Ledder Dorfkirche soll saniert werden

Das Mauerwerk bröckelt

Tecklenburg-Ledde

Die Außenhaut der Ledder Dorfkirche und ihr sogenannter Turmhelm bedürfen der Sanierung. Alles muss fachgerecht und vor allem mit historisch korrektem Material repariert werden.

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Klappt alles mit der beantragten Bezuschussung, kann 2022 mit der Renovierung der Ledder Dorfkirche begonnen werden. Geplant sind zwei Bauabschnitte. Foto: Jörg Birgoleit

Hohlräume an Teilen der Fassade. Wasser, das in bröckelnde Fugen kriecht. Zentnerschwere Steinquader, deren Oberflächen mit jedem Winter mehr abschuppen. Hinzu kommt maroder, aufgequollener Schiefer am Turm. Der Sandstein aus dem Teuto, aus Ibbenbüren und den Baumbergen hat gelitten und auch die Turmeindeckung ist abgängig. Die Außenhaut der Ledder Dorfkirche und ihr sogenannter Turmhelm bedürfen der Sanierung.

Pfarrerin Ulrike Wortmann-Rotthoff und das Presbyterium wissen das seit langem. Aber die evangelische Kirchengemeinde Tecklenburg ist klein und so eine Renovierung – nach den vielen Erhaltungsmaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte für die insgesamt vier denkmalgeschützten Kirchen – eine richtig große Nummer. Sollte es 2022 losgehen, so wäre das ein denkwürdiges Datum. Denn dann liegt es genau 150 Jahre zurück, dass man das Dach des Kirchenschiffs mit walisischem Schiefer neu eindeckte.

Pfarrerin Ulrike Wortmann-Rotthoff

Ulrike Wortmann-Rotthoff meint: „Viele wissen gar nicht, was sie hier für ein Schätzchen haben.“ In der Tat atmet ausnahmslos alles an diesem Sakralbau Historie. Der als Fluchtturm ausgebildete Turm zum Beispiel, dessen imposante Wandstärke man im Übergang zum Kirchenschiff gut abmessen kann. Wohl 1,50 Meter seien das, schätzt Michael Wegers, der hier 14 Jahre lang Baukirchmeister war und heute in der Liegenschaftsabteilung des Kreiskirchenamtes in Münster tätig ist.

Vom walisischen Schiefer habe man bei einer Begehung einen gar nicht so kleinen Rest entdeckt, der jetzt zum Ausbessern verwendet werden könne, sagt der Ledderaner. Aber der Turm, der müsse komplett neu eingedeckt werden, kündigt Dachdeckermeister Ulrich Lutter an. Als vereidigter Sachverständiger für Schieferarbeiten weiß der Sauerländer, wovon er redet.

Dachdeckermeister Ulrich Lutter

Mit der Ware aus Wales hat es eine besondere Bewandtnis: Die nahmen Handelsschiffe im 19. Jahrhundert als Ballast im Rumpf mit zurück auf den Kontinent. Weil die Briten das Material in Rechteckform schnitten, bekam die Ledder Kirche – wie viele nordwestdeutsche Kirchen – eine Englische Deckung, und die wird auch noch einige Jahrzehnte halten. Da ist sich Lutter sicher. Die Eindeckung des Turms schätzt er auf gut 60 Jahre. Aber die habe man nicht fachgerecht ausgeführt, sodass der westfälische, spanische und Moselschiefer in schlechtem Zustand seien.

Und das Mauerwerk? Restaurator und Steinmetz Ludger Wennemer aus Münster spricht im Gutachten von schlechten Zementfugen, Rissen im Gestein und Hohlstellen dahinter. Alles müsse fachgerecht und vor allem mit historisch korrektem Material repariert werden. Ein Beispiel: Der noch bis vor wenigen Jahrzehnten in bester Absicht aufgebrachte zementgebundene Putz ist zwar hochfest, aber nicht wasserdurchlässig – zum Schaden der umgebenden Sandsteine.

Wenn die Steine erzählen könnten

Wenn diese Steine erzählen könnten! Zum Chorraum, der 2002 nachweislich 500 Jahre existierte, fertigte Brigitte Jahnke einen kleinen Abriss für die damals erschienene Festschrift an. 1502 aber sei der Fluchtturm bereits über 300 Jahre alt gewesen, so die Tecklenburger Historikerin. 1988, beim Einbau der neuen Heizung, habe man bei Grabungen im Kirchenschiff weitere interessante Dinge entdeckt. So etwa, dass es eine erste, sehr frühe Kirche oder Kapelle aus Holz gegeben haben müsse. Mehrfach muss es auch gebrannt haben, was man bis heute an der Rotfärbung einiger Sandsteine erkennt.

In den 1960er Jahren wurden mit Pfarrer Hermann Höhn Gestühl und Orgel erneuert und die Malereien im Chor freigelegt. Eines hat sich über alle Zeiten nicht geändert: Der Kirchengemeinde fällt es auch heute nicht leicht, den Bau zu erhalten. Deshalb hofft sie auf viele Unterstützerinnen und Unterstützer.

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