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Altes Foto für die Sammlung der „Kaltblut- und Kutschenfreunde“

Die letzte Fahrt des Postillons

­Tecklenburg

Ein altes Bild erinnert an die letzte Fahrt des Tecklenburger Postillons Friedrich Plate. Dessen Tochter hat es dem Verein „Freunde der Kaltblut und Kutschenfreunde“ zur Verfügung gestellt.

Ruth Jacobus

Friedrich Plate

Das waren noch Zeiten, als der Landbriefträger mit der Postkutsche unterwegs war. Die letzte „Pferdepost“ fuhr vor 90 Jahren von Tecklenburg nach Ledde. Eine Erinnerung daran, ein altes Foto, hat jetzt der Verein der „Kaltblut- und Kutschenfreunde Tecklenburg“ geschenkt bekommen – und zwar von der Tochter des damaligen Postillons. Sie war durch den Bericht über die Kutschfahrten, der am Montag in dieser Zeitung erschienen ist, auf den Verein aufmerksam geworden. Das Foto zeigt den letzten Tecklenburger Postillion und sein Pferd Anfang der 1930er Jahre.

Friedrich Plate hieß der Landbriefträger. Dessen Tochter übergab dem ersten Vorsitzenden des Vereins mit Sitz auf Haus Hülshoff das Bild, das ihren Vater bei seiner letzten Fahrt auf der Pagenstraße zwischen Tecklenburg und Ledde zeigt. Hans-Jörg Siepert freute sich sehr über diesen seltenen bildlichen Schatz.

Die Tätigkeit als Landbriefträger war damals sehr begehrt. Zwar musste der Postler allein für den Unterhalt des Pferdes aufkommen, er konnte aber auf seinem Wagen auch Fahrgäste mitnehmen und das Fahrgeld dafür selbst aushandeln. Also ein durchaus schöner Job, findet Hans-Jörg Siepert.

Dienstanleitung für die Pflege der Pferde aus dem Jahr 1915

Mit der damals bei der Post gepflegten preußischen Gründlichkeit gab es übrigens im Jahr 1915 eine „Dienstanweisung zur Wartung und Pflege der Landbriefträgerpferde“, berichtet Siepert. Darin steht unter anderem: „Unterbeamte, denen es schwer fällt, auf die Natur und Eigenheiten des Pferdes einzugehen, sollten sich zur Übernahme von Landpostfahrten nicht melden. Beim Umgang mit dem Pferd ist Ruhe und Vorsicht geboten. Um es zutraulich zu machen, sollte man öfters mit ihm sprechen, ihm auf den Hals klopfen und mit der Hand über den Rücken streichen. Spielereien und Neckereien sind zu unterlassen, sonst gewöhnt sich das Pferd das Beißen und Schlagen an. Muß man im Stall beim Putzen, Schirren und dergleichen an das Pferd herantreten, soll man es vorher anrufen, damit es nicht erschrickt oder ausschlägt. Gewarnt wird vor dem gedankenlosen Gebrauch der Peitsche oder Zügel.“

Hans-Jörg Siepert würde sich freuen, weitere Informationen zu bekommen, um das Foto genauer datieren zu können. Zu erreichen ist er unter  01 71/68 09 193.

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