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Gastronomie-Pläne für den alten Bahnhof

Denkmalschutz als Hürde

Tecklenburg

In den alten Bahnhof soll Gastronomie einziehen. Dabei soll der Charme des Gebäudes erhalten werden. Wenn es unter Denkmalschutz gestellt würde, könnte das mit Auflagen verbunden sein, die die Nachnutzung erschweren.

Ruth Jacobus

In den alten Bahnhof soll wieder Leben kommen und Gastronomie einziehen. Foto: Ruth Jacobus

Der alte Bahnhof sieht etwas traurig aus, dabei könnte er ein Schmuckstück sein. Und das soll er auch werden, wenn es nach dem Willen von Michaela und Oliver Tiedemann geht. Sie haben ihn 2016 gekauft und wollen dort ein gastronomisches Angebot einrichten. Nachdem die Pläne mit der Rodelbahn gescheitert sind, war zunächst Ruhe eingekehrt. Und auch die Corona-Pandemie war Zukunftsplänen bislang nicht gerade zuträglich. Wenn jetzt auch noch hinzukäme, dass der alte Bahnhof unter Denkmalschutz gestellt würde, wäre es noch schwieriger, in dem Gebäude Gastronomie anzusiedeln. Genau um dieses Thema ging es in der jüngsten Sitzung des Planungs-, Bau- und Stadtentwicklungsausschusses.

Um es vorweg zu nehmen: Die Kommunalpolitiker verzichten zunächst darauf, eine mögliche Denkmalwürdigkeit seitens des LWL-Denkmalamtes prüfen zu lassen. Diese Entscheidung fiel bei drei Gegenstimmen. Allerdings kann nicht nur die Stadt solch eine Überprüfung beantragen, auch das Bürgerbündnis oder das Aktionsbündnis pro TWE könnten das. Beide hatten sich im Vorfeld dafür ausgesprochen.

Michaela Tiedemann

Michaela und Oliver Tiedemann warben im Ausschuss um Vertrauen. „Wir haben großes Interesse, den Charme des alten Bahnhofs zu erhalten“, versicherte Michaela Tiedemann. Man habe bereits mit möglichen Betreibern eines gastronomischen Betriebes gesprochen. Eine Realisierung des Vorhabens könnte schwierig werden durch eine Unterschutzstellung des Gebäudes, fügte Oliver Tiedemann hinzu.

Im vorderen Teil des Gebäudes wolle man eventuell einen Wintergarten einrichten, wie es ihn bereits früher dort gegeben habe. Aus wirtschaftlichen Gründen wolle man den Gastraum vergrößern. Eine moderne Küche und Toilettenräume einzurichten, könnte schwierig werden, wenn das Gebäude unter Schutz stehe. Für den ehemaligen Güterschuppen können sich die Tiedemanns eine Ausstellungsfläche für Künstler vorstellen. Und im Obergeschoss des Hauptgebäudes könnte der künftige Betreiber der Gastronomie wohnen. Er würde sich freuen, wenn nicht eine zusätzliche Hürde für die Pläne geschaffen würde, so Tiedemann.

Bürgermeister Stefan Streit erläuterte dem Ausschuss, dass es nach einer Änderung des Landesbaurechts zwar unbürokratischer möglich sei, solch ein Gebäude abzureißen, aber: „Das steht nicht im Raum, es geht um eine gastronomische Nutzung“. Hinzu komme, dass der Bahnhof für die Lappwaldbahn als Haltestelle eine wichtige Rolle spiele.

Welche Probleme der Denkmalschutz bereiten kann, davon berichtete Bernd Pieper, Leiter des Fachbereichs Planen, Bauen und Umwelt. Er nannte als Beispiel das unter Schutz stehende Kulturhaus. Dort gebe es Stahlfenster, die man nicht öffnen könne, und die stünden unter Schutz. Beim alten Bahnhof könnte es sein, dass zum Beispiel eine Einfachverglasung vorgeschrieben werde, „was mit einer gastronomischen Nutzung in keinster Weise verträglich ist“. Theoretisch könnte das Gebäude zwar abgerissen werden, aber „wir können jederzeit eingreifen“, versicherte der Fachmann.

Die große Mehrheit des Ausschusses und auch die Stadtverwaltung schenkten dem Ehepaar Tiedemann ihr Vertrauen – in der Hoffnung auf eine baldige Belebung des alten Gebäudes.

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