1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Tecklenburg
  6. >
  7. Ein beharrlicher Reformprozess

  8. >

Vorträge über die „Doppelrevolution“

Ein beharrlicher Reformprozess

Tecklenburg

Die politische Revolution und die wirtschaftlichen Verhältnisse waren Themen eines Vortragsabends des Geschichts- und Heimatvereins.

Rund 40 Zuhörer verfolgten im evangelischen Gemeindehaus die beiden Vorträge zur „Doppelrevolution“ im Kreis Tecklenburg. Foto: GHV

Rund 40 Zuhörer sind ins evangelische Gemeindehaus gekommen, um Vorträge zur „Doppelrevolution“ im Kreis Tecklenburg in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu hören. Der Geschichts- und Heimatverein (GHV) hatte dazu eingeladen. Zwei Referenten stellten in Kurzvorträgen zwei Schwerpunkte vor.

Dr. Alfred Wesselmann skizzierte die Begleitumstände der politischen Revolution von 1848 und ihr Scheitern im Kreis Tecklenburg, berichtet der GHV. Die Monate März und April 1848 seien von spontanem, eruptivem

Aufbegehren des einfachen Volkes

gegen eine abgehobene, ferne und oft auch ungerechte Obrigkeit geprägt gewesen. „Erfolg war den einfachen Menschen nicht beschieden. Lediglich ein Amtmann, der in Mettingen, verlor sein Amt“, führte der Referent aus.

„In den Nationalversammlungen in Frankfurt und Berlin hatten die Abgeordneten des Kreises Tecklenburg geringe Erfolge, es sei denn, dass man einen zwar leutseligen, aber ansonsten stockkonservativen Rittmeister als geeigneten Verfechter von Einheit und Freiheit ansieht“, so Wesselmann. Was bleibe, sei der Grundrechtskatalog, auf den man 1919 und 1949 zurückgriff.

In dem korrespondierenden zweiten Kurzvortrag thematisierte Dr. Christof Spannhoff die wirtschaftlichen Verhältnisse im Kreis Tecklenburg. Die Zahl der angestoßenen Reformen in der Landwirtschaft war demnach groß. Neue Methoden der Feldbestellung, neue Maschinen und neue Tierrassen hielten Einzug. Dabei habe sich Landrat Louis von Diepenbroick-Grüter als treibende Kraft erwiesen. Er gründete den Landwirtschaftlichen Kreisverein, war sein Vorsitzender und trieb die Landwirte immer wieder an, sich für Neuerungen zu öffnen. Ihm waren die „Fesseln des Schlendrians“ ein Dorn im Auge. So erklärte er 1859: „Geistiger Fortschritt (ist) die unendliche Aufgabe des einzelnen Menschen, wie der gesamten Menschheit. In ihm wolle die Gnade Gottes auch das teure Tecklenburger Land fort und fort erhalten!“

Dr. Spannhoffs Fazit war vorsichtig und abwägend: Von einer Revolution sei eher nicht zu sprechen, höchstens von einer stillen Revolution. Von einem beharrlichen Reformprozess könne man aber schon sprechen.

Startseite