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Vortrag von Dr. Thomas Schürmann stößt auf großes Interesse

Erinnerungen an den Bergbau

Tecklenburg

Die Bergbaukultur ist kein einheitlicher Prozess, sie war über die Jahrhunderte zahlreichen Veränderungen unterworfen. Traditionspflege sowie das öffentliche Interesse daran können sie erhalten. Das wurde bei einem Vortrag deutlich, zu dem der GHV eingeladen hatte.

Von Brigitte Striehnund

Foto: Brigitte Striehn

Was wird bleiben von den Erinnerungsorten an die Bergbaukultur im Ibbenbürener Revier? Dieser interessanten Frage ging am Mittwochabend Dr. Thomas Schürmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kulturanthropologischen Instituts Oldenburger Münsterland, in seinem Vortrag für den Geschichts- und Heimatverein (GHV) Tecklenburg auf den Grund. Dr. Alfred Wesselmann, der Leiter des Geschichtskreises, begrüßte die Teilnehmer im Kulturhaus.

Der Referent erläuterte zunächst anhand einer Karte die naturräumlichen Grundlagen für die Steinkohleförderung auf dem Schafberg, die in der Bewegung der Kontinentalplatten vor etwa einhundert Millionen Jahren liegen.

In der Neuzeit hatte sich auf der Ibbenbürener Bergplatte eine vielfältige Montanlandschaft entwickelt, die seit dem 16. Jahrhundert bezeugt ist. Der Abbau von Eisenerz wurde bereits Mitte des 20. Jahrhunderts eingestellt, der Steinkohlebergbau endete 2018. Bis heute wird Sandstein als wertvolles Baumaterial abgebaut.

Zahlreiche Veränderungen

Die Bergbaukultur ist kein einheitlicher Prozess, sie war über die Jahrhunderte zahlreichen Veränderungen unterworfen. Dr. Schürmann hatte für eine Buchveröffentlichung zwischen 2014 und 2018 im Ibbenbürener Raum 100 Interviews zur bergmännischen Arbeitswelt und der Entwicklung der Orte angesichts der Zechenschließung geführt. „Zur Bergbaukultur gehören auch die oft gelobte Kameradschaft und speziell in Ibbenbüren der ausgeprägte Gebrauch von Spitznamen“, so der Referent. Das habe er nirgendwo anders feststellen können.

Dass Feste und Feiern ein wichtiger Teil der Bergbaukultur sind, untermauerte Dr. Schürmann mit Fotos von Bergfesten. Musikalische Darbietungen der Orchester des Musikvereins „Glückauf“ erfreuen sich auch nach Schließung der Zeche – wenn nicht gerade die Corona-Pandemie das kulturelle Leben lahmlegt – großer Beliebtheit. Der Knappenverein hält die bergmännischen Traditionen weiterhin hoch.

Orte des Reviers

Um identitätsstiftende Merkmale näher zu beleuchten, begab sich der Redner anhand vieler Beispiele auf eine Foto-Reise durch Orte des Reviers. In einem Schaufenster wird für „Heimatkohle“, einen regionalen Geschenkgutschein, geworben, historische Zechengebäude, Fördergerüste, Seilscheiben, Siegelbäume oder Kohlehobel an öffentlichen Orten halten die Erinnerung wach. Die Zuhörer fügten noch einige Ergänzungen aus eigenen Erfahrungen hinzu.

Bergehalden sind zu Landmarken geworden, deren Ursprung jedoch auf den ersten Blick kaum noch erkennbar ist. Deutlicher ist der Zusammenhang bei den zahlreichen Grubenzügen oder einzelnen Förderwagen, die selbst private Vorgärten zieren. Ein Zeichen lebendiger Erinnerungskultur stellt der Kreisverkehr am Ortsausgang von Riesenbeck dar. Auf den dort installierten Gleitbögen haben Bergleute der Verbundenheit mit ihrem Beruf und ihrer Trauer über das Ende der Kohleförderung in der Region sichtbar Ausdruck verliehen.

Damit einzelne Erinnerungsorte zu einer „Gedächtnislandschaft“ zusammenwachsen, seien mehrere Faktoren, wie privates und öffentliches Interesse sowie Traditionspflege von Bedeutung. In Ibbenbüren fehle jedoch die für das Ruhrgebiet typische „Revierfolklore“ mit Besonderheiten einer eigenen Sprache, der Taubenzucht oder gar einem Fußballverein. Wenn die direkte Erinnerung an die montane Welt vergehe, werde sich wohl nur ein geringer Teil der Traditionen in das kulturelle Gedächtnis hinüberretten können, so Dr. Schürmann.

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