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Familie Howe im Dschungel von Ecuador

Die große Farbenpracht der Natur

Tecklenburg

Mit dem Kanu im Dschungel von Ecuador unterwegs, das ist ein Abenteuer, das man nie vergisst. Familie Howe hat es erlebt und berichtet darüber.

Leise paddelnd geht es auf einem Flussarm des Amazonas durch den Dschungel. Die Blicke von Mateo gleiten immer wieder in die Baumkronen, denn dort spielt sich der größte Teil des Tierlebens ab. Foto: Carlos Howe

Die Länder der Welt erkunden, einmal aus den geregelten Bahnen des Lebens ausbrechen – diesen Traum erfüllt sich Familie Howe. Carlos, Tanja und ihr Sohn Mateo sind auf Weltreise und berichtet in regelmäßigen Abständen von ihren Erlebnissen. In Ecuador waren sie unter anderem im Dschungel unterwegs.

Nach mehreren Stunden Fahrt in motorisierten Kanus über die weit verzweigten Flussarme im Amazonastiefbecken erreichen wir endlich unsere Bleibe für die nächsten Tage. Einfache Holzhäuschen inmitten von dichtem Regenwald, umgeben von Affen, Schlangen, Vögeln und allerlei anderen wilden Tieren, deren Geräuschpegel sich in der Nacht zwar grundlegend ändert, aber nie abzunehmen scheint.

Die Provinz Sucumbíos ist die nördlichste des im Osten des Landes gelegenen Amazonastieflandes und grenzt im Norden an Kolumbien, im Osten an Peru, im Süden an die Provinzen Orellana und Napo und im Westen an Pichincha, Imbaburg und Carchi. Sucumbíos ist damit die einzige ecuadorianische Provinz, die an zwei andere Staaten grenzt.

Häuschen aus Bambus

Die Häuschen aus Bambus sind minimalistisch, aber sehr stilvoll eingerichtet, besitzen statt Fenstern aus Glas schlichtes Netz und bieten all das, was der abenteuerlustige Besucher benötigt, um seinen Grundbedürfnissen nachkommen zu können. WLAN gehört selbstredend nicht dazu. Generell ist es mit dem Empfang jeglicher Art im Dschungel weit her; es gibt schlichtweg keinen. Für den Notfall existiert ein Satellitentelefon von anno dazumal, mit dem Hilfe geholt werden kann. Ob diese dann noch rechtzeitig ankommt, wenn man einmal der falschen Schlange über den Weg gelaufen ist, darf wohl bezweifelt werden.

Trotzdem sind wir viel zu fasziniert von den vielen wilden Tieren, die sich immer wieder im umgebenden Dschungel zeigen, und den so fremden Geräuschen, die damit einhergehen.

Die Tage im Dschungel sind übrigens – man glaubt es kaum – beinahe minutiös und ganz nach deutscher Gründlichkeit durchgeplant. So auch der heutige Erste: Nach einer kurzen Verschnaufpause und einem gemeinsamen Essen geht es mit einem kleinen Holzboot zum Sonnenuntergang raus über die Flussarme in eine Lagune.

Motoren gibt es derweil schon wegen der störenden Geräuschkulisse keine, gefragt ist die eigene Muskelkraft, die uns langsam aber stetig über die Flussarme in Richtung Lagune zieht. Dabei wird schnell klar: Es stinkt. Ein übelriechender Dunst steigt plötzlich auf, während wir friedlich auf dem Fluss mitten in der grünen Lunge des Regenwaldes daherpaddeln. Hunderte Kilometer weit gibt es keine Industrie, keine Abgase. Aber es duftet so, dass sich die Nase am liebsten schließen würde. Sofort werden wir auf einen hühnergroßen Vogel aufmerksam gemacht, der unter dem dichten Blätterwerk hockt und uns aus seinen roten Augen empört anglotzt. Der Mief kommt von diesem Vogel, einem Hoatzin, auch Zigeunerhuhn oder Stinkvogel genannt, den es nur im Amazonasbecken gibt und mit Turakos oder Kuckucken verwandt ist. Staunen im Amazonas.

Einmalige Atmosphäre

Die ganze Atmosphäre ist einmalig. Der alles umgebende Dschungel mit seinen unterschiedlichsten Grüntönen versinkt immer mehr in Dunkelheit vor einem Himmel, der sich mehr und mehr in Rot- und Orange-Tönen einfärbt und faszinierende Spiegelungen auf dem Wasser hinterlässt.

Darauf ist es derweil totenstill, während es drumherum zirpt, krächzt, summt, sirrt und pfeift. Es lässt sich nur vermuten, welche Tiere sich bei der einbrechenden Dunkelheit durch das Unterholz schlagen, um sich das nächste Abendessen zu sichern.

Unsere Blicke gleiten währenddessen immer wieder nach oben in die Baumkronen, schließlich spielen sich ganze zwei Drittel des Tierlebens genau hier ab. Auch wenn wir leise paddelnd an riesengroßen Anakondas vorbeigleiten, die müde in den im Fluss versunkenen Baumkronen hängen und große, farbenprächtige Boas beobachten, die anmutig über die Äste gleiten.

Sterne am Firmament

Nach und nach zeigen sich dann auch die Sterne am Firmament. Als wir die Lagune erreichen, ist der Himmel übersät mit Milliarden von Sternen. Dazu die vollendete Dunkelheit und der Geräuschpegel aus den umliegenden Bäumen – all das werden wir in diesem Leben sicher nicht mehr vergessen.

Das ganze Gebiet Cuyabeno, welches heute gleichzeitig in verschiedene Territorien für fünf indigene Völker südamerikanischer Indianer eingeteilt ist, umfasst insgesamt 595.950 Hektar und ist damit mehr als doppelt so groß wie der Staat Luxemburg. Das gesamte Ausmaß der hiesigen Tier- und Pflanzenwelt lässt sich nicht einmal erahnen, regelmäßig werden neue Spezies entdeckt. Über 560 Vogelarten, 60 Orchideenarten und 350 Fischarten sind hier zu Hause.

Wer die Abenteuer von Familie Howe in Lateinamerika und anderswo begleiten möchte, kann das auf ihrem Instagram-Kanal unter CaptainsandSon sowie auf ihrem gleichnamigen YouTube-Kanal.

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