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Ökumenische Sternsingeraktion

Den Segen gibt‘s auf dem Wochenmarkt

Tecklenburg

An dieser Segensstation kam niemand vorbei. Kaplan Ernst Willenbrink hatte auf dem Wochenmarkt einen Stand aufgebaut – als kleine Alternative zur üblichen Sternsingeraktion. Die Besucher nutzten die Chance gerne, sich den Segen und eine Aufkleber zu holen.

-jac-

Kaplan Ernst Willenbrink (rechts) hat am Dienstag auf dem Wochenmarkt Aufkleber und Segenswünsche der Sternsinger verteilt. Foto: Ruth Jacobus

Seine Stimme schallt über den Wochenmarkt. „Guten Morgen, darf ich Ihnen einen Segensaufkleber der Sternsinger mitgeben?“ Darf er bei fast allen, die auf dem Weg sind, Gemüse oder Fisch zu kaufen. Kaplan Ernst Willenbrink hat alles, was er braucht, auf einem Stehtisch ausgebreitet: Aufkleber, Flyer und Spendendosen stehen dort ebenso wie eine überdimensionale Plastikdose voller Süßigkeiten. „Die habe ich heute morgen im Matthias-Claudius-Haus bekommen“, freut er sich. Die Leckereien sind nicht nur für die Sternsinger bestimmt, sondern auch für die Menschen, die sich den Segen auf dem Wochenmarkt abholen.

Kaplan Ernst Willenbrink

Die ökumenische Sternsingeraktion läuft erneut anders als sonst. Corona-bedingt können die Mädchen und Jungen nicht von Haus zu Haus ziehen und an den Türen klingeln. Deshalb hat man sich etwas anderes überlegt. Zwar werden die Kinder am Donnerstag und Freitag unterwegs sein, um entsprechende Aufkleber und Wünsche in die Briefkästen zu werfen. Vorher jedoch sind die „Hauptamtlichen“ Mitarbeiter der Kirche gefordert, so Willenbrink. Die Kinder sollen ihre Ferien gerade in diesen Zeiten ruhig noch genießen.

Und da er selbst lieber unterwegs ist und mit den Menschen spricht, statt im Büro zu sitzen, hat sich Willenbrink bereits am Sonntag auf den Weg gemacht. Quasi als „Solo-Sternsinger“ hat in dreieinhalb Stunden 350 Segenswünsche in den Häusern verteilt, am Montag kamen noch einmal 250 hinzu. „Das macht mir Spaß. Mich bereichert das“, sagt der Kaplan – und man sieht ihm an, dass das stimmt. Man komme locker mit den Menschen ins Gespräch. Die Seelsorge ist ihm ein wichtiges Anliegen. Er nimmt sich bewusst viel Zeit für die Gemeinde und möchte der „hörende Kaplan“ sein, die Menschen mit ihren Anliegen und Sorgen ernst nehmen.

Der hörende Kaplan

Doch in den Gesprächen am Dienstag auf dem Wochenmarkt geht es auch um ganz andere Dinge. Dankbarkeit zum Beispiel. Da ist die Frau, die zuvor im Nahkauf einkaufen war und dem Kaplan ein Glas Marmelade, ein Tütchen mit Plätzchen und einen Topf mit Narzissen auf den Tisch stellt. „Jetzt wird auch einmal der Pfarrer verwöhnt“, sagt sie und entschwindet, ohne ein großes Dankeschön zu erwarten. Oder der Mann, der gezielt den Tisch ansteuert, den Aufkleber und die Segenswünsche entgegennimmt, Geld spendet und Willenbrink ein mit Süßigkeiten gefülltes Tütchen in die Hand drückt. „Ich dachte, die Sternsinger wären hier“, vermisst er die Kinder am Stand. Doch er ist voller Verständnis dafür, dass die Jungen und Mädchen ihre Ferien noch genießen sollen, wie Willenbrink ihm erklärt.

Man kommt halt ins Gespräch. Auch mit den beiden Damen – Mutter und Tochter – die sich Backfisch geholt haben, um ihn gleich vor Ort zu essen. Aber wo? Der Sternsinger-Stehtisch bietet sich dafür an. Der Kaplan hat nichts dagegen.

Stillstand gibt es nicht. Viele Kunden sind auf dem Markt unterwegs, und alle werden angesprochen. Auch wenn der eine oder andere kaum reagiert – der größte Teil lässt sich vom freundlichen, gutgelaunten Rufen des Kaplans anlocken.

Am Freitag wird er wieder vor Ort sein, von 16 bis 18 Uhr die Aktion vor dem Nahkauf-Markt wiederholen. Dann hofft er, dass viele aus dem Urlaub wieder zurück sind, einkaufen gehen – und sich den Segen holen.

Sternsingergottesdienst in Tecklenburg ist am Donnerstag, 6. Januar, um 16.30 Uhr in St. Michael sowie am Samstag, 8. Januar, um 17.30 Uhr in Leeden im Zelt neben der Kirche St. Hedwig.

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