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Evangelische Friedensethik und die Ukraine

Es fehlen klare Absprachen über die Ziele im Konflikt

Tecklenburg

Detaillierte Informationen und eine facettenreiche Diskussion gab es bei den Tecklenburger Gesprächen. Es ging um die Friedensethik.

-je-

Professor Dr. Hans-Richard Reuter referierte bei den Tecklenburger Gesprächen über die Ethik. Foto: Jannik Engelbert

Was verändern die aktuellen Geschehnisse an der evangelischen Friedensethik, und welchen Blickwinkel hat diese auf den Ukraine-Krieg? Über diese Fragen wurde am Donnerstagabend bei den Tecklenburger Gesprächen informiert sowie ausführlich diskutiert. Für das erste Treffen der Vortragsreihe in diesem Jahr war als Referent Professor Dr. Hans-Richard Reuter zu Gast.

Neben zahlreichen Tätigkeiten in den Bereichen Ethik, Theologie und Sozialwissenschaften ist er auch von 2004 bis 2021 Teil der Kammer für öffentliche Verantwortung der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewesen. So war er auch an der Friedensschrift der EKD im Jahr 2007 beteiligt, welche die evangelische Friedensethik in Deutschland seither bestimmt. Das Leitmotiv ist dabei das Motiv des gerechten Friedens, bestehend aus Schutz der Menschen sowie ihrer Freiheit, Verhinderung von Not und kultureller Anerkennung.

Gewalt ist nicht undenkbar

Nach der evangelischen Kirche ist das Recht das Werkzeug zur Friedenssicherung, wobei eine ideale Weltordnung eine übergeordnete Institution mit Monopolgewalt vorsieht, welche den gerechten Frieden schützt. Zur Erhaltung des geltenden Rechts ist auch Gewalt nicht undenkbar, zum Beispiel im Verteidigungsfall oder bei Genoziden/Völkermorden.

Ein gewaltfreier beziehungsweise ziviler Widerstand ist nach der EKD-Schrift nur zu Beginn und nach Ende kriegerischer Auseinandersetzungen funktional, dass dieser einen Effekt gegen militärische Bedrohungen haben kann, ist dagegen utopisch. Auch die Selbstverteidigung hat ihre ethischen Grenzen, dazu gehören im Bezug auf den Ukraine-Krieg die Verantwortung, einen größeren Konflikt zu verhindern, ein Gebot der Leidvermeidung (Verteidigungsstopp ist nicht sinnvoll) sowie die Legitimität der Kriegsziele.

Klare Absprachen fehlen

Reuter kritisiert zum Beispiel, dass es keine klaren Absprachen zwischen der Ukraine und ihrer Unterstützer darüber gibt, welche Ziele im Konflikt verfolgt werden und bis zu welchem Punkt die verteidigende Gewaltanwendung legitim ist. Die EKD gibt auch zu bedenken, dass jede Gewalthandlung eine gewisse Schuld mit sich bringt, dabei es allerdings nicht feststellbar ist, ob im Verteidigungsfall die Kapitulation tatsächlich weniger Leid bringen würde.

Auf den detaillierten Input des Referenten folgte eine facettenreiche Diskussion mit den Anwesenden, bei der über die Ethik des Krieges beziehungsweise der Verteidigung gesprochen wurde.

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