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Erstimpfung bei den Ledder Werkstätten abgeschlossen

Ein Schritt in die Normalität

Tecklenburg-Ledde

Rund 1400 Personen aus den Ledder Werkstätten haben nun ihren Erstschutz. Sie sind in einer großen Aktion geimpft worden. Das bedeutet, dass sich die Menschen aus den Wohnbereichen und Werkstatt in einiger Zeit wieder frei bewegen können.

wn

Zwei Mitarbeiter beim Aufziehen der Spritzen. Die fertigen Tabletts gingen dann permanent raus zu den vier Impfkabinen in der Ledder Therapiehalle. Foto: Ledder Werkstätten

„Heute haben wir den 8. Erlass zur Impfung der Bevölkerung gegen Covid-19 des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW vom 18. Februar erhalten. Darin ist festgelegt, dass in der zweiten Märzwoche mit den Impfungen in der Eingliederungshilfe mittels mobiler Teams begonnen werden soll.“ Impfungen in Einrichtungen der Eingliederungshilfe – also mit mobilen Ärzteteams vor Ort – hatte das Kreisgesundheitsamt den Ledder Werkstätten (LeWe) am 19. Februar angekündigt. Werkstattrat, die Vertretung der Menschen mit Behinderungen, und die Leitungsverantwortlichen freuten sich erst einmal riesig, weil ihr Bemühen in der Politik erfolgreich war, heißt es in einem LeWe-Bericht.

Blick hinter die Kulissen

Doch was bedeutet die gute Nachricht vom Kreis für so eine große Einrichtung mit mehr als 2000 Menschen praktisch? Blick hinter die Kulissen des Impfzentrums Ledder Therapiehalle am vergangenen Freitag, dem fünften und damit vorletzten Tag der Erstimpfung für Beschäftigte und Mitarbeiter der Betriebsstätten.

„Das läuft hier wirklich gut. Die Bedingungen sind prima“, sagt Dr. Klaus Boymann, während er auf den gelben Impfausweis des nächsten Impflings blickt. Gemeinsam mit seinen Kollegen, Dr. Beate Wacker, Dr. Josef Roters und Dr. Hans-Dieter Rogge, bildet er seit 8 Uhr das Ärzteteam des Tages. Vier Kabinen hat die Haustechnik in der Halle, wo sonst der Rehasport zuhause ist, abgeteilt. Laufwege sind optisch gekennzeichnet, Wartebereiche im Freien vor und nach der Impfung bestuhlt und mit Heizpilzen ausgestattet. Seit einigen Stunden wird der gleichmäßig eintreffende Strom Impfberechtigter abgearbeitet, wozu auch die Papierflut am Eingang und am Ausgang gehört. Schließlich muss jeden Nachmittag die Meldung mit allen Namen an die Kassenärztliche Vereinigung gemacht werden. Auch in den Impfkabinen geht es nicht ohne LeWe-Mitarbeitende, denn als examinierte Pflegekräfte dürfen sie auch Impfstoff verabreichen.

Dr. Klaus Boymann

„Die Räume hier sind optimal“, sagt Beate Wacker, die in Lienen praktiziert, aber die Ledder Impftage gerne begleitet und ihre schon verrenteten Berufskollegen für die Aktion begeistern konnte. Was jetzt so gut funktioniert, hat ein ganzes Team akribisch vorbereitet: Mitarbeiter aus Werkstatt und Verwaltung sind über Wochen mit Abfragen, Anamnesebögen, Einverständniserklärungen und der Logistik beschäftigt. (Begrenzt haltbarer) Impfstoff, die Präsenz der Mediziner, geeignete Räume, begleitende Dinge wie die Verpflegung vor Ort und der zeitlich gestaffelte Zubringerverkehr nach Ledde seien bis ins Detail zu regeln, berichtet Marianne Büscher.

Unverhofft kommt oft. Das gelte manchmal auch für die Impfstoffversorgung, so die Geschäftsleiterin. Am Dienstag nach Ostern, früh um 7 Uhr, sei ein Anruf vom Impfzentrum am Flughafen gekommen, dass 600 Dosen kurzfristig zur Verfügung stehen. „Wollen Sie die haben – aber nur sofort?“ Bis 8 Uhr habe entschieden werden und der Impfstoff dann bis 14 Uhr des Folgetages verabreicht werden müssen. Also habe man am Dienstag und Mittwoch 600 Personen erstgeimpft.

Tim Ortner

Von dem großen Aufwand Dutzender Mitarbeiter im Hintergrund merkt man an diesem Tag wenig. Dort, wo sich sonst die Sportler umziehen, ziehen jetzt zwei Kollegen die Spritzen auf. Das geht ebenso routiniert vonstatten wie die Aufklärungsgespräche der Ärzte mit den Beschäftigten. Unsicherheiten zu nehmen, Abläufe zu erklären, ihre Fragen geduldig zu beantworten – auch darum geht´s. Alle hier sind glücklich, endlich Impfschutz zu bekommen. Tim Ortner, Beschäftigter aus der Abteilung Services, sagt nach dem Pieks: „Das ist ein Schritt ins normale Leben, also dass man halbwegs normal leben kann. Ich habe mich so doll gefreut!“

Organisation und Abläufe funktionierten bis in den Nachmittag reibungslos. Auch deshalb, weil alle 275 Impflinge – wie Tim – froh sind, ein Impfangebot zu bekommen. Wer Hilfe zur Orientierung oder beim Arm freimachen braucht, findet sie sofort. Auch dafür ist Personal da. Zum Impftempo und der professionellen Abwicklung meint Dr. Roters lächelnd, dass Ledde doch eigentlich ein offizielles Impfzentrum sein könnte. Dann ist auch schon Mittagspause. Helfer und Ärzte gönnen sich 15 Minuten für Brötchen und Kaffee. Das haben Mitarbeiter und Beschäftigte vom Pausencafé LeMocca vorbereitet.

Rund 1400 Personen aus der Werkstatt haben nun ihren Erstschutz. Das bedeutet, dass sich die Menschen aus den Wohnbereichen und Werkstatt in einiger Zeit wieder frei bewegen können. Marianne Büscher formuliert das nächste große Ziel: „Bis zum Sommer streben wir einen möglichst normalen Alltag bei uns an.“

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