1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Tecklenburg
  6. >
  7. Dankbarkeit ist der beste Lohn

  8. >

Christian Besser hilft im Ahrtal

Dankbarkeit ist der beste Lohn

Tecklenburg

Die Lage vor Ort ist immer noch schlimm, doch es gibt auch bewegende Momente. Christian Besser hat im Ahrtal geholfen und hilft auch weiter.

Von Ruth Jacobus

Christian Besser vor seinem „Einsatzfahrzeug“, das er ins Ahrtal mitnehmen durfte, um dort zu helfen und dafür gut ausgerüstet zu sein. Foto: Ruth Jacobus

„Ich konnte nicht einfach da sitzen“, sagt Christian Besser. Nachdem er in seinem Urlaub die Berichte über die Flutkatastrophe gesehen hatte, wollte er helfen, machte sich kundig, fand Adressen und Telefonnummern, knüpfte Kontakte und ist vor zwei Wochen losgefahren. Vier Tage lang war er im Einsatz. Doch das reichte ihm nicht, weil im Ahrtal überall noch helfende Hände gebraucht wurden. Am vergangenen Wochenende war er erneut da und wird auch diesen Samstag wieder Richtung Ahr starten.

Mit einem voll ausgestatteten Werkzeugwagen ist der Tecklenburger losgefahren. Das hat ihm sein Chef ermöglicht. Besser ist Schweißer bei der Firma Fehling, und die wiederum gestattete ihm, den Wagen mitzunehmen. Begleitet wurde er vom Auszubildenden Steffen Heider. Die Urlaubstage bekommen die beiden übrigens erstattet.

„Es war einfach alles zerstört“

Angesteuert wurde ein Helfercamp, von dem aus Handwerker als freiwillige Helfer ausgeschwärmt sind. Überall war Dreck und Müll, roch es modrig nach Schlamm und nach Öl, berichtet der 35-Jährige von seinem ersten Eindruck. „Es war einfach alles zerstört.“ Er sah die Auswirkungen des reißenden Wassers, zu dem selbst kleine Bäche geworden waren, Häuser, in denen das Wasser selbst im ersten Stock bis zur Decke gestanden hat, Wälder, die voll lagen mit angeschwemmtem Abfall, Straßenabschnitte, die einfach weggespült worden sind.

Die Arbeit sei da, aber es sei auch alles unkoordiniert, so sein Eindruck. Also machte er sich immer wieder auf den Weg und fragte nach, wo Hilfe benötigt würde. Christian Besser packte mit an. Ob Putz von Wänden gestemmt werden oder verwüstete Gärten aufgeräumt werden mussten, ob es galt, zerstörte Wohnwagen oder Leitplanken auseinanderzuschneiden, Fußböden zu entfernen oder Brandschutztüren in einer Schule – es gab viel zu tun.

Christian Besser

„Die Leute sind so dankbar, so etwas erlebt man zu Hause nicht“, sagt Christian Besser. Ihm ist anzumerken, dass es ihm nahe geht.

Spenden und Tränen

Da war die ältere Frau, die ihm eine Kiste Bier geschenkt hat, oder die Familie mit drei Kindern, der er 200 Euro in die Hand gedrückt hat. Da flossen dann auch schon einmal die Tränen. Der Familienvater habe ihn zum Grillen eingeladen, wenn wieder alles fertig sei. „Ein Augenblick ist bewegender als der andere“, blickt Besser zurück. Spenden hat er bei seinem zweiten Einsatz mehrere verteilt, das Geld kam von der Firma Beermann.

Als er zum ersten Mal nach Hause zurückkehrte, kam in ihm der Gedanke auf, „dass wir hier alles haben und die Menschen dort nicht“. Selbst so einfache Dinge wie Wasser aus dem Wasserhahn und funktionierendes Licht. „Deshalb bin ich noch einmal hingefahren“, nennt er seinen Beweggrund. Und am kommenden Wochenende dann wieder. Ob er dann erst einmal eine Pause einlegt? Vermutlich. Die ganze Woche über Arbeiten und dann am Wochenende im Hilfseinsatz, das zerrt an den Kräften. Was ihm bleibt, sind die bewegenden Momente und das Gemeinschaftsgefühl der Helfer. Christian Besser hofft, dass er Nachahmer findet.

Eingeteilt werden die Helfer in Ringen im Haribo-Innovationspark. Unter dem Stichwort Ahrweiler gibt es auf Facebook die Möglichkeit, sich kundig zu machen.

Startseite