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Förster Dr. Georg Berkemeier 

Der Wald der Zukunft - den Wandel als Chance begreifen

Tecklenburg

In Gedanken hat Förster Dr. Georg Berkemeier schon ein ziemlich genaues Bild davon, wie es in einigen Jahrzehnten im Teuto aussehen könnte – und sollte. Monokulturen dürften demnach verschwinden, allein schon um das Risiko für die Waldbesitzer zu streuen. Berkemeier begreift diese Situation durchaus als Chance – für mehr Vielfalt und für naturnäher gestaltete Wälder.

Von Paul Meyer zu Brickwedde

Dr. Georg Berkemeier erklärt, wie der Mensch im Zusammenspiel mit der Natur einen zukunftsfähigen Wald schaffen kann. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Dr. Georg Berkemeier weiß, welcher Platz bestens geeignet ist, um einem Laien die Komplexität des Themas Aufforstung anschaulich darzustellen. Er hat einen Hang südlich der Grafenstraße zwischen Tecklenburg und Leeden gewählt. Kaum geht es in den Wald, zeigt er schon auf große braune Pflanzen am Wegesrand. Wenn es um die Zukunft des Waldes im Teuto in Zeiten von Klimawandel und Borkenkäferplage geht, dann spiele der Adlerfarn eine beachtliche Rolle, sagt der Förster.

Tecklenburg und Ibbenbüren sind sein Zuständigkeitsbereich. 3000 Hektar Wald, rund 300 davon sind oder waren Fichtengebiet. Etwa ein Drittel ist nach dem Befall durch den Borkenkäfer bereits verschwunden, schätzt Berkemeier. Der Rest werde über kurz oder lang folgen. „Wir gehen davon aus, dass wir die Fichte unterhalb von 400 Metern komplett verlieren.“

Dabei sei Scolytinae, so der lateinischer Name der Tierchen, weniger die Ursache für diese Entwicklung, sondern eher der Profiteur. Einer gesunden Fichte könne das Tier eigentlich nichts anhaben, betont Berkemeier. Doch die trockenen Sommer hätten die Bäume stark geschwächt – mit den bekannten Folgen.

Somit hat der Käfer letztendlich nur eine Entwicklung stark beschleunigt, die ohnehin im Gange ist: Der Klimawandel wandelt die Wälder. „Wir haben eine Standortdrift Richtung Eiche“, sagt der Förster. Und er stellt fest, dass Monokulturen verschwinden werden – allein schon um das Risiko für die Waldbesitzer zu streuen. Berkemeier begreift diese Situation durchaus als Chance – für mehr Vielfalt und für naturnäher gestaltete Wälder.

Und wie sieht die Zukunft anderer Baumarten aus? Die Buche siedelt Berkemeier in Bezug auf die Widerstandsfähigkeit in Sachen Klimawandel zwischen Eiche und Fichte ein. Ihre Zukunft werde vor allem in feuchten Tälern und Senken liegen. Am besten, so seine Prognose, werde die Kiefer mit zunehmender Trockenheit klarkommen. Werde die allerdings im Teutoburger Wald zu einem prägenden Baum, „dann hat unsere Klimapolitik völlig versagt“.

Soll es mit dem „neuen Wald“ etwas werden, muss der Mensch massiv helfen. Das stellt Berkemeier klipp und klar fest – und ist wieder beim Adlerfarn. Der wird über zwei Meter und „verdämmt die Verjüngung des Waldes“, wie es im Fachjargon heißt. Sprich junge Bäume haben keine Chance, wenn der Farn sich breit macht. Also müsse die Pflanze zurückgedrängt werden.

Gleiches gelte für das Reh- und Damwild. „Die Jäger werden in den kommenden Jahren eine Menge zu tun bekommen“, prognostiziert der Förster. Zudem müssten Bereiche eingezäunt werden, um die Tiere beispielsweise von jungen Europäischen Weißtannen fernzuhalten. „Die Bäume hätten sonst kein Chance bei uns.“

Dass es manchmal aber auch ohne das Zutun von Waldbauern und Förster klappen kann, ist vor Ort ebenfalls zu sehen: Der Fachmann zeigt auf ein paar Lärchen. „Natürliche Verjüngung“, erklärt Berkemeier sichtlich zufrieden.

Verlierer der Entwicklung wird indes nicht allein die Fichte sein. Auch im Tierreich dürfte sich nach Einschätzung des Försters einiges verändern. Die Waldameise sei oft in Fichtenwäldern zu finden, fehlen die, „haben wir weniger Waldameisen. Und davon ist wiederum der Schwarzspecht betroffen.“ Denn auf dessen Speisezettel stehen die kleinen Krabbler ganz oben.

Welche Bäume künftig wo wachsen, bespricht Berkemeier mit den Waldbesitzern individuell. Schließlich gehe es um deren Flächen und Einkommen. Klar sei aber, dass Fördergelder des Staates nur unter bestimmten Voraussetzungen fließen. Und da heiße die wesentliche Maßgabe, grob umrissen, Laubmischwald durchsetzt mit einzelnen Nadelhölzern.

Eine zentrale Zielsetzung beim Umbau des Waldes, die Berkemeier auch immer vor Augen hat, ist die Artenvielfalt. Bislang sei im Lebensraum Wald das Aussterben von Tierarten kaum zu beobachten. Das müsse so bleiben. „Vielleicht können wir ja sogar noch eine Schippe drauflegen“, sagt er mit Blick auf ein Förderprogramm, das Waldbauern unterstützt, die alte Bäume aus der Nutzung herausnehmen und so im besten Fall Raum für Tiere schaffen, die sehr selten sind. Berkemeier kommt auf den Eremiten zu sprechen. Ein Käfer, „der tief im Wald versteckt haust“ und solches Biotopholz liebe.

Es ist offenkundig, in Gedanken hat Georg Berkemeier schon ein ziemlich genaues Bild davon, wie es in einigen Jahrzehnten im Teuto aussehen könnte und sollte.

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