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Familie Howe und ihre Abenteuer in Ecuador

Drohnen-Crash am Quilotoa

Tecklenburg

Atemberaubend schön ist die Laguna Quilotoa, die in einem Krater liegt. Bei dem Anblick kann man schon einmal vergessen, dass eine Drohne nicht endlos fliegen kann, um Aufnahmen zu machen. Davon berichtet Carlos Howe.

Von und

Der Anblick der Laguna Quilotoa hatte etwas Unwirkliches, Magisches an sich und beeindruckte Carlos Howe auf Anhieb. Foto: Carlos Howe

Die Länder der Welt erkunden, einmal aus den geregelten Bahnen des Lebens ausbrechen – diesen Traum erfüllt sich Familie Howe. Sie ist auf Weltreise und berichtet in regelmäßigen Abständen von ihren Erlebnissen – dieses Mal aus Ecuador:

Die erste Nacht in Latacunga war eigentlich viel zu kurz, um am darauffolgenden Tag den nicht weit entfernten Quilotoa zu besuchen. Nicht weit entfernt heißt in Ecuador allerdings nicht viel; auch wenn der Vulkan nur circa 75 Kilometer außerhalb der Stadt liegt, benötigte unser Gefährt nahezu knapp drei Stunden für diese verhältnismäßig kurze Strecke. Mit diesem Wissen zog es mich dann gegen 11 Uhr – und damit mal wieder viel zu spät – vor die Tür. Das gute Wetter schien ebenfalls noch nicht bereit, die Wolken hingen tief und der Himmel bestand aus reinem Grau.

Also rein ins Auto und so schnell wie es geht durch das Verkehrschaos. In Latacunga scheint es übrigens mehr Autos als Menschen zu geben. Kreuz und quer schob sich die Blechkarawane mit ordentlichem Getöse durch die Straßen der Stadt. Eine halbe Stunden später befand ich mich am Stadtrand. Die Landschaft änderte sich schlagartig; das Häusermeer verschwand im Rückspiegel und machte Platz für eine Berglandschaft, die auf den ersten Blick für unser Gefährt nahezu unbezwingbar schien.

4000 Höhenmeter

Für die nächsten Stunden ging es nun bergauf. Und wie schon in den letzten Wochen bekam man von der Landschaft und dem Drumherum richtig was mit, tuckerte ich doch mit oftmals nicht mehr als 30km/h die Straße hinauf. Derweil zeigte mein Handy das überschreiten der 4000 Höhenmeter an. Auch wenn ich davon physisch nicht viel merkte, hatte die Tatsache, dass ich in dieser Höhe unterwegs war, doch irgendwas Beklemmendes. Die Landschaft indes wurde immer eindrucksvoller. Immer mit einem Auge auf der schmalen Straße, freute sich das andere Auge über majestätische Vulkane, deren schneebedeckte, von Wolken umhüllte Gipfel majestätisch in der Ferne aufragten. Dazu ein nahezu violettes Licht, das die Ferne in einen fast schleierhaften Dunst tauchte. Direkt neben mir ein großes Bergmassiv, durch das sich die schmale Straße schlängelte. Ganz allein war ich nicht; neben kleineren Lastwagen, deren Fahrer in halsbrecherischen Aktionen nicht selten direkt in der Kurve zum Überholen ansetzten, schoben sich auch vereinzelt ältere Frauen mit traditioneller Kleidung und nicht selten einem Lama im Schlepptau den schmalen Streifen zwischen Straße und Fels entlang.

Halsbrecherische Aktionen

Nach knapp drei Stunden kam ich an. Eine kleine Ansammlung von Häuschen und Lädchen markierte den Eingang zum Dorf – von dem Krater war bisher aber noch nichts zu sehen. Kurzerhand stellte ich das Gefährt auf einen der Parkplätze ab, schnappte mir meinen Rucksack mit Kamera und Drohne und machte mich auf den Weg nach oben.

Der Wind blies hier oben richtig. Und es war kalt, richtig kalt. Ohne lange Hose, Pulli, Jacke und Mütze wäre es mehr als nur ungemütlich. Derweil schnaufte ich wie eine alte Dampflok den Berg hoch, machte sich doch die Höhe jetzt – per pedes und bergauf – so richtig bemerkbar.

