstet sowie große Not über Land und Leute gebracht worden, so die Vorwürfe. Deshalb wandte sich nun sein Sohn Nikolaus III. zusammen mit Rittern und Untertanen gegen den Vater und brachte die Herrschaft in der Grafschaft mit Gewalt an sich. Die Beteiligten setzten kurzerhand den Altgrafen Otto gefangen.

Entmachtung des Vaters

Diese Entmachtung des Vaters durch den Sohn war aber nicht das erste Ereignis seiner Art in der Familie: Bereits Nikolaus‘ III. Großvater, Nikolaus II. von Tecklenburg, hatte 1387/88 die Burg Tecklenburg erobert, seinen Vater, der ebenfalls Otto hieß, entmachtet und anschließend eingekerkert. Und auch Nikolaus III. selbst sollte es wenige Jahrzehnte nicht anders ergehen, als er 1493 von seinem gleichnamigen Sohn überfallen, aus dem Bett geholt und ins Verließ geworfen wurde.

Das Bündnis des Junggrafen mit der Ritterschaft gegen den Vater im Jahr 1450 brachten Nikolaus III. später den Beinamen der „Quade“, also der ‚Böse‘, ein. Mit seinem Bruder, der wie der Vater ebenfalls Otto hieß, einigte er sich allerdings gütlich über die Herrschaft in der Grafschaft. 1468 wurde ein Abfindungsvertrag aufgesetzt, durch den Nikolaus III. die Regierungsgewalt allein ausüben konnte. Sein Bruder, der in Osnabrück und wohl spätestens ab 1510 in Iburg lebte, erhielt für seinen Verzicht auf die Mitherrschaft eine finanzielle Entschädigung. Diese wurde mit Abgaben bestimmter Bauern aus Ladbergen, Lengerich und Lienen bestritten.

Abgaben zu leisten

Deren damaliges Pech ist das Glück des heutigen Orts- und Familiengeschichtsforschers: Denn welcher Landmann welche Abgaben zu leisten hatte, wurde in einem Register genau aufgezeichnet. Roggen, Gerste und Hafer, Rinder, aber auch Geldzahlungen mussten entrichtet werden. Dieses Verzeichnis von 1468, das sich im Fürstlichen Archiv in Rheda befindet, ist die älteste überlieferte Höfeliste für das südliche Tecklenburger Land und bietet somit für viele Höfe und Familien der Region die erste schriftliche Erwähnung überhaupt. Weil das bisher nur bruchstück- und fehlerhaft veröffentlichte Register in diesem Jahr (2023) 555 Jahre alt wird, sollen die darin genannten Namen hier aufgelistet werden. Einige Abgabenpflichtige werden im Verzeichnis mehrmals, allerdings mit verschiedenen Namensformen genannt. Wenige Namen hingegen existieren heute gar nicht mehr oder lassen sich nicht zuordnen:

Ladbergen: de Schulte, Rickerman, Walman, Struue (Strüwe), Wibbeldinckman/Arndt to Wybbeldinck/Lambert Wibbeler (Wibbeler), Herman Tellechkotte (Telgmann), Verleman, Loman (Lohmann), Codenhorst (Kohnhorst), Edinckman (Ehmann), Johan Groteholt (Grotholtmann), Engelbert to Holte (Heitkamp), Vlederman (Fleddermann), Budde, Snetkamp, Holtkamp.

Lengerich: de Hergemolner/Horgemolner (Hergemöller), Bolle to Honen, de Schulte to Oldendorpe (Schulte zu Aldrup), Oueressch (Averesch), Maneke, Herman Hassinckman (Hassmann), Johan Lodelfinck (Löllmann), Strotman to Wechte, Stopenhorst (Stapenhorst), Hollenberch, Telleman (Tellmann), Diderickesman (Diersmann), Ludeke Strepeheyde, Johan Ludeman van den Rosenbussche (Rosenbusch), Worpenberch, Oslage, Gunneman, Lambert Soist (Soest), Geselbrach/Geselbert/Geselbracht to Honen, de Schulte to Beigerinck (Schultebeyring), Berndinckman (Berlemann), Lambert to Setlo (Johan to Settel), Grotehus to Setlo (Grothaus), Cort to Setlo (Korspeter), Vpman (Upmann), Stockdick, Hindrik Arndynck (Arelmann), Strotman (Strothmann/Ringel), Johan Rogge, Hunseke to Ryngell (Hunsche), Droechtelman Johan (Drochelmann), Lambert Smitte/Smytte to Ringell (Schmitte), Erpenbeke, Meyneke Frawin, Gert Honnynck/Gert Hermynck, Gert Strode vor der Harke, Stille to Ringell, Doueke to Ringell (Dawecke), Herman Smed/de Smet to Lengerke, de Schulte Burdewick, Kümper, Swide to Ringell (Schwie), de Twent (Twente), de Greuemolner, de Schulte van Honen, Prygge, Wilden Kotten, de Schomakerssche, Willem Hoitbussch.

Lienen: Tigmann (Tiemann), Wyttinckman (Wittmann), Schouwenborch (Schomberg), de Ouerdalmeiger (Oberdalhoff), Myddendorp to Holtorpperdorpe (Mindrup), Stenegewecht (Steinigeweg), de Neddalmeiger (Niederdalhoff), Tepe (Teepe), Ostendorp (Austrup), Westerman, Kibbynck (Kibbe), Ipershoff (Ibershoff), Horstebrok (Hörstebrock), Brynckman to Holtorpperdorpe (Brinkmann), Wechman (Wegmann), Ludeke to Rolefynck (Rohlmann), Ludeke Kryge (Kriege), Kruceman to Holtorpperdorpe (Kützmann), Oldendorp to Lynen (Aldrup), Lyndeke/Lyndeman to Westerbeke (Lieneke), Euert to Holthusen (Holthaus), de Holtgreue (Holtmeier), Happe Nyeman (Niemann), Reyninckman (Reimann), Dothagen, Bruninckman (Brünemann), Merten (Mertens), Tekenbrock, de Borger (Börger), de Suuerke to Lynen (Süerker), Herman Wille/de Willessche (Wille), Heneke Smed, Herman Bruninck (Schümer).

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