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Christmette auf der Freilichtbühne

Erinnerung an die Herbergssuche vor 2000 Jahren

Tecklenburg

Ungewöhnlicher Ort für eine Christmette. Die katholische Kirchengemeinde hatte an Heiligabend auf die Freilichtbühne eingeladen. 200 Teilnehmer erlebten den Gottesdienst in einem stimmungsvollen Ambiente.

Michael Baar

Kaplan Ernst Willenbrink zelebrierte die Christmette an Heiligabend 2020 auf der Freilichtbühne Tecklenburg. Die Teilnehmerzahl war, Corona bedingt, auf 200 Personen begrenzt worden. Foto: Michael Baar

Glück muss man haben. So wie das ältere Ehepaar, dass an Heiligabend um 16.25 Uhr am Zugang zur Freilichtbühne steht und leicht verlegen erzählt, dass es von der Christmette gelesen habe und deshalb gekommen sei. „Das mit der Anmeldung ist uns durchgegangen“, räumt die Ehefrau ein. Und jetzt? Wird ihre Sitzplatzsuche so enden wie die Herbergssuche von Maria und Josef in Bethlehem vor gut 2000 Jahren?

Das Paar hat Glück. „Herbergsvater“ Ernst Willenbrink weist ihnen zwei Sitzplätze zu. Ganz oben, ganz links – von der Bühne aus gesehen. „Ein paar Plätze habe ich für solche Fälle frei gehalten“, erläutert der Kaplan. „Jetzt sind wir voll, jetzt darf ohne Anmeldung keiner mehr rein“, informiert er das Team am Einlass. Das Paar im Glück füllt dort gerade das Kontaktformular aus.

Es sind nicht die letzten Personen, die auf gut Glück zur Bühne gekommen sind. Später Kommenden ergeht es wie dem heiligen Paar vor der Herberge: Kein Platz, sie müssen weiter. Das Coronavirus hat die Spielregeln geschrieben. 200 Menschen auf der über 2000 Personen fassenden Bühne sind zugelassen. Die Mund-Nasenbedeckung ist während des gesamten Gottesdienstes zu tragen und (Mit-)Singen nicht erlaubt.

Die Dämmerung senkt sich langsam herab. Das Altartuch flattert im Wind. Die Krippe mit den fast lebensgroßen Figuren erscheint, Rot angestrahlt, als ein Ort der Wärme, der Sehnsucht. Durch die Reihen der weit auseinander sitzenden Besucher fegen Windböen.

Kommentar

Was für eine Kulisse!Kalt und windig – die Christmette auf der Freilichtbühne vermittelt einen guten Eindruck davon, wie Maria und Josef sich bei der Herbergssuche gefühlt haben müssen.

Das Christkind bringt die Geschenke? Es ist wohl eher der Weihnachtsmann und dem ist Ernst Willenbrink zu Dutzenden begegnet. „Es sind die vielen Fahrer, die Pakete durchs ganze Land transportieren und zu uns bringen“, schlägt er die Brücke in die Gegenwart. „In oftmals prekären Beschäftigungsverhältnissen, immer unter Druck, damit wir Weihnachten feiern können.“

Da müsste jedem klar werden, dass es nicht ums beschenkt werden geht beim Gedanken an das Kind in der Krippe. Zwei kurze Sätze, in vielen Weihnachtsliedern und -geschichten zu hören und zu lesen, machen sehr schön klar, was wirklich wichtig ist: „Friede auf Erden“ und „ich verkünde Euch große Freude“.

Nach einer knappen Stunde endet die Christmette zu den Klängen von „Stille Nacht“. Die ausgeteilten Stumpenkerzen sind längst erloschen – der Wind kennt keine Gnade. Dafür setzt der Regen erst ein, als die meisten Besucher ihre Fahrzeuge erreicht haben.

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