Der Weg nach oben ist nicht lang. Wenig später erreichte ich den Abhang - und es raubte mir sprichwörtlich den Atem. Direkt vor mir lag die Laguna de Quilotoa inmitten des Kraters. Die Ausmaße waren einfach unbeschreiblich, und verschiedenste Blautöne funkelten in der Sonne, die sich ab und an aus den nahen Wolken hervor schälte. Der ganze Anblick hatte etwas Unwirkliches, Magisches an sich und beeindruckte mich auf Anhieb.

Ein Blick auf die Uhr ließ erkennen, was ich längst befürchtete: Die Zeit rannte mir davon. In Windeseile packte ich Drohne und Kamera aus und machte die ersten Fotos mit der Kamera. Auch die Drohne war schnell aufgebaut, angeschlossen und schaute mich direkt nach Start stark wackelnd aus wenigen Metern Höhe an, so als wollte sie noch sagen ´Pass hier bloß auf, was du mit mir tust´. Egal, in blindem Aktionismus ging es steil nach oben und direkt in Richtung Lagune.

Piepton der Drohne

Die ersten Fotos und Videos machte ich in etwa 150 Metern Höhe. Dann ging es um den Krater rum. Die Ausmaße sind groß und dass das sirrende Teilchen dort oben die gleiche Strecke auch wieder zurückfliegen musste, kam mir gerade nicht in den Sinn. Viel zu sehr war ich damit beschäftigt, an den Einstellungen herumzuspielen und möglichst alle Momente irgendwie einzufangen. So bekam ich dann wohl auch nur unterbewusst mit, dass ständig irgendein Piepton ertönte.

Irgendwann dann machte es auch bei mir ´Klick` und ein Blick auf die Ladekapazität verriet, dass das mit dem Zurückholen wohl eine ganz knappe Nummer wird. Wenn überhaupt. Also zog ich den Steuerknüppel schnell zu mir und sah gerade noch, wie sich das kleine Teilchen – noch immer einige Meter von mir entfernt – von oben nach unten verabschiedete.

Total aufgelöst beugte ich mich über den Abhang und versuchte, die Drohne zu orten. Nur mit Hilfe der Kamera, die weiterhin ihr bestes tat und irgendeinen Busch aus nächster Nähe filmte, sowie mit den Positionsleuchten, konnte ich, Minuten später, das teure Teil ausfindig machen.

Zwischenzeitlich hatten meine Flugkünste auch die Aufmerksamkeit anderer erregt. Und so versammelte sich schnell ein kleines Grüppchen hilfswilliger Helferlein um mich herum, um mich bei der Rettung zu unterstützen. Schnell wurde von irgendwoher ein Seil organisiert, das sich im nächsten Augenblick um die Hüfte eines jungen Ecuadorianers legte, der sich dann zielstrebig und mitfühlend lächelnd den Abhang runterbaumeln ließ. Nach einer bangen halben Stunde hielt ich die fliegende Kamera dann wieder glücklich in der Hand. Einige Kratzer zeugen heute noch von Abenteuern im Einsatz und haben der Funktionalität – Gott sei Dank – keinen Abbruch getan.

Glimpfliches Ende

Mittlerweile waberten die Wolkenmassen über den Krater und auch der Himmel kündigte die nahende Dämmerung an. Froh, dass ich mit sämtlichen Geräten vollständig ins Auto steigen konnte, war mir auch die hereinziehende Dunkelheit völlig egal. Schnell ging es in durch die Berge in Richtung Stadt und auch wenn es derweil dunkler und dunkler wurde, war es doch gerade dieses Licht, welches für eine ganz besondere Stimmung sorgte.

Nach knapp vier Stunden kam ich in unserem Hostel an, gespannt darauf, den beiden anderen meine Geschichte zu erzählen und froh darüber, dass alles noch glimpflich sein Ende gefunden hat.

Am nächsten Morgen – die Sonne schien schon früh in unser Zimmer – hörten wir schon von Weitem Sprechgesänge und Lautsprecherdurchsagen. Dass wir uns nur Stunden später im Zentrum einer großen Demonstration in Latacunga wiederfinden, hätten wir da auch nicht gedacht. Darüber wird im nächsten Teil der Reisekolumne berichtet.

Wer Familie Howe und deren Abenteuern in der Welt folgen möchte, kann das auch auf dem YouTube-Account Captainsandson sowie auf dem gleichnamigen Instagram-Account.

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