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Spannende Krimi-Lesung

Die Zerbrechlichkeit der heilen Welt

Tecklenburg

Helga Streffing braucht keine großen Gesten oder Effekte, ihr geheimnisvoller Tatort kommt ganz ohne solche Zutaten aus. Blutrünstig geht es nicht zu in ihrem Münsterland-Krimi, aus dem sie im Kulturhaus las.

wn

Wilhelm Kienemann und Margarete Howe-Kienemann Foto: Axel Engels

Münsterland-Krimis gibt es mittlerweile an jeder Ecke zu kaufen. Die richtig guten Werke unter ihnen muss man allerdings etwas länger suchen. Dabei stößt man unwillkürlich auf den Namen Helga Streffing. Sie war am Montagabend in das Foyer des Kulturhauses gekommen, um den interessierten Besuchern ihren neuen Roman „Tod im Kloster-Internat“ vorzustellen.

Am gut sortierten Büchertisch der Buchhandlung Howe (gemeinsam mit der Bücherei Organisator des Abends) konnte man sich im Vorfeld ihrer Lesung erst einmal über das breite Angebot an lokal inspirierten Büchern informieren, erfuhr von Helga Streffing sehr viel Hintergrundinformationen über die Entstehung ihrer mittlerweile sehr erfolgreichen zwei Romane.

Dann ging es natürlich in die Welt des imaginären Kloster-Internates, das bei der detaillierten Beschreibung und dem jederzeit spürbaren Alltagsbezug in seiner Art wohl überall im Münsterland angesiedelt sein könnte. Helga Streffing ist als Lehrerin in dem bischöflichen Berufskolleg Rheine und als Schulseelsorgerin geradezu prädestiniert, einen mit Akribie und Feinsinn geschriebenen Einblick „hinter die Klostermauern“ zu geben.

Die Zuhörer erlebten bei ihrer Kapitel-Auswahl ganz direkt, wie zerbrechlich die heile Welt, wie klein der Schritt zwischen Alltag und hintergründiger Gewalt sein kann. Wenn sich eine Schülerin im St. Anna-Heim umbringt, ist dieser Vorfall eben nicht ein normales Alltagsereignis. Helga Streffing brauchte bei ihrer Rezitation keine großen Gesten oder Effekte, ihr geheimnisvoller Tatort kam ganz ohne solche Zutaten aus. Blutrünstig ging es nicht zu, eher hintergründig mit einem jederzeit spürbaren Drang zur ganz genauen Schilderung der Charaktere und Umstände. Zyankali zeigte sich da nicht als Stoff zum Träumen, jedenfalls nicht in der Kaffeetasse der Ordensfrau.

Wenn die sympathische und leicht chaotische Schulpsychologin Hannah Schmielink bei ihren Ermittlungen immer tiefer in die Materie eindringt, dann vermutete man bei den beruflichen Tätigkeitsfeldern von Helga Streffing fast autobiografische Züge in diesem Roman. Die in sich verwobenen Handlungsabläufe wurden hautnah erlebbar, gingen die Zuhörer bereitwillig mit der Autorin immer tiefer in diese unbekannte Klosterwelt. Ihr natürlicher Umgang mit Sprache faszinierte, ihr tiefer Blick hinter die Kulissen in die seelischen Abgründe der eigentlich ganz normal erscheinenden Menschen schuf eine knisternde Atmosphäre.

Wer nun wen ermordet hat und warum verriet Helga Streffing ihren Zuhörern nicht, aber sie machte neugierig und animierte sicherlich zum Lesen ihrer Bücher.

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