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Brochterbeck ist seit 35 Jahren „Staatlich anerkannter Erholungsort“

Der lange Weg zum ersehnten Titel

Tecklenburg-Brochterbeck

Seit 35 Jahren ist Brochterbeck „staatlich anerkannter Erholungsort“. Der Weg dahin war lang.

Von Ruth Jacobusund

Die Gegend rund um den „staatlich anerkannten Erholungsort“ Brochterbeck ist ein Wanderparadies. Foto: Tecklenburg Touristik

„Brochterbeck schläft nicht“, so lautete der Titel eines Zeitungsberichtes vor 35 Jahren. Und er gilt auch heute, wahrscheinlich noch viel mehr als 1986. Neue Wohngebiete am Ortsrand und Neubauten im Dorfkern sind seitdem entstanden. Die Moorstraße ist saniert, und bald entsteht ein neuer Raiffeisen-Edeka-Markt. Die Einwohnerzahlen steigen. Aber auch die Touristen, vor allem Wanderfreunde, haben das malerisch gelegene Brochterbeck für sich entdeckt, das sich „Staatlich anerkannter Erholungsort“ nennen darf.

Es gibt nicht nur ein Vier-Sterne-Hotel, sondern auch Pensionen und zahlreiche Ferienwohnungen. Viele Besitzer vermieten sie direkt, sechs Vermieter nutzen das Buchungssystem der Tecklenburg Touristik, wie es dort auf Anfrage hieß. Und wer sich im Internet auf die Suche macht, findet viele Adressen. Die Infrastruktur des Ortes passt, Urlauber fühlen sich wohl. Um eben sie verstärkt anzulocken, hat man sich bereits vor Jahrzehnten um den Titel „Erholungsort“ bemüht. Nach Lienen war Brochterbeck damals die zweite Gemeinde im Regierungsbezirk Münster, die dieses staatliche Prädikat erhielt.

Zweite Gemeinde im Regierungsbezirk

Der Weg dorthin war weit. Bereits 1978 hatten die Bemühungen der Stadt Tecklenburg begonnen, um den Titel für Brochterbeck zu bekommen. Erste Überlegungen hatte es sogar bereits Ende der 1960er Jahre gegeben. Über den Grund berichtete 1986 diese Zeitung: „Die Erwerbsgrundlagen von Brochterbeck waren in der jüngeren Geschichte vornehmlich die Landwirtschaft, das Handwerk und Arbeitsplätze im benachbarten Ibbenbürener Steinkohlenbergbau. Doch bald stellte sich die Alternative, am zunehmenden Wachstum von Gewerbe und Industrie teilzunehmen oder auf den wachsenden Freizeit- und Erholungsbereich zu setzen“.

Wettbewerb der Kommunen

Im Wettbewerb der Kommunen um Industrie und Gewerbe wurden Brochterbeck allerdings schlechte Chancen eingeräumt. Ganz anders beim Fremdenverkehr. Hier sah man Vorteile durch die schöne Landschaft und die Topografie.

Das hatte bereits anno 1913 Pfarrer Stapenhorst so gesehen, der damals festhielt: „Die reizende Lage Brochterbecks zwischen Berg und Tal, die schönen Wanderungen auf seinen Höhenrücken, die zahlreichen malerischen Felspartien locken Naturfreunde oft aus weiter Ferne an. Seit einigen Jahren haben sich noch ständige Sommergäste in stetig wachsender Zahl hinzugesellt, die in der reinen Luft Erholung suchen. Zu begrüßen ist der Verdienst, der so dem Eingesessenen entstanden ist.“

Pfarrer Stapenhorst

Ein Blick zurück in die Zeit der späten 1960er Jahre: Damals gab es pro Jahr rund 13 000 Übernachtungen von Gästen. 100 Betten standen damals zur Verfügung. Und die Preise? Eine Übernachtung in einer Privatpension kostete 3,50 Mark, für ein Frühstück waren weitere 2,50 Mark zu zahlen. Heute liegt die Bettenzahl deutlich höher. Und statt 3,50 Mark kostet eine Übernachtung 35 Euro.

Bevor Brochterbeck „staatlich anerkannter Erholungsort“ wurde, galt es, Voraussetzungen zu erfüllen. So wurde 1978 das „Haus des Gastes“ eröffnet und am Mühlenteich eine „Touristinformationsstelle“ mit einem nebenamtlichen Mitarbeiter eingerichtet.

Am 21. Oktober 1986 kam schließlich Regierungspräsident Erwin Schleberger nach Brochterbeck, überreichte die begehrte Ernennungsurkunde – und bezeichnete das Dorf, das ein Jahr zuvor zum schönsten Dorf im Kreis Steinfurt gekrönt worden war, als einen „Fremdenverkehrs-Knüller“.

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