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Bischof Felix Genn besucht christliche Arche-Gemeinschaft in Tecklenburg

Berührt von der Einfachheit

Tecklenburg

Bischof Dr. Felix Genn hat die Arche-Gemeinschaft besucht und sich vor Ort ein Bild gemacht. Er zeigte sich tief beeindruckt vom Miteinander in den Gruppen.

wn

Hans-Martin Lagemann (links) hatte die Idee der Arche 1986 nach Tecklenburg geholt. Er begrüßte den Besuch aus Münster an der Apfelallee. Elisabeth, Bewohnerin der Arche am Bodelschwinghweg in Tecklenburg, berichtete Bischof Felix Genn von ihrer Arbeit in den Ledder Werkstätten. . Foto: Gudrun Niewöhner Bisch. Pressestl

Dass sie ausnahmsweise mal nicht am Abendgebet teilnehmen kann, tut Elisabeth wirklich leid. „Aber ich muss zur Theatergruppe. Wir grillen heute Abend“, erklärt sie ihr Fernbleiben und hofft auf Verständnis bei ihrem Tischnachbarn. Münsters Bischof Dr. Felix Genn lacht, nickt und gießt der jungen Frau einen Kaffee ein. Elisabeth hat dem besonderen Gast eine Menge zu erzählen: Früher wohnte sie in Greven. Seit einigen Jahren aber ist die Arche ihr Zuhause.

An drei Standorten in Tecklenburg leben Menschen mit und ohne Behinderung in dieser christlichen Gemeinschaft zusammen. „Ich bin stolz, dass es die Arche in unserem Bistum gibt“, freute sich der Bischof bei seinem Besuch und zeigte sich tief beeindruckt vom Miteinander in den Gruppen. Begleitet wurde er von Martin Merkens, Leiter des Referates Seelsorge für Menschen mit Behinderungen im Bistum Münster.

1964 in Frankreich von dem Kanadier Jean Vanier gegründet, gehören heute rund 150 Gemeinschaften in 38 Ländern zur Arche. Insgesamt leben in diesen Gemeinschaften mehr als 3000 Menschen mit geistigen Behinderungen. In Deutschland gibt es Gemeinschaften in Tecklenburg, Ravensburg und Landsberg/Lech. Bischof Genn, dem die Arche aus früheren Begegnungen bereits vertraut war, hörte zu, fragte nach und zeigte sich immer wieder berührt von so viel Engagement, Herzlichkeit und Spontanität.

Elisabeth Fischer, die mit ihrem Mann im Jahr 2000 aus Berlin nach Tecklenburg gekommen ist, um in der Arche mitzuarbeiten, fasste zusammen, was die Arche für sie ausmacht: „Hier lernt man, nicht vollkommen und perfekt sein zu müssen.“ Sie habe „ihr Herz an die Einfachheit der Arche“ verloren und ergänzte: „Wir diskutieren nicht über theologische Inhalte, sondern leben und feiern unseren Glauben, so dass alle ihn verstehen.“

Die Bewohner, sofern sie nicht schon im Rentenalter sind, arbeiten tagsüber in den Ledder Werkstätten. Deren ehemaliger Leiter, der evangelische Diakon Hans-Martin Lagemann, hatte die Arche 1986 nach Tecklenburg geholt. „Ich war einfach von der Idee dieser Gemeinschaft begeistert“, schaute er zurück auf die Anfänge.

„Das Leben bei uns ist manchmal ganz schön wiggelig.“ Die Tecklenburger Gemeinschaftsverantwortliche Gertrud Nicola gab dem Bischof einen Einblick in den Alltag der Einrichtung, die vom Landschaftsverband Westfalen-Lippw (LWL) finanziert und durch Spenden mitgetragen wird. Die Assistenten, so werden Betreuer in der Arche genannt, leisten außerdem einen hohen ehrenamtlichen Anteil.

Der Besuch von Bischof Genn war nicht nur zum Kennenlernen gedacht. Das Arche-Gemeinschaftshaus in Tecklenburg soll barrierefrei umgebaut und brandschutztechnisch saniert werden. Um diese Maßnahme zu finanzieren, findet die Spendenwanderung vom 1. bis zum 14. September zugunsten der Tecklenburger Einrichtung statt. Gleichzeitig ist Tecklenburg auch Ziel der Wanderung, die über 300 Kilometer von Hamburg aus durch die Lüneburger Heide führt. Dafür hat Bischof Genn die Schirmherrschaft übernommen.

Jan-Thilo Klimisch, Fund-raiser der Arche in Deutschland und Österreich, dankte dem Gast aus Münster dafür. Er bat den Bischof, den Pilgerstab für die Spendenaktion zu segnen – und sich als Erster auf dem Stab namentlich zu verewigen.

Als Schirmherr wünschte der Bischof sich, dass alle, die sich auf den Weg machen, gesund ans Ziel kommen: „Und dabei natürlich auch einiges an Geld gesammelt wird.“

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